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SPD diskutiert: Erlanger sollen Plätze mitgestalten

Wie viel Demokratie verträgt Stadtplanung, wie viel Demokratie benötigt sie? - 02.06.2016 18:00 Uhr

Der Vorplatz vor den Arcaden als (juristisch) privater, dennoch aber öffentlicher Raum, war lange Zeit Gegenstand von Auseinandersetzungen. Heute hat alles seinen Platz. © Foto: Sippel


Der Erlanger Kultur- und Sozialgeograf Prof. Fred Krüger zeichnete mit einigen „unsortierten Notizen“, wie er sagte, ein buntes Bild der Themen, die die Frage nach der Verfügung über den öffentlichen Raum beinhalten. Dabei versuchte er keinen historischen Abriss der Stadtbildung, sondern zeigte an zahlreichen Beispielen auf, welche Probleme sich in einer modernen Stadt mit ihren ebenso zahlreichen wie widersprüchlichen Nutzungsansprüchen ergeben: Einkaufszentren gegen Grünflächen, Verkehrs- statt Aufenthaltsräume, betonblanker Funktionalismus gegen ästhetische Stadtgestaltung, „Aufgeräumtheit“ gegen die Rückkehr der Natur in Gestalt von Bäumen und selbstangelegten Beeten.

Dass dabei in der Stadt – gegenüber dem Dorf – mit ihrer eingeschränkteren sozialen Kontrolle und ihren Freiräumen bei der freiwilligen Mitgestaltung ein etwas komplexeres Klima herrscht, ergibt nach Prof. Fred Krüger neue Fragestellungen, die immer wieder neu beantwortet werden müssen: Wie viel Demokratie benötigt die sich verändernde Stadtgestalt, wie viel Demokratie verträgt eine Stadtentwicklung durch Stadtplaner.

Beispiel Nürnberger Kornmarkt

Am Beispiel des Kornmarkts vor dem Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg machte er deutlich, wie planerischer Gestaltungswille und spontane Inanspruchnahme des öffentlichen Raums aufeinander prallen können: Die Nürnberger Skaterszene hatte den Platz nach seiner Verkehrsberuhigung sofort als ideales Übungsgelände erkannt und war auch durch wiederholte behördliche Vergrämungsmaßnahmen nicht wegzubekommen. Schließlich gaben sich belästigt fühlende Anlieger und die Behörden auf – heute darf dort „genehmigt“ geskatet werden, das Jugendamt hatte sich mit seiner Auffassung von öffentlichem Spielen gegen das Ordnungsamt mit seiner Auffassung vom Schutz vor (Lärm-)Belästigung durchgesetzt.

Die sich aus den unterschiedlichen Nutzungsansprüchen ergebenden Konflikte werfen laut Krüger die Frage auf, ob es nicht zu einer Kultur der Stadtplanung kommen müsse, in der die Bürgerbeteiligung sozusagen systemisch eingebaut ist – „die Bürger fühlen sich zunehmend drangsaliert“.

Viele Themen, weitere Termine folgen

Wie es sich auch in der anschließenden Diskussion zeigte in der gefordert und von einem kleinen Podium (Kulturamtsleiterin Anna Steinert-Neuwirth und Andi Drechsler vom Stadtjugendring, moderiert von der SPD-Fraktionsvorsitzenden Barbara Pfister) dahingehend zugestimmt wurde, dass den Anwohnern die Chance gegeben werden sollte, eigene Konzepte zur Gestaltung ihres Wohn- und Geschäftsumfeldes zu entwickeln.

Nur gestreift wurden an diesem Abend weitere Themen wie eine ästhetische Stadtgestaltung – hier habe Erlangen einigen Nachholbedarf, sagte die künftige Kulturreferentin Steinert-Neuwirth –, das Problem der Kommerzialisierung des öffentlichen Raums und die Gefahr der Zerstörung gewachsener Milieus durch steigende Grund- und Mietpreise und die danach folgende Gentrifizierung. Allerdings gibt es auch hier gegenläufige Tendenzen wie die Rückeroberung ehemals industriell genutzten Stadtraums durch Wohnnutzung. Das Beispiel Fürth zeige, so Krüger, dass Hinterhöfe wahre Oasen sein könnten.

Am Beispiel des Erlanger Bohlenplatzes soll am Dienstag, 5. Juli, eine Diskussion zum Thema „Interessenkollision im öffentlichen Raum“ deutlich machen, dass es viel Potenzial zur Veränderung und Gestaltung gibt, wenn man sich von festgefahrenen Vorstellungen löst. Ein Plädoyer für mehr Grün in der Stadt am Beispiel Zollhaus-Viertel folgt am 26. Juli.

Infos unter www.spd-erlangen.de/auf-die-plaetze 

PETER MILLIAN

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