Sonntag, 18.11.2018

|

Wendelin Kusches Wandbild ist rettenswert

Experte bescheinigt hohe Qualität - Witwe macht Urheberrecht geltend - Mit der Stadt auf Konsenssuche - 12.02.2008

Specht und Raupe im Baum gehören zur ländlichen Landschaft des Wendelin Kusche. © Huber


Das Problem hatte SPD-Rat Reinhold Otzelberger in der jüngsten Stadtratssitzung aufgeworfen. Und angeregt, das Wandbild zu erhalten, wenn irgend möglich. Erst der Bericht in den NN hatte Sonja Gabriel-Kusche wach gerüttelt. Sie nimmt für ihren verstorbenen Mann die Urheberrechte an den von ihm gestalteten Kunstwerken wahr. «Ich war deshalb erschrocken, als ich gehört habe, dass das Reuther Schulhaus abgerissen werden soll», sagt sie den NN im Gespräch. Denn eine Veränderung an dem Kunstwerk sei ohne ihre Zustimmung nicht möglich.

«War alarmiert»

Deshalb hat sie umgehend Reinhold Otzelberger angerufen. Der klang nach ihren Worten so, als gebe er sich nicht der Illusion hin, dass das gesamte Kunstwerk zu retten ist - es erstreckt sich ja über die ganze östliche Giebelwand. Frau Gabriel-Kusche wandte sich folglich gleich an den Leiter des städtischen Bauamtes, Helmut Bock. «Es hat mich so alarmiert, weil den Verantwortlichen offenbar nicht klar war, dass es da jemanden gibt, der sich um das Urheberrecht des Künstlers kümmert.»

Sie wolle niemanden verschrecken und sei an einem Konsens mit der Stadt sehr interessiert, betont die Witwe Kusches. Aber es liege ihr auch sehr viel daran, dass sie informiert und in den Entscheidungsprozess einbezogen werde. Daher hat sie mit Bock vereinbart, ihm schriftlich mitzuteilen, dass sie um Gehör bittet, bevor eine Entscheidung über die Zukunft des Kunstwerkes getroffen wird. Mitte März, so hat ihr Helmut Bock versichert, wolle man miteinander reden.

Bis dahin, so der städtische Baudirektor, sollen Möglichkeiten ausgelotet sein, wie mit dem Kunstwerk verfahren werden könne. Dass der Urheberrechts-Gedanke hier eine Rolle spielt, war dem Bauamtsleiter tatsächlich neu. Doch schon auf die SPD-Anregung hin habe die Verwaltung einen Restaurator als Experten eingeschaltet. Der habe dem expressionistisch geprägten Werk von Wendelin Kusche hohe künstlerische Qualität zugesprochen. Das Halbrelief sei jedoch nicht leicht zu sichern. Man könne es nicht einfach abnehmen, «weil es in den Putz hinein gearbeitet ist», erklärt Helmut Bock.

Klarheit schaffen

Gemeinsam mit dem Experten soll bis Mitte März Klarheit geschaffen werden, wie mit dem Kunstwerk verfahren werden kann. Eine Option könnte sein, die ganze Wand stehen zu lassen. Dabei müsse jedoch sowohl über die Kosten nachgedacht werden, als auch über die Möglichkeit der Integration solch einer Lösung in die künftige Schulhausarchitektur.

Es bestehe kein Grund zur Hektik, so Bock. Denn der Abriss des Reuther Schulhauses werde frühestens im Spätsommer - zeitnah zum Neubau - über die Bühne gehen. Gleichwohl muss jetzt bedacht werden, was man mit dem Kunstwerk tun will. 

Dieter Köchel

Seite drucken

Seite versenden


weitere Meldungen aus: Forchheim