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Toleranz auf dem Rasen

Julius-Hirsch-Preis für das Gräfenberger Sportbündnis - 11.10.2011 13:00 Uhr

Das Gräfenberger Sportbündnis macht unter anderem mit Transparenten und Infoständen bei Fußballturnieren auf ihr Thema aufmerksam: „Nein zu Gewalt, Fremdenfeindlichkeit, Diskriminierung und Antisemitismus. © fra-press


Die Neonazi-Aufmärsche, unter denen Gräfenberg lange Zeit leiden musste, haben Ludwig Haas aufgerüttelt. Der 69-Jährige engagierte sich aktiv im Gräfenberger Bürgerforum und machte dabei die Beobachtung: „Anfangs marschierten auch einige junge Leute aus der Umgebung bei den Nazis mit, später immer mehr Jugendliche von weit her.“ Wo muss man ansetzen, um den Nachwuchs erst gar nicht auf die falsche Bahn geraten zu lassen?, fragte sich Haas.

Die Schule sei ein möglicher Ort für Aktionen, „aber da müssen die Kinder hin. Zum Sportverein gehen sie freiwillig. Da haben wir einen positiveren Zugang.“ Die Idee war geboren und wurde 2010 über das Projekt „Vielfalt tut gut“ vom Gräfenberger Bürgerforum ins Leben gerufen.

Über 30 Aktionen haben die Sportvereine bislang durchgeführt. Mit dabei sind der TSV Gräfenberg, der SC Egloffstein, der SV Ermreuth, der FC Eschenau, der ASV Forth, der SV Hiltpoltstein, der FC Stöckach, der FC Thuisbrunn und die SpVgg Weißenohe. Bei Jugendfußball-Turnieren ist das Sportbündnis mit einem Infostand präsent. Für die Fußballer wurden Aufwärm-T-Shirts mit dem Logo „Die Welt ist bunt – der Sport auch“ organisiert, die sie bei Derbys tragen. Alles zwei Monate treffen sich die Vereinsvertreter und sprechen über die nächsten Schritte.

Ziel ist es, die Jugendlichen zu sensibilisieren, nicht nur gegen Ausländerfeindlichkeit, sondern allgemein gegen Gewalt und Intoleranz. Im Sport gehe es um Wettkampf, Konkurrenz, Rivalität, sagt Haas, der selbst in der Tennisabteilung des FC Stöckach aktiv ist. Die Emotionen kochen hoch. Deshalb sei es für das Sportbündnis wichtig, die Wahrnehmung der Jugendlichen zu schärfen. Sie sollen merken, wann der Wettkampfeifer in Wut, Gewalt und Rassismus umkippt. Das reiche von unbedachten Worten bis zu Handgreiflichkeiten. Haas erinnert sich dabei an einen Vorfall in Stöckach: Eine Nachwuchsfußballerin mit Migrationshintergrund sei von den Gegnerinnen derart hart angegangen worden, deren Trainer hätte sein Team verbal auch noch dazu angefeuert. Das Mädchen musste schließlich mit Rippenbrüchen vom Platz.

Statt selbst erst Turniere und Aktionen aus dem Boden zu stampfen, nutzt das Sportbündnis Synergieeffekte. Der ASV Forth beispielsweise hat seine Trainerausbildung mit einer speziellen Schulung zum Thema Toleranz und Fairness kombiniert. Zusammen mit Gräfenbergs Jugendpfleger Christian Schönfelder haben die Sportvereine ein Anti-Aggressions-Training für Jungs durchgeführt und auch die Brose Baskets aus Bamberg konnte das Bündnis gewinnen. Als die Bamberger Profi-Basketballer während der Ferien in Gräfenberg zum Nachwuchstraining zu Gast waren, bauten sie extra eine Diskussionsrunde zum Thema Rassismus ins Training mit ein. „Das war ideal, denn bei den Bambergern spielen ja viele Ausländer“, erzählt Haas.

Julius Hirsch © DFB-Archiv


Seit 2005 würdigt der DFB mit dem Julius-Hirsch-Preis Personen, Initiativen und Vereine, die sich gegen Antisemitismus und Rassismus, für Verständigung und gegen Ausgrenzung von Menschen einsetzen, heißt es in den Leitlinien der Jury. Der Preis ist mit insgesamt 20000 Euro dotiert. Die Bewerbung des Sportbündnisses bedachte die Jury mit dem zweiten Preis, der mit 6000 Euro dotiert ist. Außerdem wurde ein kleiner Präsentationsfilm über das Bündnis gedreht. „Wir sind sehr stolz darauf“, sagt Ludwig Haas, der mit vier weiteren Vereinsvertretern heute nach Düsseldorf zur Preisverleihung fährt. Am Abend sind sie als Ehrengäste beim Länderspiel Deutschland gegen Belgien eingeladen. Das Geld wollen die Vereine unter anderem in weitere Anti-Aggressionstrainings investieren. 

VON BEKE MAISCH

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