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Anschlag auf Auto eines Nazi-Gegners

In der Innenstadt brannte am Wochenende ein Wagen — Rechtsradikaler Hintergrund? - 29.11.2011 10:00 Uhr

Überall Löschschaum: Das Feuer zerstörte den rechten Kotflügel und tobte sich auch unter der Motorhaube aus, ehe ein Passant eingreifen konnte.

Überall Löschschaum: Das Feuer zerstörte den rechten Kotflügel und tobte sich auch unter der Motorhaube aus, ehe ein Passant eingreifen konnte. © privat


Auf einen politischen Hintergrund der Tat wollen sich die Beamten zum jetzigen Zeitpunkt allerdings nicht festlegen: „Es ist zu früh, wir ermitteln in alle Richtungen“, sagte ein Sprecher gegenüber den Fürther Nachrichten. Dass das Auto vorsätzlich in Brand gesteckt worden ist, steht ihm zufolge aber fest. Am Tatort sei „Brandbeschleuniger“ gefunden worden.

Für das Fürther Bündnis gegen Rechtsextremismus und Rassismus ist die Sache daher klar: Es handelt sich um einen weiteren Anschlag von Neonazis. „Die Terrorserie setzt sich offensichtlich fort“, schreibt das Bündnis in einer Pressemitteilung. In den vergangenen drei Jahren sei dies in Fürth bereits der vierte Anschlag auf ein Auto von Nazigegnern.

Unter anderem wurden schon 2008 nicht nur der Wagen einer engagierten Familie mit weißem Lack überzogen und die Reifen zerstochen, sondern man hatte auch die Wand ihres Hauses beschmiert. Trauriger Höhepunkt im April vergangenen Jahres: Ein Neonazi aus der Fürther Szene schlägt am Plärrer in Nürnberg beinahe einen jungen Mann tot.

Diesmal gingen der oder die Täter gegen eine Familie in der Fürther Innenstadt vor. Der 22-jährige Sohn ist Mitglied der Antifaschistischen Linken Fürth (ALF). Fotos von ihm sowie seine Adresse hatten Neonazis in der Vergangenheit auf ihren Internetseiten publik gemacht – offenbar um einzuschüchtern. Vor zwei Wochen soll er am Rande eines Naziaufmarschs in Wunsiedel verbal bedroht worden sein – von einem Fürther Rechtsextremen.

Am Samstag gegen 22.30 Uhr brannte nun sein Wagen. Dass er nicht komplett ein Raub der Flammen wurde, ist offenbar einem jungen Nürnberger zu verdanken. Der 21-Jährige war mit seinem Auto in der Fürther Innenstadt unterwegs, als er das Feuer bemerkte. Geistesgegenwärtig hielt er an und bekämpfte es mit einem Handfeuerlöscher. Dennoch beläuft sich der Schaden nach Angaben der Polizei auf 5000 Euro.

Offenbar hatte der Täter Grillanzünder auf den rechten Vorderreifen gelegt. „Wenn da nicht rechtzeitig eingegriffen wird, kann der Wagen völlig ausbrennen“, sagt Oliver Kotalla-Schmied von der Fürther Berufsfeuerwehr. In einem solchen Fall könnten auch benachbarte Autos und Wohnhäuser leicht in Mitleidenschaft gezogen werden.

Die Polizei hat inzwischen die Ermittlungskommission „Ford“ ins Leben gerufen. Zuvor hatte der Vater des Geschädigten bereits auf eigene Faust nach Spuren gesucht und auf einem nahen Spielplatz Brocken von Grillanzünder gefunden.

Bestürzt zeigte sich Fürths Oberbürgermeister Thomas Jung. Dass es sich um rechtsradikale Täter handelt, sei zwar nur ein Verdacht, aber ein sehr naheliegender. Nach dem Beschmieren von Hauswänden und dem Zerstechen von Reifen sei das eine weitere Steigerung der Gewalt: „Ich kann nur an die Sicherheitskräfte appellieren, hier mit allem Nachdruck zu ermitteln, damit eine baldige Festnahme gelingt.“

Für eine derartige Tat brauche man schon sehr viel kriminelle Energie, sagt Jung: „Aber dass Rechtsradikale diese haben, wissen wir spätestens seit der Zwickauer Terrorzelle.“

Die Kripo sucht Zeugen der Tat vom Samstag. Hinweise bitte an Tel. (0911) 21123333. Das Bündnis gegen Rechts hat ein Spendenkonto eingerichtet: bfg-bündnis g.R., Konto: 201014684, Raiffeisenbank Fürth, BLZ, 76260451.

  

JOHANNES ALLES

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