Mittwoch, 14.11.2018

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Ausverkauf der Fürther Brauerei-Tradition

Nach der Räumung des ehemaligen Humbser-Brauhauses geht ein Kapitel der Stadtgeschichte zu Ende - 06.04.2009

Um den Ausverkauf der Fürther Brauereitradition fürchtet Brauer-Ururenkel Felix Geismann - hier mit einem Bierkrug aus dem Jahre 1890 und einem um 1920 geschaffenen Brauereischild. © Thomas Scherer


Wie berichtet, soll auf dem 50 000 Hektar großen Brauerei-Areal ein neuer Wohnpark entstehen. Lediglich das unter Denkmalschutz stehende Jugendstil-Sudhaus anno 1911 soll erhalten bleiben. Immobilien-Eigentümer Jannik Inselkammer denkt an eine gastronomische Nutzung und möchte dazu Tucher mit ins Boot holen. Doch bei Tucher stößt dieser Plan auf wenig Sympathie.

Im Sudhaus, so Tucher-Geschäftsführer Fred Höfler, sei zu wenig Platz. Außerdem stünden strenge Auflagen Gastronomieplänen im Wege. Der drohende Leerstand und Verfall der historischen Braustätte alarmiert den 21-jährigen Betriebswirtschaft-Studenten Felix Geismann. Vergangenes Jahr erst hatte er als Abiturient des Hardenberg-Gymnasiums die Fürther Brauereigeschichte in einer Studienarbeit untersucht, die demnächst als Buch erscheinen soll.

Persönlich berührt ihn die Zukunft des Ensembles deshalb, weil die florierende Geismann-Bräu 1967 zur Kapazitätserweiterung mit dem Konkurrenten Humbser fusionierte. Das Brauhaus hieß nun Humbser-Geismann – bevor 1971 Patrizier und 1994 Tucher die Regie übernahm. Die ursprüngliche Geismann-Brauerei am Stadttheater war 1982 für den Bau des City-Centers abgerissen worden. Damals schon verschwand einzigartiges Inventar.

Das Stadtarchiv hat laut Geismann unter seinen früheren Chefs keinerlei Interesse an alten Brau-Requisiten des Unternehmens gehabt. Jetzt jedoch liebäugelt selbst Wirtschaftsreferent Horst Müller mit einem kleinen Brauereimuseum an der Schwabacher Straße. Platzprobleme sieht Felix Geismann nicht – vorausgesetzt, man bindet die an das Sudhaus anschließenden älteren Backsteingebäude mit ein. Nach einer teilweisen Entkernung könne hier sogar Raum für den oft geforderten Ersatz für den alten Geismannsaal geschaffen werden.

Ein kleines, aber feines Stadtbrauhaus wünscht sich der Brauer-Nachfahre mit Rücksicht auf die nostalgischen Vorlieben vieler Biertrinker. Das mit dem Gebäude verbundene Braurecht besteht schließlich weiterhin. Und die Furcht vor Konkurrenz am historischen Braustandort hat bereits Interessenten an einem Kommunbrauhaus im ehemaligen Gasthof «Goldener Schwan» (Marktplatz) einen Rückzieher machen lassen. Inselkammer will den Charakter der alten Braustätte auf jeden Fall erhalten. Nach Geismanns Ansicht müsste die Stadt dabei Hilfestellung leisten.

Das alte Sudhaus ist in Geismanns Augen für ein Brauereimuseum prädestiniert. Nachdem – wie berichtet – auch das Fürther Rundfunkmuseum in die Innenstadt (ehemalige Central-Garage, Mathildenstraße) umquartiert werden soll, könne dieses Projekt die künftig konzentrierte Museumslandschaft auf originelle Weise ergänzen. Es geht Geismann dabei um die Pflege eines wichtigen Aspekts der Fürther Identität. Ein Verfall des historischen Ensembles wäre für ihn jedenfalls ein Skandal.

Für die Lokalgeschichte engagiert sich Felix Geismann übrigens auch im Internet. Zusammen mit Marc Muzenhardt hat er 2007 eine Online-Enzyklopädie geschaffen und ins Netz gesetellt: www.fuerthwiki.de 

Volker Dittmar

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