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Neue Erlanger Anlaufstelle in Krisenzeiten

Hochschulambulanz steht allen Menschen mit psychischen Erkrankungen offen - 04.03.2016 15:00 Uhr

Therapiegespräche (wie bei dieser gestellten Szene mit Doktorandin Eva Eichler und Einrichtungsleiter, Professor Matthias Berking) können aus Forschungs- und Lehrgründen aufgezeichnet werden — allerdings nur, wenn der Patient seine Einwilligung gibt. © Foto: Sippel


Die Räume sind hell und freundlich, die Atmosphäre schafft sofort Vertrauen: Hier, im zweiten Dachgeschoss in der Nägelsbachstraße 25a, können, sollen und werden sich Menschen mit psychischen Erkrankungen wohl künftig gut aufgehoben fühlen. Die Zimmer tragen Namen wie „Sonne“, „Meer“ und „Wald“, es hängen bunte Bilder an der Wand, warmes Licht und Pflanzen sorgen für positive Stimmung.

„Es hat auf dem Stock vorher schlimm ausgesehen“, sagt Professor Matthias Berking, der Lehrstuhlinhaber für Klinische Psychologie und Psychotherapie an der Friedrich-Alexander-Universtität (FAU) und Leiter der Hochschulambulanz für Psychologische Psychotherapie.

Mit Wartezeit

Die Umgestaltung hat sich gelohnt: Nach einer Vorbereitungszeit von etwa zwei Jahren eröffnet die FAU nun in der Erlanger Innenstadt offiziell die Einrichtung. Eine Anlaufphase läuft bereits seit vergangenem November. „Obwohl wir uns bisher gar nicht groß präsentiert haben, gibt es bereits jetzt eine Warteliste“, berichtet Berking. Kein Wunder: Therapieplätze seien in Erlangen und der Region begehrt, auf einen Termin müsse der Patient im Schnitt drei bis sechs Monate warten, so Berking.

Dazu kommt: Die Zahl psychischer Erkrankungen nimmt immer mehr zu. „Das zeigen Statistiken der Krankenkassen immer wieder“, erläutert der Diplom-Psychologe und Psychologische Psychotherapeut. Ob allerdings tatsächlich mehr Menschen unter Depressionen, Angsterkrankungen oder Zwangsstörungen leiden oder einfach die Sensibilität für seelische Leiden größer geworden sind, kann auch Professor Berking nicht beantworten. Fakt ist: Der Bedarf an professioneller Beratung wächst seit Jahren.

„Wir wollen mit unserer Hochschulambulanz die Situation etwas entspannen“, sagt der Fachmann. Deshalb richtet sich das Angebot an Menschen aus dem gesamten Großraum — mit (fast) allen psychischen Krankheiten. Behandelt werden Frauen und Männer mit Depressionen, Angststörungen, Suchterkrankungen oder Verhaltensabhängigkeiten wie Spielsucht. Bald sollen auch Kinder und Jugendliche betreut werden. Anfallende Behandlungskosten werden in der Regel von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen.

„Wir setzen für unsere Kurzzeittherapie 25 Sitzungen à 50 Minuten an“, berichtet der 44-Jährige. Dabei arbeiten die Experten der Hochschulambulanz eng mit niedergelassenen Ärzten oder stationären Einrichtungen wie dem Universitätsklinikum zusammen. Die Nähe zur FAU und zur Wissenschaft ist in der Hochschulambulanz ohnehin allgegenwärtig.

Studenten werden einbezogen

Zu einer Uni-Einrichtung gehören Forschung und Lehre dazu: Daher sind Psychologie-Studenten in die Behandlungspläne mit eingebunden — so weit der Betroffene das will.

Die angehenden Psychologen nehmen an Gesprächen teil, stellen Kassenanträge, gestalten Therapien oder verfolgen aus Forschungs- und Lehrgründen Sitzungen live über Kamera-Mitschnitt in einem anderen Raum.

Von der Einrichtung profitierten, so Berking, also alle Beteiligten: Studierende sammeln praktische Erfahrungen, Behandlungsergebnisse fließen in Studien ein und stärken das Fach — und der Patient bekommt möglichst schnell kompetente Hilfe. „Unser Forschungsaspekt sorgt für besondere Gründlichkeit — eine solche Qualitätssicherung finden Sie in niedergelassenen Praxen selten.“

Patienten, die an einer Therapie in der Hochschulambulanz für Psychologische Psychotherapie, Nägelsbachstraße 25a, interessiert sind, erhalten Auskunft unter (09131)/85-6 75 77, dienstags zwischen 13 und 16 Uhr sowie mittwochs zwischen 10 und 13 Uhr. 

SHARON CHAFFIN

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