Dienstag, 13.11.2018

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Schelskys Nachwehen

OB Franz Stumpf wegen VfB-Handball vor Gericht - 23.08.2011

Die Scheingewerkschaft AUB von Wilhelm Schelsky prangte auf den Trikots der VfB-Handballer. Vor Gericht geht es nun um Spielergehälter. Archivf.: Pfrogner


Mit auf der Anklagebank sitzen zwei ehemaligen Funktionäre des VfB: FBF-Stadtrat Heinz Endres und Sportmanager Andreas Michallek, beide waren zeitweise Handball-Abteilungsleiter. Und beide waren Geschäftsführer von Sportmarketinggesellschaften, die für das Sponsoring des VfB-Handballs gegründet wurden. In diesen zwei Gesellschaften war auch Franz Stumpf als Vertreter des VfB-Vorstandes involviert.

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass die Handballer über die beiden Gesellschaften von Sponsor Wilhelm Schelsky für ihre sportlichen Tätigkeiten entlohnt wurden. Allerdings wurden dabei weder die Lohnsteuer bezahlt noch die Sozialabgaben entrichtet. Im Jahr 2004 etwa sollen 424000 Euro an die Spieler geflossen sein. Von all dem soll Franz Stumpf auch gewusst haben. Steuerhinterziehung und das Nichtabführen von Sozialversicherungsbeiträgen wirft die Staatsanwaltschaft deshalb Stumpf und den anderen Angeschuldigten vor. Seitens der Sozialversicherungsträger stehen Nachforderungen von bis zu 500000 Euro im Raum.

Die Verteidigungslinie des VfB-Vorsitzenden lautet: Die Marketinggesellschaften haben keinerlei Gehälter an die Spieler gezahlt, sondern ausschließlich Aufwandsentschädigungen für Fahrtkosten und ähnliches, betont Stumpfs Verteidiger Joachim Haas aus Forchheim. Das seien zwischen 125 und 250 Euro im Monat gewesen. Verträge gebe es keine. Es sei bei den Gesellschaften vor allem darum gegangen, dass die Sponsoringeinnahmen auch in der Abteilung bleiben und nicht an den Gesamtverein weitergegeben werden müssen, sagt Franz Stumpf. Mit Einnahmen seien aber nicht Zahlungen von Schelsky gemeint, sondern von anderen, kleineren Sponsoren.

Aus Dankbarkeit gespielt

„Ich habe gedacht, der Herr Schelsky gibt den Spielern einen Job in seinem Unternehmen, aus Dankbarkeit spielen sie beim VfB“, sagt Stumpf. Gemeint sind Handballer aus Osteuropa, die dort zum Teil in der Profiliga aktiv waren und nun für den VfB in der Regionalliga spielten (ab 2002 bis 2008). Dass Spieler auf diesem Niveau sich nicht mit Fahrtkosten zufrieden geben, will Stumpf nicht gewusst haben. Als Vorsitzender sei er für das große Ganze zuständig, jede Abteilung habe ihre eigene Kasse und agiere selbstständig.

Erst als er im Vorstand auf den Handball-Höhenflug und das hochkarätige Team angesprochen worden sei, habe er sich erkundigt — als früher selbst aktiver Fußballer, beim Bayerischen Fußballverband, so Stumpf Dort habe man ihn sensibilisiert, woraufhin er bei Schelsky schriftlich nachgefragt habe, ob die Spieler Geld bekämen. Im Antwortbrief habe Schelsky das deutlich verneint. „Mehr hat Herr Stumpf nicht tun können“, sagt Verteidiger Haas. Ob er als Vorsitzender naiv gewesen sei, sei strafrechtlich irrelevant.

Der Prozess nagt an seinen Nerven, gibt Franz Stumpf zu. „Aber ich bin optimistisch, dass ich den Prozess gewinne und keine Nachforderungen auf mich und den Verein zukommen.“ Auch der Strafrahmen hätte es im Fall einer Verurteilung in sich, er reicht von einer Geldstrafe bis zu fünf Jahren Haft, so Verteidiger Haas.

In dem Prozess wird auch Wilhelm Schelsky als Zeuge gehört. Schelsky hatte vom Elektrokonzern Siemens Millionenbeträge bekommen, um die Scheingewerkschaft AUB aufzubauen. Das Geld hatte er zum Teil aber auch in Sportvereine wie den VfB gesteckt. Unter anderem wegen Steuerhinterziehung war er 2008 zu viereinhalb Jahren Haft verurteilt worden, der BGH hat der Revision aber inzwischen stattgegeben (siehe auch Hauptteil, Seite 16).

 

VON BEKE MAISCH

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