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Vom stolzen Schloss zum kleinen Dörflein

Im Kleinsendelbacher Ortsteil Schellenberg erinnert nur noch eine Sandsteinmauer an die frühere Burg - 07.11.2009

Eine Scheune mit außergewöhnlich wuchtigen Mauern (li.) erinnert an die einstige Burganlage in Schellenberg. Historische Karten (re.) zeigen den genauen Standort der Anlage. Foto/Repro: Distler


Nur noch der Straßenname «Am Schloss» und die massive Sandsteinmauer einer Scheune erinnern im Kleinsendelbacher Ortsteil Schellenberg an die Burg, die zwischen 1396 und 1632 ihre Blüte erlebte. Von dort verwalteten Vögte ein Gebiet, das von Frohnhof und Igensdorf im Osten bis nach Effeltrich, Langensendelbach und Poxdorf im Westen und Norden reichte, und das im Süden die Schwabachmühlen bei Uttenreuth sowie die Gemeinden Dormitz und Kleinsendelbach umfasste. Einwohnerreichster und auch wichtigster Ort dieser «Hofmark» war Neunkirchen.

Die Bedeutung Schellenbergs lag allerdings weniger am Dorf als an seiner Burg. Der 1984 verstorbene Heimatforscher Held geht im Einklang mit anderen Historikern davon aus, dass das Schloss schon Mitte des 12. Jahrhunderts erbaut wurde. Aus dem Jahr 1172 ist eine Urkunde überliefert, die eine Güter- und Schutzvereinbarung zwischen dem damaligen Abt des Klosters Weißenohe und einem Hermann von Schellenberg zum Inhalt hat.

Bei diesem erstmals erwähnten Geschlecht der Schellenberger, handelt es sich um eine Seitenlinie der begüterten und einflussreichen Herren von Eschenau. Schon deren Stammvater Otnand genoss 1067 als hoher Ministerialbeamter am königlichen Hof und im Bistum Bamberg hohes Ansehen.

Herrensitz in Hügellage

Hundert Jahre später waren die Nachfahren und Besitztümer der Eschenauer Adligen so umfangreich, dass sich der Bau eines weiterer Herrensitzes in der Hügellage von Schellenberg aufdrängte. Von dort konnte man auch die damals schon existierenden großen Güter wie Etlaswind und das heute verschwundene Drogenhofen überwachen. Die Bezeichnung Schellenberg könnte dabei von einem dortigen Hengstgestüt herrühren; Hengste nannte man im Mittelalter «Schel».

Das Schlossgut wechselte schon in den ersten zwei Jahrhunderten seines Bestehens mehrfach den Besitzer. Auf die Herren von Schellenberg folgte das Geschlecht von Wiesenthau. Nach dem Tod von Hans von Wiesenthau ging die Burg völlig in den Besitz der Bamberger Bischöfe über, die schon seit 1250 als Landesherrn die Lehenshoheit über Schellenberg besaßen. Diese Oberhoheit führte dazu, dass das Schlossgut nebst weiteren Ländereien 1296 von Bischof Arnold von Solms vorübergehend an die Nürnberger Bürger Holzschuher und Vorchel verpfändet wurde und von 1349 bis 1365 ins Privateigentum des Nürnberger Bürgermeisters Konrad Groß überging.

Als das Hochstift Bamberg um 1396 wieder einmal Schloss und Dorf Schellenberg in Alleinbesitz hatte, wurde der Amtssitz der bischöflichen Vögte und Amtmänner über 33 Dörfer von Neunkirchen nach Schellenberg verlegt. Mehr als 20 namentlich bekannte adelige Vögte versahen von dort die Oberaufsicht. Unabhängig von der Dauernutzung als «Regierungssitz» wechselte das Schlossgut samt den Dörfern abermals mehrfach durch Verpfändung und Weiterverkauf den Eigentümer.

Mit Turm und Burggraben

Nur wenige Landkarten aus der Zeit von 1590 und 1602 lassen Rückschlüsse auf das Aussehen des Schlosses zu. Demnach bestand das Gebäude aus drei Flügeln und soll an drei Seiten von einem durch eine Quelle gespeisten Wassergraben umgeben gewesen sein. Im Osten habe ein mächtiges Tor den Burghof abgeschirmt. Nach Recherchen von Johann Chrisostomus Rauh, der 1805 bis 1820 Lehrer und Kantor in Neunkirchen war, gehörte zum Schloss auch ein fester runder Turm, der ab 1410 als Gefängnis diente.

Die Burgbesatzung bestand - das Dienstpersonal für die dazu gehörigen landwirtschaftlichen Güter nicht eingerechnet - in Friedenszeiten nur aus dem Aufseher und einer handvoll Türmern und Bewachern. In Kriegszeiten sollen Bauern zur Verstärkung herangezogen worden sein. Die drehten beim Bauernaufstand 1525 gemeinsam mit ausgepressten Untertanen aus Uttenreuth, Dormitz und Rosenbach den Spieß um und äscherten Schloss Schellenberg ein.

Laut Franz Wenzel Goldwitzer, der 1814 eine Neunkirchener Ortschronik herausgab, ließ Vogt Christoph I von Stiebar 1540 die Burg wieder aufbauen und die Amtsverwaltung dorthin zurückverlegen .Im Dreißigjährigen Krieg kam dann das endgültige Aus: 1632 wurde das Schloss wie auch das Dorf völlig zerstört und die letzten Bewohner flohen.

Bauern als Schlossherrn

In das Dorf Schellenberg kehrte allmählich wieder Leben ein, die Burg wurde aber nicht mehr aufgebaut. Die Ruinen und später auch die Felder und Wiesen des alten Schlosses erwarb 1652 der Nürnberger Adam Seng. 1693 ging das Anwesen dann an den Bauern Konrad Zöllner und dessen Nachfahren. Das ehemalige Schellenberger Burgareal wurde um 1760 in zwei Bauernhöfe geteilt.

Auf einem der Höfe steht der letzte Rest der Burg - der ehemalige Ostflügel. Das denkmalgeschützte Gebäude dient als Stadel. Die Besitzerfamilie um Georg Meyer hat es unter hohen Kosten mustergültig saniert. 

Heinz Göpfert

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