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Flächenmanagement im Landkreis Fürth: Die Ergebnisse des Modellprojekts liegen vor - 28.05.2017 14:00 Uhr

Strategien zum Flächenmanagement wurden für Oberasbach (im Bild: dessen Rathaus und Umfeld), Ammerndorf und Roßtal entwickelt. © Thomas Scherer


Strategien, wie das funktionieren kann, hat der Landkreis im Rahmen eines Modellprojekts in Kooperation mit dem Institut für Geographie der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg anhand dreier Kommunen entwickelt. Über zwei Semester haben zwölf Studenten der Kulturgeographie mit Schwerpunkt Regionalentwicklung unter der Regie von Professor Dr. Tobias Chilla Ammerndorf, Oberasbach und Roßtal ganz genau unter die Lupe genommen. Um die Ergebnisse allen 14 Kreiskommunen als Werkzeug an die Hand zu geben, präsentierten die Protagonisten ihre Erkenntnisse jetzt Bürgermeistern und Verwaltungsfachleuten als Motoren der Siedlungsentwicklung vor Ort.

Verschiedene Facetten

"Wir hatten das Glück, dass sich eine sehr kleine, eine mittlere und eine sehr große Kommune bereitgefunden haben, mitzumachen", erläuterte Dießl. "Das ermöglichte, ganz unterschiedliche Facetten des Flächenmanagements zu untersuchen." Und bot, so Chilla, ein äußerst spannendes Forschungsfeld: Im Landkreis Fürth grenze eine sehr ländliche, gewachsene Struktur eng an einen Bereich, der als Teil der Metropolregion einem enormen Flächendruck ausgesetzt sei. Nur ein Patentrezept gebe es aufgrund dieser Basis eben auch nicht: "Bei so einer schillernden Struktur muss man in jedem Fall sehr ins Detail gehen", so Chilla.

Zum Beispiel in Ammerndorf: Dort lautete der Arbeitstitel "Baugebiet im Wandel". Die Pelzetleite, in den 1970er Jahren entstanden, ist in die Jahre gekommen: "In den Einfamilienhäusern sind die Kinder aus dem Haus, Senioren leben allein auf 100 Quadratmetern Wohnfläche und 1000 Quadratmetern Grund", beschrieb Bürgermeister Alexander Fritz die Situation. Doch ihr gewohntes Umfeld verlassen wollten die Menschen nicht. Gleichzeitig ist Wohnraum in der Bibertgrundgemeinde gefragt.

Fritz’ Ziel ist, die "Durchmischung der Generationen" über Nachverdichtung zu fördern. Konkret heißt das für ihn, aktiv auf die Hauseigentümer zuzugehen, sie zu beraten und Umbauten genehmigungsrechtlich unkompliziert zu gestalten, sodass vielleicht eine zweite Familie ins zu groß gewordene Haus einziehen kann. Eine Strategie, die sich nach Einschätzung Dießls auf etliche andere Gemeinden übertragen lässt.

Beispiel Roßtal: Dort haben die Studenten Leerstände erfasst und bewertet. "Dabei", so erläuterte Michaela Morhard, im Roßtaler Rathaus federführend beim Projekt Flächenmanagement, "haben wir ganz genau hingesehen und gefragt, was steht überhaupt leer? Was hat man zur Belebung bereits versucht? Woran scheiterte es? Welche Optionen gibt es alternativ?" Über 30 brachliegende Immobilien, etwa die Hälfte ungenutzter Wohnraum, ein weiteres Viertel aufgelassene Bauernhöfe, machten die Studenten ausfindig. Nun will Morhard aktiv auf Eigentümer zugehen, Beratung anbieten und bestenfalls sogar in die Vermittlungsarbeit einsteigen.

Beispiel Oberasbach, die Stadt ohne Gewerbegebiet: Stattdessen sind die Unternehmen wie in einem Fleckerlteppich querbeet im ganzen Stadtgebiet verteilt, wie Bürgermeisterin Birgit Huber sagte. Doch genauso wie bei der Wohnbebauung, an deren Nachverdichtung die Kommune bereits seit längerem in Eigenregie feilt, sind Neuausweisungen auf der grünen Wiese sehr enge Grenzen gesetzt: "Wir haben kaum mehr Flächen-Ressourcen, entsprechend behutsam müssen wir damit umgehen."

Was bleibt, ist, Leerstände zu recyceln und im Blick auf die Konkurrenz von unmittelbar benachbartem Gewerbe und Wohnraum Unternehmensansiedlungen gezielt zu lenken und dort zu konzentrieren, wo bereits Schwerpunkte auszumachen sind – etwa in Alt-Oberasbach, wo vergleichsweise viele Handwerker angesiedelt sind, oder an der Rothenburger Straße, an der sich der Einzelhandel drängt. Eine Perspektive, die Dießl zufolge ebenfalls für die meisten Gemeinden gilt. Denn Standortanfragen von Gewerbetreibenden notierten nahezu alle, bedient werden könnten mangels Fläche die wenigsten.

Huber hat die Kooperation mit den Nachwuchs-Forschern als sehr konstruktiv erlebt: "Da kommen junge Menschen mit frischen Ideen, die auch mal laut sagen, was man als Politiker nur denken kann." Was sie mitnimmt, ist eine Fülle von Datenerhebungen und Karten, "die bei kommunalpolitischen Entscheidungen äußerst hilfreich sind". Landrat Dießl bilanziert eine klassische Win-win-Situation: "Die Studenten haben Praxis im wissenschaftlichen Arbeiten bekommen und wir die Theorie für nachhaltiges Flächenmanagement." 

SABINE DIETZ

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