Mittwoch, 14.11.2018

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Neunkirchen hat ein Fremdwasser-Problem

Gemeinderat steht vor großen Aufgaben bei Thema Abwasser - 22.10.2018 10:00 Uhr

Zu viel sauberes Regenwasser gelangt in die Abwasserkanäle von Neunkirchen. (Symbolbild) © colourbox.com


Weit über das Maß hinaus, das bei einer Mischkanalisation üblich ist, gelangt sauberes Regenwasser in die Abwasserkanäle von Neunkirchen. Nicht über die Hausanschlüsse, sondern aus Drainagen von bebauten und unbebauten Grundstücken dringt es in das Leitungssystem ein. Rohrbrüche, durch die ungehindert Grundwasser aus dem umgebenden Boden eindringt, scheinen nicht die wesentliche Ursache zu sein. Denn vor 15 Jahren hat die Kommune ihr ganzes Abwassernetz auf Dichtheit untersuchen lassen.

Die Erlanger Kläranlage, der der größere Teil der Neunkirchner Abwässer zugeführt werden, ist technisch auf die durchschnittliche Mischwasserfracht eingerichtet. Doch wenn zu viel Regenwasser auf Dauer in die Leitungen gelangt, verdünnt es deren Inhalt übermäßig, erschwert dadurch die Reinigung erheblich und die zu verarbeiteten Schmutzwassermengen wachsen und wachsen. Was zusätzlich zum technischen Aufwand auch die Kosten erhöht. Denn es ist aufwändiger, weniger verunreinigtes Wasser zu klären als „dicke Pampe“. Das ist einer der Gründe, weshalb viele Kommunen ihre Neubaugebiete im Trennsystem entwässern.

Konzept gefordert

25 Prozent Fremdwasser sind für Kläranlagen tolerabel; diesen Wert hält Neunkirchen bei Weitem nicht ein.

Deshalb fordert die Erlanger Kläranlage beziehungsweise die Aufsichtsbehörde ein Fremdwassersanierungskonzept von Neunkirchen. Falls dies nicht bis übernächstes Jahr umgesetzt ist, droht Neunkirchen eine jährliche Strafzahlung von rund 125.000 Euro. Diese müsste auf den Kubikmeterpreis für Abwasser umgelegt werden; der Aufschlag dürfte bei etwa 40 Cent liegen und träfe auch Einwohner, die nicht verantwortlich für die Fremdwassereinleitungen sind.

Die Strafe kann Neunkirchen durch eine Netzsanierung umgehen. Es müssten in den Strecken, auf denen besonderer Zufluss von Fremdwasser (sprich: Regenwasser) ist, Inliner eingezogen werden, um die Leitungsstränge abzudichten. Das betrifft auch private Grundstücke, wenn in deren regulären Hauswasseranschluss Bodendrainagen einfließen. Die Inlinersanierung wird auf etwa 3,6 Millionen Euro Kosten geschätzt.

Selbst diese teure Maßnahme soll den Fremdwassereintrag angeblich nur um ein Drittel reduzieren. Zuletzt ist noch zu bedenken, welche Auswirkungen die Ableitung von Oberflächenwasser via Kanalnetz für den Wasserhaushalt des Bodens und der Fließgewässer im Neunkirchner Raum hat angesichts langer Trockenperioden wie in diesem Jahr.

Kampf gegen Insektensterben

Ein weiteres, den Räten vorgestelltes Projekt war die Umsiedlung des Wiesenknopf-Ameisenbläulings: Der kleine blaue Schmetterling kommt auf dem Gelände des künftigen Baugebiets „südlich Kanalweg“ vor. Es kann nur bebaut werden, wenn die Tiere umgesiedelt werden, um wenigstens hier etwas gegen die schwindende Zahl von Insekten zu tun.

Die Kommune beauftragte das Institut für Vegetationskunde und Landschaftsökologie aus Hemhofen mit dem Verbringen auf eine ausgewähltes geeignetes Grundstück.

Doch die Chancen, dass sich dort eine neue Population trotz erfolgreichen Einfangens entwickelt, sind beeinträchtigt worden, berichtete der Biologe Michael Bokämper dem Rat. Sowohl das ursprüngliche Wohngebiet als auch das vorgesehene Habitat sind zu früh gemäht worden, so dass es unsicher ist, ob sie sich dort fortpflanzen werden.

  

Pauline Lindner

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