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Wohnraum für Studenten in Erlangen bleibt knapp

Kostengünstige Zimmer: Ist das bei den Mieten überhaupt möglich? - 05.09.2018 11:00 Uhr

Die Suche nach günstigem Wohnraum für Studenten ist schwer. Das Erlanger Wohnheim Alexandrinum des Studentenwerks wird zum Beispiel derzeit saniert. Die Baumaßnahmen sollen übernächstes Jahr fertig sein. © Foto: Horst Linke


Das Studentenwerk Erlangen-Nürnberg sorgt unter anderem für solche Alternativen mit Neubauten und fast 1800 Wohnheimplätzen. Momentan steckt es tief in der Sanierung des Alexandrinums, die übernächstes Jahr fertig werden soll. Und erst dieses Jahr weihte das Studentenwerk ein neues Wohnheim ein.

Trotzdem kann durchschnittlich nur an jeden vierten Bewerber ein Zimmer vergeben werden, weiß Uwe Scheer, Pressesprecher des Studentenwerks Erlangen-Nürnberg. "Ich kann mich nicht daran erinnern, dass wir jemals Leerstand hatten." Ausgewählt wird hier nach Bedürftigkeit und nicht nach dem "first come-first serve-Prinzip" (etwa: Der Erste mahlt zuerst). Bedürftigkeit bedeutet erst mal kein Einkommen über dem Bafög-Höchstsatz. Bedürftig sind unter anderem aber auch zum Beispiel Studierende mit Erkrankungen, Behinderungen oder eigenen Kindern. Bedürftigkeit hängt jedoch nicht mit dem aktuellen Wohnort zusammen, erklärt Scheer und dementiert damit das hartnäckige Gerücht, dass Personen bevorzugt werden würden, die eine weitere Anreise-Strecke nach Erlangen hätten.

Das Gesamtkonzept wird gesehen, erklärt er. Bewerben solle man sich so früh wie möglich und dabei auch umfassende Informationen geben und nicht zu wählerisch sein, was das Wohnheim betrifft. "Sie werden nie mehr als zehn Minuten mit dem Fahrrad fahren."

Wenn es mit dem Zimmer dann aber nicht geklappt haben sollte, bietet das Studentenwerk zudem die Möglichkeit an, sogenannte "Vormietverträge" abzuschließen. (Anm. d. Red: Die können ein Semester im Voraus abgeschlossen werden und garantieren einen Wohnheimplatz zum Sommersemester). Trotzdem sei "Erlangen als Brennpunkt zu betrachten", betont Scheer. Das hänge, laut Scheer, vor allem mit dem hohen Durchschnitts-einkommen in Erlangen zusammen, durch welches auch die Mietpreise ansteigen würden. Zudem wachsen die Studentenzahlen immer weiter, erklärt Thomas Heuchling, Pressesprecher der Joseph-Stiftung. Das Problem kennt auch Elaine Eckert, Pressesprecherin des Evangelischen Siedlungswerks. "Wir können euch nichts anbieten" ist ein Satz, den Eckert und ihre Kollegen momentan öfter sagen müssen, als ihnen lieb ist. "Der Andrang ist so groß, dass es faktisch nichts gibt", fährt sie fort. Und auch die Joseph-Stiftung kann dem Bewerberansturm nicht gerecht werden.

Wichtige Voraussetzungen

Um ein Zimmer bei der Joseph-Stiftung zu bekommen, seien die wichtigsten Voraussetzungen eine gültige Immatrikulationsbescheinigung und der finanzielle Umstand, dass das monatliche Einkommen nicht den Bafög-Höchstsatz übersteige, betont Thomas Heuchling.

Bei der Vergabe der Apartments findet ein objektiver Kriterienkatalog Anwendung und die Vergabe erfolgt anhand einer Warteliste. Genaueres über das Vergabeverfahren durfte der Pressesprecher dann nicht verraten, aber es würde schon viel helfen, "einfach ehrlich zu sein". Denn, falls im Nachhinein festgestellt würde, dass bei den Angaben geschummelt wurde, wäre dies ein Kündigungsgrund. Aber auch hier gibt es wieder viel mehr Nachfrage als Angebot. Genauer gesagt kommen auf jeden Wohnheimplatz 4,1 Bewerber. "Fakt ist, dass es mehr Bewerber als Plätze gibt."

Mit "Wohnen für Hilfe" initiierte die Stadt Erlangen 2011 ein soziales Projekt, um gegen die Wohnungsnot in Erlangen anzukämpfen. Bei dem Projekt können Studenten oder Auszubildende im Austausch für Hilfsleistungen preisgünstig bei anderen Personen wohnen.

Dabei gilt die Faustregel: Jeder Quadratmeter Wohnfläche ist mit einer Stunde Arbeit im Monat gleichzusetzen, wodurch der Student zumeist nur Nebenkosten zahlen muss. Das kann aber auch variieren, erklärt Ursula Andretzky, Ansprechpartnerin für die Wohnungsvermittlung des Projektes.

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Denn bei großen Wohneinheiten kann der Student zeitlich gesehen nicht die Miete in Stunden abbezahlen, weshalb dabei auch ein Eigenanteil bei der Miete entsteht. Angeboten werden solche meist möblierten Wohneinheiten von Senioren, Familien oder Alleinerziehenden. Dadurch variieren auch die verschiedenen Aufgabenbereiche der Studenten. Bei Senioren können dies Gartenarbeiten oder leichte bis schwere Unterstützungen im Haushalt sein.

Aber vor allem gehe es den Senioren oft auch darum, nicht alleine zu sein. Bei Alleinerziehenden oder Familien fallen oft andere Arbeiten an. Letztlich "soll das gemacht werden, was der Anbieter möchte, aber der Student soll dabei nicht ausgebeutet werden", sagt Andretzky.

Aktuell gebe es viel mehr Anfragen von Anbietern, als von Studenten, so Andretzky. Bei der Vermittlung agiert das Sozialamt prinzipiell ein wenig wie eine Partneragentur. Der Student muss einen Bewerbungsbogen ausfüllen und sich in einem kurzen Gespräch vorstellen.

Dann wird der Bewerbungsbogen des Studenten mit dem Bewerbungsbogen eines Anbieters verglichen. Aber am Ende entscheidet sich der Anbieter für den Kandidaten. Durch dieses Projekt kann die Stadt auf das Jahr gerechnet ungefähr 30 Studenten und Auszubildenden eine Wohnung vermitteln. Das mag vielleicht anfänglich nicht viel klingen, ist aber ein massiver Aufwand für die zwei Mitarbeiterinnen der Stadt. "Und bau’ mal für 30 Studenten ein Wohnheim", bemerkt Andretzky. 

CELINE KOCH

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