Sonntag, 18.11.2018

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Betzi ist da: Fürth bekommt ein Kärwa-Maskottchen

Freundliches Schaf wird Bestandteil der Kirchweih - Start am 29. September - 04.09.2018 05:56 Uhr

Betzi darf erst in ein paar Wochen wieder raus: Kostümbildnerin Kathrin Brockmüller führt das neue Maskottchen sicherheitshalber wieder zurück in ihre Werkstatt in der Lessingstraße. © Foto: Thomas Scherer


Offiziell vorgestellt wird Betzi erst auf der üblichen Pressekonferenz kurz vor dem Start der Michaelis-Kirchweih. Dass die FN deutlich früher dran sind, ist dem Zufall geschuldet. Ein Redakteur dieser Zeitung staunte nicht schlecht, als er bei einem Besuch des Ateliers Kaltscher in der Lessingstraße auf ein mannsgroßes Schafskostüm stieß – und fragte nach. Jetzt feiert Betzi ihre wollige Weltpremiere exklusiv in den Fürther Nachrichten.

Die Idee eines Maskottchens geht auf das sechsköpfige Werbeteam Fürther Kirchweih um den Schausteller Joachim Ulrich zurück. Er habe diesen Gedanken schon länger im Kopf getragen, sagt er. "Zu einem Familienfest gehört einfach ein Maskottchen." Fest stand für ihn: Es muss einen Bezug zur Kärwa haben und sollte etwas Urfränkisches verkörpern.

Als Losfee im Einsatz

Am Ende kristallisierte sich ein Schaf heraus – fränkisch: Betz. Das passt, fand er, schließlich ist der Betzentanz eine gern gepflegte Kärwa-Tradition. Übrigens auch bei der Michaelis-Kirchweih, wo ihn Jahr für Jahr die Stadelner Burschen und Madli auf das Pflaster vor dem Stadttheater wirbeln.

Auf der Suche nach Fachleuten, die Betzi zum Leben erwecken können, stieß Ulrich auf die Fürtherin Kathrin Brockmüller. Sie ist seit 2001 als Kostümbildnerin zugange, hat unter anderem ein freundliches Gespenst fürs Nürnberger Spielzeugmuseum kreiert und für den Bundestag Karlchen Adler, der Kindern erklärt, wie das Parlament in Berlin funktioniert. Für Brockmüller, die in der Lessingstraße arbeitet, verkörpert Betzi ebenfalls eine Premiere: "Für meine Heimatstadt Fürth habe ich bislang noch nichts entworfen."

Gemeinsam mit Ulrich tüftelte sie über Monate am Kostüm. Das Ergebnis: Betzi trägt ein Dirndl und obendrein eine goldene Krone, weil die Fürther Kärwa doch so gern als Königin der fränkischen Kirchweihen daherkommt. Tiefblaue Augen und lange Wimpern komplettieren das freundliche Aussehen, was Ulrichs ausdrücklichem Wunsch entspricht. "Für die Kinder hatte ich mir so eine liebliche Erscheinung vorgestellt." Rund drei bis vier Wochen Arbeit, sagt Brockmüller, stecken in dem Kostüm.

Mit der Kärwa-Eröffnung vor dem Stadttheater am Samstag, 29. September, beginnt für Betzi die heiße Phase. Sie wird bei allen wichtigen Terminen im Einsatz sein: vom Erntedankfestzug bis zum Familientag. Bei der dieses Jahr ausgelobten Heiratslotterie zieht sie gemeinsam mit dem Oberbürgermeister die Gewinner und auch zwischendurch wird sie sich immer wieder auf dem Kärwagelände blicken lassen. Allerdings wird man von Betzi nie ein Wörtchen hören, nicht einmal ein leises "Mäh". Betzi ist – wie so viele Maskottchen – stumm.

Ihr Premierenjahr wird gleich besonders stressig. Wie ebenfalls berichtet, läuft die Kirchweih 2018 wegen des Stadtjubiläums "200 Jahre eigenständig" über 16 Tage statt der üblichen zwölf. Nicht näher eingehen will Kathrin Brockmüller auf die Frage, woraus sie das Kostüm gemacht hat. "Betzi besteht aus Fleisch und Blut und Meterware", sagt sie lediglich. Die knappe Antwort hat ihren Grund: Brockmüller will, dass die Besucher, vor allem die Kinder, nicht über das Kostüm nachdenken, wenn sie das Maskottchen treffen, sondern es "als Wesen" wahrnehmen.

Folgerichtig bleibt auch die Frage unbeantwortet, wer zur Kirchweihzeit in eben jener Meterware herumlaufen wird. Betzi ist eben Betzi. Punkt. 

JOHANNES ALLES

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