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Donnerstag, 15.11.2018

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Suit up! Dieser Igensdorfer Schreiner macht Fliegen aus Holz

Martin Kögel ist Handwerker und Modedesigner zugleich - 05.09.2018 16:00 Uhr

Martin Kögel mit Fliegen aus Holz. Aus einer Anfrage eines Freundes ist eine Geschäftsidee geworden, die in der Modewelt für Aufsehen sorgt. © Alle Fotos: Petra Malbrich


Fliegen sind modern. "Mit einer Fliege sieht man ganz anders aus", findet Martin Kögel. Leger und trotzdem elegant, auf jeden Fall männlicher. Ein Freund von Kögel jedenfalls war von der Idee überzeugt und wollte bei seiner Hochzeit im September vor einem Jahr eine Fliege tragen. Aber nicht irgendeine. "Er fragte mich, ob ich ihm eine Fliege aus Holz fertigen kann."

Abgerundet oder mit scharfen Kanten, hell oder dunkel, ein- oder mehrfarbig: Fliegen aus dem Sortiment Martin Kögels. © Petra Malbrich


Damit war für den 26-jährigen Schreinermeister eine Geschäftsidee geboren, die er ein halbes Jahr später umsetzte. Eine Idee, die inzwischen immer mehr Begeisterung und Anwender findet.

Nicht nur der Bräutigam, auch Martin Kögel und der Ringkissenträger sollten bei der Hochzeit eine Holzfliege tragen. Der Schreinermeister fing gleich zu tüfteln an. Auf ein Stück Pappe zeichnete er die Umrisse einer Fliege, hielt sie sich an den Kragen und bastelte an dem Stück so lange, bis alle Proportionen passten.

"Zu groß durfte sie auch nicht sein", erklärt Kögel. Die erste Fliege entstand in normaler Form, ähnlich der Schmetterlingsflügel. Im Laufe der Zeit verfeinerte er seine Arbeiten, ließ den Rand gerade sein, schnitt Muster in die Fliegenflügel, fertigte gewölbte Flügel an oder ließ die Fliege aus mehreren Holzschichten entstehen. Bald darauf erhielt der junge Schreinermeister weitere Anfragen. "Ich hatte mit den Arbeiten in unserer Firma genug zu tun", erklärt Kögel. Deshalb hat er zunächst zögerlich gehandelt.

Natur und Region sind wichtig

Das nächste Projekt hat der Schreinermeister bereits im Blick: Armbanduhren aus Holz sollen das Sortiment ergänzen.


Den Beruf des Schreiners hat er in einer Möbelschreinerei gelernt, gleich danach seine Meisterprüfung abgelegt und vor drei Jahren beschlossen, im elterlichen Betrieb mitzuarbeiten. Dem Naturstoff Holz gehört demnach schon immer seine Liebe. "Ich bin ein Holzwurm. Holz und Tüfteln sind meine Leidenschaft."

Die passende Holzart für seine inzwischen ausgefeilten Fliegen zu finden, war für ihn deshalb nicht schwer. Er setzt auf Natur und die Region. "Ich verwende hauptsächlich einheimisches Holz."

Kirsche, Zwetschge, Eiche, Mirabelle oder der Nussbaum sind die Hölzer, aus denen seine Fliegen sind. Mit dem Teak und dem Mahagoni verwendet er noch zwei afrikanische Holzarten, die er von einem regionalen Händler aus Nürnberg bezieht. Die Landwirte rufen Martin Kögel inzwischen an, wenn sie wieder einen Baum gefällt haben. Daraus entstehen dann die Fliegen, die als letzten Arbeitsgang geölt werden.

Auch das ist ökologischer und zudem praktisch: "Wenn die Fliegen verbleichen, kann man sie mit einem Schleifpapier leicht anschleifen und mit Öl einreiben. Dann erstrahlen sie wieder in neuem Glanz."

Aus 15 verschiedenen Holzarten sind seine 15 unterschiedlichen Fliegen gefertigt. Für den passenden Farbtupfen sorgt Tante Monika Schwarz aus Weißenohe. Sie ist Schneiderin. Für den Neffen näht sie die passenden Stoffmanschetten, die mit Klettverschluss um den Knotenpunkt der Fliegen geheftet werden.

Auch helle Lederbänder, mit dem die Fliegen um den Hemdkragen gebunden und befestigt werden, fertigt Kögels Tante an. So kann je nach Anzug und Laune die Fliegenfarbe gewechselt werden.

Angeboten und gleich verkauft

Als die facettenreiche originelle Idee umgesetzt war, entschloss sich der junge Igensdorfer doch, seine Fliegen im Onlineshop zu vertreiben. Zwischen 70 Euro und 85 Euro kosten seine komplett handgefertigten Fliegen. An seinem Geburtstag, am 11. April, stellte Martin Kögel seine Holzfliegen ins Netz.

Um die Natürlichkeit der Produkte besser hervorzuheben, lehnte er die Fliegen zum Fotografieren für den Onlineshop an Bäume oder auf Baumstümpfe. Am selben Abend erhielt er seine erste Bestellung aus Würzburg. Auch Weißenohes Bürgermeister Rudolf Braun hat sich zwei Holzfliegen gekauft. "Darüber hatte ich mich sehr gefreut", sagt Kögel.

Auch in der Modewelt sind die Fliegen gefragt. Im weißen Hemd mit einer seiner Holzfliegen gekleidet, stellte er sein Sortiment bei dem renommierten Carl Gross in Hersbruck vor. Das Geschäft ist für Hochzeitsanzüge bekannt.

"Ab Oktober sind meine Fliegen im Sortiment dabei." Und da der Holzwurm gerne tüftelt, kreiert er schon ein neues Werk: Eine Armbanduhr aus Holz. 

PETRA MALBRICH

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