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Mölkky-Verrückte zu Gast in Erlangen

56 Teams trafen sich in Bruck zur Deutschen Meisterschaft - 15.06.2015 19:00 Uhr

Zwölf Holzklötzchen, ein Ziel: Beim Mölkky versuchen die Spieler exakt 50 Punkte zu erreichen. Trifft man die Kegel mit dem Wurfholz, fliegen sie teils weit auseinander und verteilen sich so auf dem Feld. © Horst Linke


An Kreativität mangelt es den Mölkky-Spielern nicht. Sie haben wunderbare Namen für so ziemlich alles. Für einen störenden Mitspieler (Mölkky-Pirat), für einen ausgezeichneten Mitspieler (Mölkky-Zauberer), für schlechte Würfe (Mölkky-Chaos). Und natürlich für ihre Teams: Mölkkmädchenrechnung, anonyme Mölkkoholiker oder Klötzlemädels.

Zu sehen gibt es die versammelte Mölkkeria (Mölkky-Gesellschaft mit Sehnsucht nach Mölkky-Genuss) bei der Deutschen Meisterschaft (DMM). 56 Teams sind gekommen, um sich auf den Sandplatz des FSV Bruck im Klötzchenwerfen zu messen. Darunter auch Finnen, Franzosen, Tschechen und Schweizer.

Mölkky ist ein finnisches Geschicklichkeitsspiel. Mit einem Wurfholz muss man zwölf nummerierte Kegel umwerfen. Die Zahlen entsprechen den Punkten, die es gibt, wenn man diese trifft. Die umgeworfenen Kegel werden an der Stelle wieder aufgestellt, an der sie gefallen sind. Wer exakt fünfzig Punkte erreicht, hat gewonnen. Wirft man mehr als 50, fällt man auf 25 zurück.

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Zur achten offenen Deutschen Mölkky-Meisterschaft haben sich am Wochenende 300 Mölkky-Spieler in Erlangen versammelt. Die 57 Mannschaften traten gegeneinander an, als es darum ging, mit einem Wurfholz möglichst viele Kegel umzuwerfen.


Die vergangenen drei Jahre hatte immer das Team „Men O’Mölkk“ von den „Nürnbergin Pölkkyveikot“ (NPV), die das Turnier zusammen mit der Deutsch-Finnischen-Gesellschaft veranstalten, die DMM gewonnen. Doch diesmal läuft es in der Vorrunde alles andere als rund. „Die Mannschaften sind stärker geworden“, sagt Roland Weiler. Gerade hat sein Team gegen die Tschechen verloren. „Aber entscheidend sind die Finals.“

Frau und Finnin

Besser läuft es bei „Pistepirkot“. Die liegen in ihrer Gruppe auf Rang vier. Sie sind ein reines Frauen-Team. Im Mölkky ist das zwar keine Seltenheit, bei der DMM in Bruck allerdings tummeln sich vor allem Männer. „Wir stammen alle aus Finnland“, sagt Marjukka Cassaro. Die 46-Jährige kennt das Spiel noch von zu Hause. Gleiches gilt für ihre Teamkolleginnen. „Unsere Kriterien: Frau und Finnin.“

Auf dem Platz daneben beschließt ein Team aus Finnland gerade den letzten Satz. Tony Nyberg trägt ein blaues Kopftuch gegen die starke Sonne. In der Hand hat er eine Bierdose. Auf dem Gesicht ein breites Grinsen. „Verloren, tja“, sagt er. „Aber uns geht’s hier um den Spaß.“ Seine Mannschaft aus Helsinki war bislang bei jeder DMM in Erlangen dabei. „Ein tolles Turnier, schon in der Vorrunde kann man so viel spielen.“ Außerdem lobt der Finne die gute Stimmung. „Es ist immer was los. Auf dem Zeltplatz ist nie Ruhe.“

Party auf dem Zeltplatz

Er deutet auf die Zelte neben dem Sandplatz. Es sind einige mehr als in den vergangenen Jahren. Und nicht nur Gäste nächtigen dort, auch Nürnberger und Erlanger übernachten. „Wir sind total begeistert“, sagt Mitorganisator Horst Neuhoff von den NPV. „Es sind so viele Teams wie nie dabei und die Qualität ist hoch. Ohne regelmäßiges Training hat man dieses Jahr keine Chance auf den Titel.“

Doch es gibt auch reine Hobby-Spieler. Daniel Thamm beispielsweise studiert in Erlangen, hat zufällig Stefan Raab gesehen, als er einst Mölkky in seiner Sendung vorstellte. „Wir haben es ausprobiert und spielen seitdem im Schlossgarten“, sagt der 26-Jährige. Vergangenes Jahr hat er von der DMM erfahren und sich mit Kommilitonen als „Mighty Mölkkers“ angemeldet. „Wir kamen zumindest in die Zwischenrunde.“ Aber das Ergebnis ist, wie bei fast allen Teams, zweitrangig.

„Mölkky ist kein Hochleistungssport“, sagt Neuhoff. Zwar ist es anstrengend, wenn man es zwei Tage am Stück spielt. Bei einigen Teams gehört das Dosenbier jedoch auch dazu. Einen Sieger gibt es natürlich trotzdem. Den Meistertitel sichert sich das Team „Moelkky International“, das sich im Finale gegen „Three and a half man“ aus Erlangen durchsetzt. Dritte sind die Finnen „HMS Travelling“ vor „Men O’Moelkk“.
  

Katharina Tontsch

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