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Universalgelehrter mit kritischem Geist

Erlangens Ehrenbürger und ehemaliger Uni-Chef Prof. Nikolaus Fiebiger ist 85 Jahre alt - 07.08.2007

Er feiert heute seinen 85. Geburtstag: Erlangens Ehrenbürger Prof. Nikolaus Fiebiger. © Archiv


Fiebiger, von seinem heutigen Nachfolger Prof. Karl-Dieter Grüske als «größter Universalgelehrter weit und breit» charakterisiert, war immer ein kritischer Geist - vor allem gegenüber der Politik. So forderte er anlässlich seines 80. Geburtstags vehement Elitehochschulen ein - und wurde spät erhört. Damals gab er auch einen Appell an die Bildungsverantwortlichen weiter: «Die Förderung muss schon in der Schule anfangen. Dort wird aber vielfach die Leistung nur auf unterstes Niveau gedrückt. Wenn die Guten zu gut sind, müssen sie warten, bis die anderen aufgeholt haben. Das ist töricht und für eine Volkswirtschaft unerträglich.» Und immer wies er mitunter mit drastischen Formulierungen auf die Unterfinanzierung der Hochschulen hin: «Hier an Investitionen zu sparen, ist das größte Verbrechen. Damit nehmen wir uns unsere Zukunft.»

Die Verantwortlichen der Stadt Erlangen wussten stets, was sie Fiebiger zu verdanken hatten - und ernannten ihn 1990 zum Ehrenbürger. Auch das Große Bundesverdienstkreuz und der Bayerische Verdienstorden unterstreichen Fiebigers großen Einfluss auf die deutsche Wissenschaft, den er als Initiator des nach ihm benannten Planes zur Sicherung und Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses zu untermauern wusste.

Die «Abrundung» der von ihm aufgebauten und geförderten Technischen Fakultät ist sein Werk. So konnte nicht ausbleiben, dass der gebürtige Schlesier 1993 mit der Helmut-Volz-Medaille der TechFak geehrt wurde und er 1997 deren Ehrendoktorwürde erhielt. Das Zentrum für Molekulare Medizin der Universität ist seit 2001 nach ihm benannt.

2002 wurde er Ehrenmitglied der Fraunhofer Gesellschaft und 2005 mit der Fraunhofer-Medaille gewürdigt. Fiebiger war nämlich maßgeblich an der Ansiedlung der beiden Fraunhofer Institute am Standort Erlangen sowie der Förderung der Mikroelektronik beteiligt.

Fiebiger - Chef der Universität von 1969 bis 1972 als Rektor und von 1975 bis 1990 als Präsident - ist emeritierter Inhaber des Lehrstuhls für Experimentalphysik. Sein wissenschaftliches Interesse galt vor allem der experimentellen Kernphysik, insbesondere mit Neutronenstrahlen. UDO B. GREINER

 

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