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Ohne Seehofer: Tag der Franken in Erlangen gefeiert

Mammut-Programm, Tropische Temperaturen und kaum rot-weiße Fahnen - 05.07.2015 20:21 Uhr

Bezirkstagspräsident Richard Bartsch, Innenminister Joachim Herrmann und Oberbürgermeister Florian Janik mit dem Bild von Oliver Tissot für Horst Seehofer. © Michael Müller


Unfränkisch waren auf jeden Fall die tropischen Temperaturen. Morgens um 10 Uhr schon 30 Grad, die Plätze im Schatten beim Festakt zur Eröffnung des Frankentags waren alle belegt. Kabarettist Oliver Tissot, der Nürnberger Franke ist österreichischer Staatsbürger, führte durch den Festakt. Wenn er besonders witzig war, berief er sich auf seine „Regieanweisungen“.

Die sahen auch vor, dass sich 40 in Erlangen lebende Menschen in ihrer Muttersprache vorstellten. Spätestens hier war klar, dass der „Tag der Franken“ in Erlangen nichts mit rot-weißem Schenkelklopfen gemein haben wird. Anders als in Schwabach oder Ochsenfurt, fehlten in Erlangen auch die rot-weißen Fahnen an den Häusern. Vereinzelt wurde sogar eine weiß-blaue Fahne gesehen.

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„Offen aus Tradition“ war das Motto des Frankentags, „Offen aus Tradition“ ist auch das Motto der Stadt Erlangen, die einst selbst von Flüchtlingen profitierte und auch der Bezirk Mittelfranken wollte sich als weltoffene Region präsentieren, in der Migranten willkommen sind. Es gab ein multi-kulti Programm: Fränkische Blasmusik und türkische Folklore. Fränkische Trachten und einen Trommelkurs.

Zweifel im Vorfeld

Bereits im Vorfeld waren Zweifel aufgekommen, ob Erlangen „als unfränkischste aller fränkischer Städte“ den „Tag der Franken“ mit Leben erfüllen kann. Sorgte OB Florian Janik mit der einen oder anderen Äußerung über den Sinn des "Tags der Franken" für Aufregung. Erlangen kann, wenn auch nicht so, wie es sich fränkische Patrioten wünschten.

Einen Dämpfer für die Feierlichkeiten gab es aber: Horst Seehofer kam nicht. Keine Zeit, heißt es aus der Staatskanzlei. "Der Minsterpräsident kommt grundsätzlich gerne zum Tag der Franken und er war ja in den vergangenen Jahren auch dort", sagte Rainer Riedl, Sprecher der Staatskanzlei gegenüber dem Bayerischen Rundfunk.

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In der Hugenottenkirche gab es die Ausstellung „Fremde in Franken“ zu sehen und im Stadtmuseum wurden „Muslime in Erlangen“ gezeigt. Ganz nach dem Motto der Stadt für den „Tag der Franken“: „Migration und Integration sind in der Hugenottenstadt seit Jahrhunderten zu Hause. Erlangen präsentiert sich als weltoffene Stadt, die Respekt, Toleranz und Willkommenskultur täglich lebt.“

Podiumsdiskussion mit Herrmann

Bei der Podiumsdiskussion des Bayerischen Rundfunks mit Innenminister Joachim Herrmann, Landtagspräsidentin Barbara Stamm, Bezirkstagspräsident Richard Bartsch, Oberbügermeister Florian Janik und der Vorsitzenden des Migrantinnen-Netzwerk Bayern Marissa Pablo-Dürr ging es zunächst ums Fränkische, ehe Migranten zum Hauptthema wurden. Landtagspräsidentin Barbara Stamm forderte die Flüchtlings-Netzwerke in Bayern auf, „nicht nur über eine Partei zu reden, sondern auch mit uns zu reden.“

Der Festakt wurde von Oliver Tissot beendet. Er übergab dem stellvertretenden Ministerpräsidenten Joachim Herrmann eine fränkische Collage mit der Bitte, diese an Horst Seehofer zu überreichen. Die Collage zeigt den bayerischen Ministerpräsidenten neben einer rot-weißen Fahne umgeben von fränkischen Accessoires wie Breze und Brot.

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Mit dem jährlich abgehaltenen Festtag erinnern die drei fränkischen Regierungsbezirke an die Gründung des fränkischen Reichskreises am 2. Juli 1500. Der Bayerische Landtag hatte für den „Tag der Franken“ im Mai 2006 grünes Licht gegeben. Nächstes Jahr findet der „Tag der Franken“ im oberfränkischen Hof statt.

War schon beim Festakt die Zahl der Besucher überschaubar, kamen auch am Nachmittag weit weniger Gäste als erwartet: „Auf die angepeilten 10.000 Besucher werden wir sicherlich nicht kommen“, sagte Bezirksheimatpflegerin Andrea Kluxen.

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EGBERT M. REINHOLD

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