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„Es geht auch ohne mich“

Udo Güldner, Oberhaupt der Forchheimer Schach-Familie, tritt zurück - 15.02.2012 10:50 Uhr

„Ich glaube, einige haben noch nicht verstanden, dass ich nicht scherze“: Udo Güldner, ehemaliger Vorsitzender des Schach-Club, beim Interview in der Sportredaktion. © Edgar Pfrogner


Herr Güldner, wann haben Sie sich entschlossen, das Amt des Vorsitzenden niederzulegen?
Udo Güldner: Ich bin eigentlich bereits zurückgetreten; im Oktober 2011 habe ich begonnen, den Vereinsmitgliedern mitzuteilen, dass ich im Februar 2012 nicht mehr zur Verfügung stehen werde. Das hat vor allem gesundheitliche Gründe, anfangs dachte ich noch, dass es trotzdem gehen wird. Mittlerweile musste ich einsehen, dass es so wie bisher doch nicht mehr möglich sein wird.

War es eine schwere Entscheidung?
Udo Güldner: Ich habe es mir schwerer vorgestellt. Das lag aber daran, dass ich ab Ende 2010 ein Dreivierteljahr kaum als Vorsitzender Tätigkeiten ausfüllen konnte. Dann habe ich mich wieder herangetastet, aber viel zurückgeschraubt. Daher fällt es jetzt nicht mehr so schwer, auch wenn es sicher zuvor schier undenkbar gewesen wäre. Auch wenn einige offenbar nach wie vor denken, ich scherze nur.

Und? Scherzen Sie nur?
Udo Güldner: Definitiv nicht!

Wie waren sonst die Reaktionen auf Ihren Abschied? Immerhin ist der Vorsitzende beim SC ja so etwas wie das Mädchen für alles...
Udo Güldner: Die meisten meinten, es sei nur ein Warnschuss, dass sie sich wieder mehr engagieren sollen. So wie einst bei der Inquisition: Der zeigt jetzt mal das Werkzeug, und dann stehen alle schon rechtzeitig wieder auf.

Der Schachclub ist in Forchheim wie eine Art Familie, die nun ihr geschätztes Oberhaupt verlieren wird. Geht damit ihr Zusammenbruch einher?
Udo Güldner: Das glaube ich nicht. Als es mir sehr schlecht ging und ich plötzlich sehr lange weg war, gab es erste Auflösungserscheinungen — Mannschaften konnten erstmals nach 30 Jahren aus Spielermangel nicht mehr antreten und so weiter. Als ich zurückkam, mit nur noch einem Viertel der Kraft, hat sich alles wieder eingerenkt. Ja sogar zum Guten gewandelt: Die Jugendarbeit boomt.

Das bedeutet aber doch, dass es ohne Sie offenbar nicht geht?
Udo Güldner: Nein, es geht eben doch ohne mich — wenn man jemanden findet, der auf alles nur ein wenig schaut. Viele brauchen nur einen Schubser, dann sind sie wieder dabei.

Wer käme da in Frage?
Udo Güldner: Da gibt es nicht viele, die ich mir vorstellen könnte. Ich habe bereits mit allen gesprochen, leider wird es, so wie es aussieht, keiner von ihnen übernehmen. Jeder hat durchaus nachvollziehbare berufliche, private oder gesundheitliche Gründe für seine Entscheidung.

Das heißt, zur Wahl wird niemand antreten?
Udo Güldner: Das weiß ich nicht. Vielleicht kommt ja am Freitag jemand aus dem Busch gehüpft, der sich spontan aufstellen lässt.

Und der wäre dann auch geeignet?
Udo Güldner: Das muss man sehen. Derjenige muss auf jeden Fall fachlich eine Ahnung haben, also am besten aus der bestehenden Vorstandschaft kommen. Dann eine gewisse menschliche Kommunikationsfähigkeit besitzen — das ist im Schach gar nicht so selbstverständlich. Er muss den Überblick behalten und, ganz wichtig, eine gewisse Leidensfähigkeit besitzen.

Warum das denn?
Udo Güldner: Weil man als Vorsitzender permanent allerlei Fragen ausgesetzt wird. Man denkt sich schon mal: Warum in Gottes Namen fragt er mich das jetzt? Es ging ja zuletzt soweit, dass ich nicht einmal mehr zum Schachspielen kam, weil, sobald ich am Brett saß, mich allerlei Leute von der Seite etwas fragen wollten — nur weil ich ja der Udo bin, der Vorsitzende.

Was passiert, wenn sich tatsächlich niemand finden würde?
Udo Güldner: Dann müsste der Stellvertreter kommissarisch ran, bis eine außerordentliche Sitzung einberaumt wird. Das gab es schon öfter im Verein, daher habe ich keine Angst davor. Es wird sich jemand finden!

Und Sie würden definitiv nicht wieder einspringen?
Udo Güldner: Nein, definitiv nicht. Ich glaube aber, es gibt noch ein paar, die darauf setzen. Aber es ist eine Entscheidung, die ich nicht rückgängig machen werde. Ich freue mich sogar ein wenig darauf, denn dann kann ich endlich wieder mehr Schachspielen — ohne dass mich ständig jemand etwas fragt.

  

CHRISTOPH BENESCH

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