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Unwissen und Angst

Bündnis organisiert Demo gegen Islamfeindlichkeit in Forchheim - 19.01.2015 07:00 Uhr

Blick in die Yunus-Emre-Moschee in der Haidfeldstraße. Hier landen anonyme Beschimpfungen. © Roland Huber


Im Rathaus hat sich am Freitagabend eine Runde von Vertretern türkischer Vereine aus Forchheim mit den Integrationsbeauftragten des Stadtrates und Oberbürgermeister Franz Stumpf getroffen. Aktueller Anlass: anonyme Briefe und andere Bedrohungen von muslimischen Bürgern der Stadt. Wie sollte darauf am besten reagiert werden?
Bislang sind es vor allem Zeitungsausschnitte, beschriftet mit islam- und koranfeindlichen Äußerungen, die immer wieder im Briefkasten der Yunus-Emre-Moschee in der Haidfeldstraße landen. Es habe aber auch schon Schmierereien an Privatanwesen gegeben, berichtete Zafer Arap, der stellvertretende Vorsitzende des Vereins Ditib, ohne ins Detail zu gehen.
„Wir glauben an denselben Gott wie die Christen“, so Arap, „wir haben denselben Urvater Abraham.“ Die Muslime kritisierten die Beleidigung des Propheten und würden ihrerseits „niemals den Propheten Jesus beleidigen“.


Gegen Gewalt
 

Zusammen mit Arif Tosun (Türkischer Kulturverein TKV), Sinan Tosun (Türkischer Sozialdienst) und Coskun Ilgar (Ditib-Vorsitzender) legte Arap ein klares Bekenntnis zur Gewaltlosigkeit ab: „Ich sage es mit den Worten des Namensgebers unserer Moschee, Yunus Emre: Ich liebe die Menschen wegen des Schöpfers.“ Die Terroristen, die im Namen ihres Glaubens morden, „missbrauchen den Islam“, bekräftigte Anita Kern (SPD).
Arif Tosun beteuerte: „Wir sind gegen Terror und Gewalt. Wir sind froh, ein Teil der Gesellschaft zu sein. Meine Familie lebt seit 50 Jahren hier.“ Coskun Ilgar beklagte: „Wir spüren diese raue Stimmung in Deutschland auch in Forchheim, es findet eine Zuspitzung der Islamophobie statt.“
Arif Tosun machte „die Medien“ mitverantwortlich für eine antiislamische Stimmung im Land: „Tagtäglich wird schlecht über Muslime geschrieben.“ Durch die Medien werde „Angst geschürt“. Dem widersprach nicht nur Manfred Hümmer (FW) heftig: „Ich kann mir über die verschiedensten Medien eine vielfältige Meinung bilden.“
Sabine Dittrich (FGL) rief dazu auf, „bitte weiterhin differenziert zu denken“. OB Franz Stumpf (CSU) unterstützte dies: „Derjenige, der nicht differenzieren kann, der setzt die Gewalt im Namen des Islam mit dem Islam an sich gleich.“


Wie die Richtigen erreichen?


Stumpf stellte daher die Frage in den Raum, wie die Stadt in ihrem Einflussbereich aufklärend wirken könne. Bei den traditionellen Veranstaltungen, die der Begegnung von Muslimen und Andersgläubigen dienen, „sind immer dieselben Leute dort, die brauchen wir nicht zu überzeugen“, so Stumpf. Aber: „Wie kriegen wir die anderen hin?“
Die breite Bevölkerung, sagte Udo Schönfelder (Bündnis gegen Extremismus), stehe dem Islam „unwissend oder reserviert“ gegenüber. Er sprach sich daher für ein „breites Bündnis“ aus unter Einschluss der muslimischen Vereine, der beiden Forchheimer Bündnisse gegen Extremismus, der christlichen Kirchen und aller Parteien.
„Wir dürfen uns nicht kaputt machen lassen, was wir uns jahrzehntelang aufgebaut haben“, meinte Hans-Werner Eisen (CSU). Von den „Einschüchterungsversuchen“ gegenüber den Forchheimer Muslimen zeigte er sich „schockiert“. Ludwig Preusch (Bündnis Bunt statt Braun) meinte dazu: „Auch in Forchheim sind wir vor Pegida nicht gefeit.“
Die Runde beschloss, am 21. Februar eine konfessions-, bündnis- und parteienübergreifende Demonstration vor dem Rathaus zu organisieren. Gleichzeitig soll ein Imam im Stadtanzeiger regelmäßig Koranstellen vorstellen und auslegen, um in der nichtmuslimischen Bevölkerung Wissen und Verständnis zu schaffen. Außerdem soll ein Blick geworfen werden auf den interreligiösen Dialog, wie er in Bamberg seit Jahren funktioniere. Vielleicht, so Stumpf, könne Forchheim sich davon etwas abschauen.
Nicht gekommen zu dem Treffen waren Vertreter der Fatih-Moschee der Islamischen Gemeinschaft Milli Görüþ (Fuchsenstraße).
  

ULRICH GRASER

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