6°C

Freitag, 18.04. - 00:26 Uhr

|

Steht das E-Werk vor dem Aus?

Subventionserhöhung um 265.000 Euro beantragt - 03.07.2012 12:50 Uhr

Mit Einnahmen aus den vielen E-Werk-Partys werden Verluste bei Kultur- und Soziokultur-Veranstaltungen „gegenfinanziert“. Wenn die Gema-Tarif-Reform kommt, steigert sich die Jahresabgabe um rund 55.000 Euro.

Mit Einnahmen aus den vielen E-Werk-Partys werden Verluste bei Kultur- und Soziokultur-Veranstaltungen „gegenfinanziert“. Wenn die Gema-Tarif-Reform kommt, steigert sich die Jahresabgabe um rund 55.000 Euro. © Windhorst


„Die Gefahr, die wir aufzeigen, ist sehr real. Obwohl wir für einen Kulturbetrieb sehr erfolgreich wirtschaften, ist aufgrund des finanziellen Drucks der gewohnte Betrieb bald nicht mehr möglich“, begründet E-Werk-Geschäftsführer Berndt Urban den Appell zur Erhöhung der städtischen Subventionen um 265000 Euro pro Jahr.

„Zwölf Jahre haben wir uns nicht mehr mit so einer Bitte an die Politik gewandt, doch nun ist das Ende der Fahnenstange erreicht.“ Sein Horrorszenario: „Ohne eine Erhöhung des jährlichen Zuschusses in der genannten Höhe droht der E-Werk Kulturzentrum GmbH in absehbarer Zeit die Insolvenz.“

Drei Hauptgründe nennen die E-Werk-Verantwortlichen für die angespannte finanzielle Situation: Ganz vorne stehen dabei die Personalkosten. 80 feste Mitarbeiter (davon 61 in Vollzeitstellen) beschäftigt das Kulturzentrum an der Fuchsenwiese.

Das Kulturzentrum E-Werk musste bereits Ende der 1990er Jahre aus Kostengründen aus dem Tarif für den öffentlichen Dienst aussteigen. Die Vergütungen liegen seither erheblich unter denen des öffentlichen Dienstes (TVöD). Bis Ende Februar 2012 betrug der Lohn des Personals 82 Prozent des TVöD. Bereits in diesem Jahr kann das E-Werk den für 2012 beschlossenen Teil der Tariferhöhung nicht mehr umsetzen. Damit sinken die Vergütungen im Jahr 2012 auf nunmehr 79,23 Prozent im Verhältnis zum TVöD.

Die Umsetzung der Tariferhöhung und damit ein Verbleib des Lohnniveaus auf 82 Prozent des TVöD bedeutet für 2013 einen Zuschussmehrbedarf in Höhe von 95000 Euro, ab 2014 von 110000 Euro pro Jahr. Urban: „Sollte die Tariferhöhung nicht umgesetzt werden, sinken die Gehälter auf ein nicht mehr verantwortbares Maß.“

Schon jetzt sei es schwierig, qualifiziertes Personal — das E-Werk beschäftigt Mitarbeiter vom Koch über Techniker und Sozialpädagogen bis hin zu Verwaltungsfachkräften — zu bekommen — und dann auch zu halten. Ein Beispiel: Derzeit ist eine 20-Stunden-Stelle im Bereich Öffentlichkeit ausgeschrieben. Die Qualifikationen-Liste ist lang. Die Verdienstmöglichkeit eher überschaubar. Rund 960 Euro werden auf dem Lohnzettel stehen. Brutto.

Weitere Baustelle: Gebäudeunterhalt

Eine weitere — im wahrsten Sinne des Wortes — „Baustelle“ ist der Gebäudeunterhalt. Im Zuge der Modernisierungsmaßnahmen im Kulturzentrum E-Werk wurde der für den Bauunterhalt zweckgebundene Teil des Zuschusses im Jahr 2005 um 35000 Euro im Jahr gesenkt, so dass der Gesamtzuschuss auf 373200 abgesenkt wurde. „Auch wir gingen davon aus, dass nach einer Sanierung weniger Kosten anfallen.“ Doch die Sanierung wurde nicht komplett abgeschlossen. Allein für die neue Ausstattung müssen jährlich allein 25000 Euro für Wartungsverträge aufgebracht werden.

Wenn nun auch noch die Gema-Tarif-Reform umgesetzt wird, erhöhen sich hier die jährlichen Abgaben bei Veranstaltungen um 55000 Euro.

Dabei arbeitet das E-Werk für einen Kulturbetrieb — wenn man auf die blanken Zahlen blickt — fast schon vorbildlich: Von 2001 auf 2011 wurden die Gesamteinnahmen von 2,2 auf fast 3,5 Millionen Euro gesteigert. „Mit einer Eigenerwirtschaftung von 85,61 Prozent liegen wir bei vergleichbaren Häusern bundesweit in der Spitzengruppe.“

Auch Programmleiter Holger Watzka betont, dass schon alle Stellschrauben bei Einnahmen und Ausgaben festgedreht wurden. Mehr gehe nicht mehr, wenn nicht das Gesamtkonzept, das vor allem auf (Sozio)Kulturarbeit — im E-Werk haben Musik und Literatur ebenso ihren Platz wie Jugendprojekte oder Jongliergruppen — setzt, in Gefahr geraten soll. Weniger Veranstaltungen würden zudem auch wieder weniger Einnahmen bedeuten. „Hier beißt sich die Katze selbst in den Schwanz!“ 

Von Stefan Mößler-Rademacher

52

52 Kommentare

Seite drucken

Seite versenden