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Schülersprecherin pocht auf Digitalisierung an Schulen

Wendy Vogl Riggioni aus Walkersbrunn fordert zeitgemäßen Unterricht - 28.12.2018 16:06 Uhr

Die Mittelschule Neunkirchen ist gleichwohl Projektschule für Digitalisierung. © Petra Malbrich


Noch gilt das Verbot der Handybenutzung an den meisten Schulen. Wenn es nach Wendy Vogl Riggioni geht, dürfte sich das bald ändern. Die 15-jährige Landesschülersprecherin aus Walkersbrunn setzt sich für die Digitalisierung an Schulen ein und dazu gehört dann auch das Arbeiten mit Handys. Dass dies funktionieren kann, zeigen die Projektschulen, zu der auch Wendys Schule, die Mittelschule in Neunkirchen, gehört.

„Wir arbeiten hier mehr mit Handys und haben auch eine WhatsApp Gruppe“, erklärt Wendy die neue Art des Lernens und der Gruppenarbeit im Unterricht. An ihrer alten Schule, der Mittelschule in Gräfenberg, wurden per Tageslichtprojektor Bilder und Informationen an die Wand geworfen. „Hier in Neunkirchen arbeiten wir mit Whiteboards, Beamer und Übertragungskameras“, sagt Wendy. „Das Digitale ist im Unterricht eingebunden.“

Mobil und flexibel

Das Handy ist während des Unterrichts aus, kann aber in der zweiten Pause privat benutzt werden. Mit festen Regeln: „Es dürfen keine Fotos gemacht werden, wenn der andere das nicht möchte, es dürfen keine Videos aufgenommen werden“, erklärt Wendy. Manchmal, so die Schülersprecherin, möchte man den Eltern einfach mitteilen, dass früher Schulschluss ist. Daher gehöre es für ihre Generation dazu, mobil und flexibel zu sein. „Wir können nicht verhindern, dass das Schulsystem digital wird. Wir müssen der Zeit entgegenkommen", sagt sie.

„Wir bringen auch die Lehrer auf den neuesten Stand“, betont die Landesschülersprecherin. So könne so mancher Lehrer von den Schülern lernen, wie Handy und Computer richtig und effizient genutzt werden können. Deshalb will sich die Walkersbrunnerin auch im Landesschülerrat, der aus zwölf Landesschülersprechern aller Schularten besteht, für die Digitalisierung einsetzen.

Wenn es nach Wendy Vogl Riggioni geht, sollen im Unterricht künftig viel mehr digitale Hilfsmittel eingesetzt werden. © privat


Dazu gehört zunächst freies WLAN für die Projektschulen. Im Staatsministerium in München haben die Landesschülersprecher einen eigenen Raum, um für Schüler wichtige Themen zu diskutieren und diese dann auf politischer Ebene einzubringen. Dieses Amt macht Wendy glücklich – genau wie die anderen Ehrenämter, die sie ausgeübt hat: Als Streitschlichterin hatte sie sich in der Gräfenberger Schule eingesetzt, Konflikte zielführend auf verbaler Ebene zu lösen. Als „Fun-Reader“ hat die 15-jährige Schülerin den Jüngeren vorgelesen.

„Es ist besser hinzuschauen, statt wegzusehen“, betont Wendy. Das galt vor allem im Bus, wenn Schwächere geärgert wurden. Und das Hinschauen zieht sich durch alle ihre Ämter. „Ich will etwas ändern“, sagt sie selbstbewusst. „Alle Ämter habe ich aus reiner Freude gemacht“ – die schulischen wie auch die privaten Ehrenämter. Dazu gehört beispielsweise die Freiwillige Feuerwehr in Walkersbrunn, bei der sie aktives Mitglied ist. Mit 16 will Wendy die Truppenausbildung absolvieren.
Und da sie als Kind schon gerne Fußball gespielt hat, wundert es nicht, dass sie seit drei Jahren den SV Ermreuth unterstützt.

Berufswunsch: Polizistin

Wendy hat noch drei ältere Schwestern und liebt Tiere, vor allem ihre beiden kleinen Hunde. Eine berufliche Laufbahn bei der Hundestaffel der Polizei ist deshalb momentan ihr beruflicher Favorit. Doch erst, wenn sie den M-Zug abgeschlossen hat.

Bis dahin gilt es, sich für die Schülerinnen und Schüler aus dem Landkreis Forchheim stark zu machen. Dass es keine bundeseinheitliche Schulbildung gibt, ist dabei ebenso Thema.

Ein Beispiel hat sie von den Erzählungen anderer Landesschülersprecher parat: „In manchen Bundesländern ist das Abi leichter. Deshalb hatten viele Schüler, die an der Grenze zum anderen Bundesland wohnten, in die Schulen dort gewechselt“, erzählt Wendy. Getreu dem Motto: „Weshalb anstrengen, wenn es auch leichter geht?“

Deutliche Wahl

Dass sie bei der Wahl – je zwei Schülersprecher von jeder Schulart traten zur Wahl an – so deutlich abgeschnitten hat, damit hatte Wendy dann doch nicht gerechnet: Mit 103 Stimmen Vorsprung wurde sie gewählt.

Aber sie hat auch einen persönlichen Wunsch, was die Unterrichtsgestaltung betrifft: „Ich finde schade, dass politische Themen nicht angesprochen werden.“ Warum zum Beispiel der Jemen ein Kriegsgebiet ist, wisse kaum jemand – ihre Mitschüler aber schon, denn Wendy hat ein Referat darüber vorbereitet. Mit den neuen Medien. Das Thema eben, das für die Landesschülersprecher ganz oben auf der Agenda steht. 

Petra Malbrich

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