14°

Freitag, 24.11. - 13:54 Uhr

|

Rezept für Deutschland

Zeba Roske ist aus Pakistan nach Mostviel gezogen - 31.03.2012 09:00 Uhr

Zeba Roske hat zuerst in der Brotfabrik in Mostviel gearbeitet, heute betreibt sie ein Café in Ebermannstadt. © Schnackig


EBERMANNSTADT — Zeba Roske wächst auf in einem Dorf Pakistans an der Grenze zu Kaschmir. „Es war eine schöne Kindheit und ich war schon immer fleißig.“ Die Familie baut Reis, Getreide und Mais an. Nach Highschool und College suchen die Eltern, der Tradition folgend, für Zeba den Mann aus, den sie mit 20 Jahren heiratet.

Nach der Ankunft in Mostviel, der erste Schmerz: es fehlen die Eltern, der Bruder und die Freundinnen. „Aber ich habe einen guten lieben Mann“. Mit ihm meistert sie die kommenden Jahre der Arbeit und Entbehrung. Fürs Ausruhen und die Familie bleibt nur der Samstag. Eine Klage liegt nicht in der Stimme, wenn Zeba Roske von dieser Zeit erzählt. „Wir haben immer gut gearbeitet, aber mit Herz und Liebe und lachendem Gesicht, dann war die Nacht schnell rum.“

Anfangs verpackt sie das Brot in der Fabrik, versieht es mit Etiketten und Datumsstempel. Später wechselt sie in die Feinbäckerei, deren Produktionsstätte unterhalb ihrer Wohnung liegt. Mit einem Konditormeister zusammen stellt sie Torten her, Plunder- und anderes Feingebäck, wieder nur nachts. „Der Konditormeister hat mich wie seine Tochter behandelt, und ich ihn wie meinen Papa. Dort habe ich bis zum Tag der Schließung der Fabrik gearbeitet.“

Beim Sterben begleitet

Nach dem Ende der Brotfabrik arbeitet Zeba Roske in der Küche des Egloffsteiner Hotels „Zur Post“, bis sie fünf Jahre später wegen einer Lungenembolie aufgeben muss. Doch kaum ist sie genesen, ruft ihr ehemaliger Arbeitgeber und Besitzer der Brotfabrik, der schwer an Krebs erkrankt ist, nach ihr. Zeba und ihr Mann kümmern sich um das ältere Ehepaar. Tag für Tag begleiten sie ihre ehemaligen Arbeitgeber beim Sterben, zuletzt rund um die Uhr. Daneben versucht das unermüdliche Paar in der Gastronomie sein Glück, erst in Erlangen und dann in Nürnberg. „In dieser Zeit – meine kleine Tochter kam in die Schule – konnte ich meine Kinder fast gar nicht sehen. Das war nicht schön, sie war viel alleine.“

Heute liegt das Schwerste hinter den Roskes. Der Sohn und die ältestes Tochter haben nach dem Abitur ein Studium in London begonnen. Die jüngste Tochter hilft den Eltern im Restaurant-Café „Everybodys Darling“, das sie vor zwei Jahren in Ebermannstadt eröffnet haben.

Wenn Zeba Roske heute die Geschichte ihre Familie aufblättert und sie nach ihrem Erfolgsrezept befragt wird, antwortet sie: „Was mich auf den Beinen hält sind die Kinder, ich lebe für die Kinder. Aber auch mein Gott hat mir geholfen, Menschen haben mir sehr geholfen.“

Damit die Kinder diesen Weg gehen konnten, wurde zu Hause nur Deutsch gesprochen, unterstützt von Nachbarn und Freunden und einer Nachhilfe, die dreimal pro Woche kam. Urdu, die Muttersprache der Eltern, verstehen die Kinder, doch blieb es die Sprache der Eltern.

Zeba Roske hat nie einen Deutschkurs besucht, die 46-Jährige lernte von Kollegen und vor allem von den Kindern, die sie liebevoll „meine großen Lehrer“ nennt. „Wenn ich etwas nicht weiß, frage ich meine Kinder. Wie schreibt man dieses Wort, wie spricht man dieses Wort aus.“

Zwischen Kirche und Moschee

Wie mit der Sprache gab es auch in punkto Religion keine Berührungsängste. Die Familie, die nach dem Koran lebt, das Opferfest feiert, im Ramadan fastet und die vorgeschriebenen Gebete verrichtet, nimmt an den Feierlichkeiten der Kirchengemeinde teil. Die Kinder durften in der Schule den Religionsunterricht besuchen, denn die Eltern sehen das Verbindende. „So lernen Kinder, was im Koran steht und was in der Bibel, was in der Moschee ist, was in der Kirche.“

Vor einigen Jahren haben sich die Roskes vom mühsam ersparten Geld einen Traum erfüllt: sie ließen sich ein Haus bauen, schlüsselfertig und großzügig eingerichtet. „Wir haben das alles für die Kinder geschaffen.“

Gibt es nach fast 30 Jahren Deutschland nicht ab und zu mal Heimweh? Zeba Roskes Gedanken wandern einen Augenblick nach Pakistan, ein wehmütiges Lächeln überzieht das sympathische Gesicht: „Ja, mir fehlen meine Eltern, mein Bruder, meine Freundinnen. Früher, als die Kinder klein waren, sind wir alle zwei, drei Jahre nach Pakistan gefahren. Jetzt waren wir schon sechs Jahre nicht mehr zu Hause.“

Seit 1996 eingebürgert

Und was wird im Ruhestand? Solange die Kinder studieren, muss noch gearbeitet werden. Dann aber wünschen sich Zeba und ihr Mann Mohammed, viel mehr Zeit in ihrer alten Heimat Pakistan zu verbringen. Dazu werden sie allerdings ein besonderes Visum brauchen, denn sie sind mit der Einbürgerung 1996 auch Deutsche geworden. 

VON JOCHEN MENZEL

Seite drucken

Seite versenden



Um selbst einen Kommentar abgeben oder empfehlen zu können, müssen Sie sich einloggen oder sich zuvor registrieren

Ihr Kommentar

Name:

Ihr Kommentar:

Bitte beachten Sie unsere Netiquette.

weitere Meldungen aus: Forchheim