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Dienstag, 25.09.2018

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Pflegeheim am Fuß des Schlosses im Marloffstein?

Sogar schon Vertrag mit dem BRK geschlossen - 23.03.2018 12:00 Uhr

Der aufwändig hergerichtete Park des Schlosses soll teils mit einem Altenpflegeheim für 55 Personen bebaut werden.r © Klaus-Dieter Schreite


Ein Baucontainer steht bereits auf dem Innenhof des Marloffsteiner Schlosses, allerdings noch nicht für den Neubau des Alten- und Pflegeheims. Erst einmal sollen innen die neuzeitlichen Beläge wie Laminat, PVC-Fußböden, Fliesen und Putz entfernt werden, "um den weiteren Bestand im Detail sichten und weiter katalogisieren zu können". So steht es in der Sitzungsvorlage für den Gemeinderat, der dieser Maßnahme zustimmen sollte.

Denn das Grundstück ist in der Liste Marloffsteiner Baudenkmäler aufgeführt. "Ehemaliges Schloss, zweigeschossiger, mehrfach gewinkelter Walmdachbau mit kurzen Seitenflügeln, flachem Dreiecksgiebel und Balkon, im Hof Erdgeschossarkaden, errichtet 1691-95 über einer Burg des 11./12. Jahrhunderts", steht dort . Darum ist auch für Maßnahmen im Innern eine denkmalschutzrechtliche Erlaubnis erforderlich.

Der Gemeinderat wird dazu befragt, hat über die Maßnahme allerdings recht kontrovers diskutiert. Denn die Mitglieder waren etwas verstimmt darüber, dass die Arbeiten ohne ihre Einbindung einfach begonnen wurden. Fünf Gemeinderäte haben dann ihr Einverständnis für das Vorhaben gegeben, ebenso viele haben es verweigert. Bei Stimmengleichheit ist der Beschluss abgelehnt. Allerdings hat das Landratsamt laut Bürgermeister Eduard Walz die Arbeiten nun doch unter Auflagen genehmigt.

Die Maßnahmen im Schlossinnern sind aber erst der Anfang für ein größeres Vorhaben, das erst durch den Nachbarn des Schlosses, den Landwirt Josef Kohlmann, öffentlich gemacht wurde. Gesprächsnotizen mit dem neuen Schlossherrn Jürgen Friedsam aus Dechsendorf und mit dem Landratsamt hat er während einer Versammlung verteilt. Kohlmann macht sich Sorgen um seinen landwirtschaftlichen Betrieb, befürchtet Auflagen, die er nicht erfüllen kann. Unter anderem, so sagte er den Erlanger Nachrichten, sei der Weg zwischen seinem Haus und dem Stall, den er für den Betrieb seiner Landwirtschaft benötige, als Rettungsweg vorgesehen. Wenn er den nicht mehr nutzen könne, müsse er die Landwirtschaft einstellen.

Landrat Alexander Tritthart bestätigte den Erlanger Nachrichten auf Anfrage, dass dem Bauamt zwar ein "Grobentwurf" zur Information, jedoch noch kein Bauantrag vorliege. "Ohne einen konkreten Bauantrag kann man nicht sagen, ob man dem Vorhaben näher treten kann, oder ob man es kritisch sieht". Außerdem, so der Landrat, würde es sich in diesem Fall nicht nur um ein rein baurechtliches sondern um ein denkmalrechtliches Verfahren handeln. Das habe er auch Herrn Kohlmann gesagt, um Gerüchte aus der Welt zu schaffen.

Einen offiziellen Bauantrag gibt es zwar nicht, jedoch sind die Pläne schon recht konkret. Sie sehen am östlichen Flügel des Schlosses einen Anbau für ein Senioren-Pflegeheim vor, der L-förmig Richtung Westen abknickt und große Teile des Schlossgrabens einnimmt. Das BRK hat sogar schon einen Pachtvertrag für das Pflegeheim mit 55 Plätzen unterschrieben. Das bestätigte die Geschäftsführerin des BRK Erlangen-Höchstadt, Beate Ulonska, dieser Zeitung auf Anfrage. "Der Mietvertrag greift aber nur, wenn der Bau genehmigt und realisiert wird", sagte sie. Das BRK sehe hier die Möglichkeit, die im östlichen Landkreis dringend benötigten stationären Pflegeplätze zu schaffen. In dem Schloss selbst seien die Räumlichkeiten für einen Pflegeprozess nicht vorhanden, darum biete sich ein Anbau an. Einen solchen habe es im Übrigen schon früher einmal gegeben, weiß Ulonska.

Mit dem Schlossherrn sei man bereits seit einem Jahr im Gespräch, habe sogar einen Gutachter eingeschaltet. Geplant sei unter anderem auch ein offener Café-Bereich, die Einrichtung solle einen "Quartiersbezug" bekommen. "Wir haben Herz und Leidenschaft beim Thema Pflege, dass wir Kompetenz haben, haben wir schon mit unserem Alten- und Pflegeheim in Etzelskirchen bewiesen", sagt Beate Ulonska.

Einen Ortstermin mit den Beteiligten und dem Landesamt für Denkmalpflege hat es laut Landrat auch schon gegeben. Angesetzt gewesen sei der allerdings, um die Innenarbeiten zu begutachten, sagt der Chef der Bauverwaltung in der Verwaltungsgemeinschaft Uttenreuth, Andreas Geck. Das Landesamt wird nun eine Stellungnahme zu dem Bauvorhaben abgeben.

Bürgermeister Eduard Walz sagte den EN, er werde das Vorhaben im Gemeinderat besprechen, sobald diese Stellungnahme vorliege. Der Bauausschuss der Gemeinde, in dem der Bauherr sein Vorhaben in nichtöffentlicher Sitzung vorgestellt habe, stehe dem Vorhaben positiv gegenüber. Immerhin sei es auch Pflichtaufgabe der Gemeinde, für solche Pflegeplätze zu sorgen. "Der Ansatz ist gut", sagt Walz. Doch stelle sich die Frage, ob der Schlossgraben der richtige Bauplatz dafür sei.

Weil die Gemeinde die im Rahmen der Dorferneuerung aus dem Konjunkturprogramm II erhaltenen Zuschüsse für die Neugestaltung des Schlossgrabens in Höhe von rund 130 000 Euro zumindest teilweise wohl zurückzahlen müsse, wenn der Schlossgraben anderweitig genutzt werde, weil der Flächennutzungsplan geändert und ein Bebauungsplan aufgestellt werden müsse, müsse man das in einem städtebaulichen Vertrag regeln, meinen Walz und Geck. Die Gemeinde werde für das Bauvorhaben " keinen Cent ausgeben".

Der Projektentwickler von Schlossherr Jürgen Friedsam, Gerhard Nagl aus Deggendorf, bestätigte den EN auf Anfrage, dass man nun auf die Stellungnahme des Landesamtes für Denkmalpflege warte. "Den Inhalt werden wir abarbeiten und in unsere Pläne einarbeiten. Dann gehen wir in das normale Verfahren".

Als "sportlich" bezeichnet Nagl das Ziel der Fertigstellung bis Herbst 2019 und sagt: "Wir müssen nun in die Puschen kommen". Immerhin sei er seit Oktober 2016 mit den Planungen beschäftigt. Und gut tue es dem Schloss, das Jürgen Friedsam bereits 2015 gekauft habe, auch nicht, wenn es weiter leer stehe. Eine Alternative für den Fall, dass die Genehmigung wider Erwarten nicht erteilt werde, gebe es nicht.

Landwirt Josef Kohlmann indes will nicht einfach so aufgeben. Seit 250 Jahren betreibe seine Familie den landwirtschaftlichen Betrieb in Marloffstein, den Ort habe sie wesentlich mit geprägt, sagt er. Einen ganzen Sonntag sei er darum unterwegs gewesen, um über das Vorhaben zu informieren. Nur ein Bürger habe dem positiv gegenüber gestanden. "Wir werden noch etwas Großes dagegen unternehmen", kündigt er an. 

KLAUS-DIETER SCHREITER

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