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Widerstand gegen Westumgehung Neunkirchens wächst

Über 350 Bürger kommen zur Infoveranstaltung - 11.02.2017 10:00 Uhr

Die historischen Stadttore, hier das Forchheimer Tor, sind Nadelöhre durch die nur ein Auto passt. © Scott Johnston


Mit jedem Schritt, den Stefan Arneth durch die Grundschulturnhalle macht, mit jedem Satz, mit dem der Abteilungsleiter Planung des Staatlichen Bauamts Bamberg seinen anschaulichen Vortrag untermalt, steigt die Akzeptanz der Zuhörerschaft. Natürlich, man hat ja viel gehört über die Westumgehung in Neunkirchen, seit über 30 Jahren ist sie geplant, seit vergangenem Jahr ist Bewegung in das Projekt gekommen. So sehen das die meisten Anwohner, die unter täglichem Schwer- und Durchgangsverkehr leiden.

Die Situation im Ortskern ist schwer erträglich: Seit 40 Jahren schlängelt sich die Staatsstraße kreuz und quer an den Fachwerkhäusern und an der Schule vorbei, an manchen Stellen so nah, dass die Häuser wie in der Friedhofstraße Risse bekommen haben. „Die Gehsteige sind zu schmal“, sagt Arneth, die historischen Stadttore Nadelöhre, durch die nur ein Auto passt. „Wir haben hin und her überlegt, aber es gibt keine Chance zu einer baulichen Verbesserung.“

Zehn Vorschläge geprüft

Die Lösung ist für ihn, die großen Parteien im Gemeinderat und den Bürgermeister gefunden: Eine Umgehungsstraße muss her. „Zehn Vorschläge“, sagt Bürgermeister Heinz Richter, „wurden geprüft, drei davon näher.“ Geblieben ist die Lösung einer Westumgehung durch das Ebersbacher Tal, eine bislang vor allem durch Landwirtschaft genutzte Fläche zwischen den Ortschaften Neunkirchen und Ebersbach. Soweit, so gut. Doch dann klickt Stefan Arneth am Laptop auf die Visualisierung.

Aus Vogelperspektive kann man nun virtuell die Westumgehung sehen, wie sie einmal durch das Tal, durch den Wald, über die Äcker pflügt. Keine einfache Verbindungsstraße zwischen den Orten, sondern eine bis zu neun Meter hohe Trasse mit Böschung, Regenrückhaltebecken, Entwässerungssystemen. Statt eines feinen Haares liegt sozusagen auf der Landkarte ein Stück dickes Tau.

Unter- und Überführung im Plan

Getuschel geht durch die Reihen: „Das ist ja ein Monstrum.“ Mit einer Unterführung nach Ebersbach, einer Überführung eines öffentlichen Flurwegs über eine Waldschneise, die die Straße schlägt. Ein Wasserschutzgebiet macht besonders aufwändige Arbeiten nötig, Wald muss an anderer Stelle aufgeforstet, Anwohner und Landwirte entschädigt werden. Der Lärmschutz wird bei einer Tierarztpraxis in Neunkirchen überschritten.

Um Diskussionen vorzubeugen, bitten Arneth und Bürgermeister im Anschluss ausschließlich um fachliche Fragen, die dann lange und kontrovers vom Überschwemmungsgebiet bis zum Lärmschutz, vom Umweltschutz bis zum Trassenverlauf erklärt werden. Auch aus Befürwortern werden plötzlich Zweifler. „Einsprüche und Bedenken können ausschließlich schriftlich erfolgen“, sagt Stefan Arneth noch, bis 3. März müssen die in der Gemeinde eingehen.

Als spät am Abend Stefan Arneth aus der Grundschulturnhalle geht, ist klar: Die vorgestellte Form der Westumgehung ist noch lange nicht in trockenen Tüchern. 

CHRISTOPH BENESCH

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