Mittwoch, 19.12.2018

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Seit 40 Jahren wird im Meilwald geschwitzt

„Schweißtropfenbahn“ ist eine Breitensporteinrichtung mit Weitblick - 07.11.2010 08:00 Uhr

Unter der Anleitung von Egon von Stephani beteiligten sich über 60 Freizeitsportler an der Aufwärmgymnastik. © Bayerlein


Der Anfang wurde mit Waldläufen gemacht. Egon von Stephani, er war damals technischer Leiter des Stadtverbandes für Leibesübungen, heute der Stadtsportverband, erinnert sich noch sehr gut an die Anfänge. „Warum soll Sport nur in Sportvereinen und deren Abteilungen, warum soll nur Leistungssport stattfinden?“ war die Frage und zusammen mit einigen Mitstreitern, insbesondere mit dem Sachbearbeiter Walter Knobloch im damaligen städtischen Amt für Jugend und Sport, wurde überlegt, Angebote für Jedermann zu machen. Und der Erfolg stellte sich sogleich ein: Wie aus der Niederschrift des damaligen Sportbeirates hervorgeht, beteiligten sich an einem Waldlauf am 23. Juni 1968 früh um 8 Uhr im Erlanger Meilwald etwa 100 Teilnehmer.

Bevor der Waldlauf stattfinden konnte musste allerdings eine passende Strecke gesucht werden. Mit dem zuständigen städtischen Förster und dem damaligen Kreisvorsitzenden der Erlanger Leichtathletik, Walter Knauer, machte sich Egon von Stephani auf die Suche. Im Meilwald an der Spardorfer Straße, gleich nach dem Gelände des Turnerbundes 1888, wurde eine Strecke von fünf Kilometern ausgesucht. Die Bäume wurden mit den Erlanger Stadtfarben markiert und einzelne Streckenabschnitte von 500, 1000, 2500 und 5000 Metern ausgemessen. Das Gelände wurde bewusst so gewählt, dass Intervallläufe für leichte Anstiege und flache Abschnitte möglich waren.

Passender Name

Im Rundschreiben für die Aktion „1000 Punkte für Deine Gesundheit“ vom Juni 1968 wurde für einen Waldlauf auf der so genannten „Schweißtropfenbahn“ erstmals eingeladen. Wie dieser Name entstanden ist, ist heute nicht mehr genau festzustellen. Wahrscheinlich kommt er daher, dass bei Waldläufen schon immer mancher Tropfen Schweiß geflossen ist und heute bei den vielen Freizeitsportlern und Läufern noch fließt.

Interessant ist auch schon die damalige Begründung für eine aktive sportliche Betätigung. In den zivilisierten Ländern, so heißt es 1968 in einem Rundschreiben, stehen bekanntlich die Herz- und Kreislaufschäden weitaus an der Spitze aller Erkrankungen. Hauptursachen sind Bewegungsarmut, nicht richtige Ernährung, Stress und Rauchen. Vornehmlich die moderne Sportmedizin, die sich die Belange der vorbeugenden Maßnahmen gegenüber Zivilisationsschäden zur Aufgabe gemacht hat, fordert, dass ein Mindestmaß gezielter körperlicher Beanspruchung ebenso zu den täglichen Gepflogenheiten eines zivilisierten Menschen zählen sollte, wie etwa das Zähneputzen, hieß es weiter.

Wie aus den weiteren Unterlagen des Sport- und Bäderamtes hervorgeht, wurden regelmäßig im Jahr Waldläufe durchgeführt, 1974 auch ein Orientierungslauf über 10 km.

An der Wichtigkeit einer sportlichen Betätigung hat sich bis heute nicht viel geändert, auch wenn heute andere Begriffe, wie Breitensport, Gesundheitssport oder Seniorensport verwendet werden. Unzählige Sportlerinnen und Sportler, jung und alt, benutzen seit über vier Jahrzehnten täglich die Schweißtropfenbahn und den Meilwald und haben Freude am Waldlauf, oder seit einigen Jahren auch an Nordic-Walking, in frischer Luft und schöner Umgebung.

Über 60 Teilnehmer, darunter der jetzige Leiter des städtischen Sport- und Bäderamtes, Ulrich Klement, sowie sein Vorgänger im Amt, Siegfried Händel, beteiligten sich unter der Anleitung von Egon von Stephani an der Aufwärmgymnastik und mit Ingrid Lisson am Gehen, Laufen und an der Atemgymnastik im herbstlichen Meilwald. 

ERNST BAYERLEIN

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