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BN hakte bei Politikern nach

Vier Kandidaten für Berlin - 02.09.2017 08:00 Uhr

Minister Schmidt (CSU), MdB Träger (SPD), BN-Vorsitzender Weiger, Moderatorin Dauwalter, MdB Kekeritz (Grüne) und MdB Bulling-Schröter (Linke) (v.re.). © Foto: Wraneschitz


Professor Hubert Weiger, Landes- und Bundesvorsitzender des Bundes Naturschutz (BN), sprach von einem "singulären Podium", das sich da zusammengefunden hatte: Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt, direkt gewählter Bundestagsabgeordneter (MdB) von der CSU aus Fürth; Carsten Träger, SPD-MdB, ebenfalls aus Fürth; Uwe Kekeritz, MdB von Bündnis90/Die Grünen aus Uffenheim; Eva Bulling-Schröter, Linkspartei-MdB aus Ingolstadt, die den örtlichen Kandidaten vertrat: Allesamt ausgewiesene Klimaschutz- und Nachhaltigkeitspolitiker, vielleicht "Bayerns Beste" momentan.

Fünf Minuten Redezeit

Wenn einer aus dem Politiker-Quartett Statements zum Thema "Zukunft der Landwirtschaft und unserer Ernährung" abgeben soll, also über die Sicherheit von Wasser und Lebensmitteln, die Überlebensfähigkeit von Bienen in unserer Landschaft oder zur bäuerlichen Landwirtschaft, dann können die stundenlang dauern. Doch BR-Moderatorin Judith Dauwalter hat es geschafft, dass sich alle an die fünf Minuten Redezeit hielten. Auch mit Hilfe ihrer riesigen Sanduhr.

Zu drei Schwerpunkt-Themen bezogen die vier Politiker von CSU, SPD, Grünen und Linken auf dem Podium des Bundes Naturschutz in Veitsbronn Stellung: Naturschutz © Foto: Patrick Pleul/dpa


Als Einstieg hatte BN-Chef Weiger die Bedeutung der "Landwirtschaft als zentrale Gesellschaftspolitik" herausgestellt. Auch die Reizthemen Gentechnik und "Glyphosat, das schlimmste Pestizid, das jemals entwickelt wurde. Es muss verboten werden" vergaß der Fürther nicht.

regenerative Energien © Hans-Joachim Winckler


Uwe Kekeritz stellte dazu fest: "Die Landwirtschaft ist nicht nur die zentrale gesellschaftliche Frage in Europa. Sie hängt ganz eng mit Afrika, Südamerika, Asien zusammen." Eva Bulling-Schröter forderte "Wochenmarkt statt Weltmarkt. Die Exportausrichtung ist falsch. Die aktuelle Politik nutzt nur den Konzernen". Carsten Träger anerkannte die "unbestrittenen Probleme durch die intensive Landwirtschaft. Mein Vorwurf: Es passiert zu wenig in ihrem Ressort, Herr Landwirtschaftsminister." Doch der betroffene Christian Schmidt sah "die Ökolandwirtschaft auf dem Weg. Man muss aber fließende Übergänge schaffen".

und Landwirtschaft © Hans-Joachim Winckler


Die darauf folgenden Anmerkungen aus dem Publikum drehten sich um Insekten- und Artensterben, "dumme Plakatsprüche der Umweltministerin gegen Bauern", Flächenversiegelung, den Rückgang der Humusdecke auf den Feldern.

Der zweite Teil zu Energieversorgung und Klimaschutz hatte die Schwerpunkte "Wie schaffen wir die Energiewende?" und "Wie kann die Region von der Energiewende profitieren?" "Um den Klimawandel zu stoppen, braucht es mehr als Beschlüsse in Paris", konstatierte Weiger. Aber welche sind die wichtigsten?

"Wir müssen die Energiewende dezentral verstehen. Und möglichst alle müssen sich daran beteiligen können", meinte Christian Schmidt. Carsten Träger stellte die "Frage der Gerechtigkeit. Aber wir werden den Energiehunger nur nicht regional decken können, wir brauchen Bürgerenergie und Konzerne".

Eva Bulling-Schröter sah die Gefahr, "die Großen lassen sich das Geschäft nicht wegnehmen. Und wir werden das Klimaschutzziel 2020 krachend verfehlen". Uwe Kekeritz forderte vor allem: "Wir müssen in Windenergie investieren und das Gasnetz als Speicher nutzen. Begrenzung darf nicht sein."

Anmerkungen des Publikums

Das Publikum merkte an: "Das Klimaproblem hat seinen Grund im globalen Welthandel." Weggeschmissene Lebensmittel seien auch verschwendete Energie. Seit 2015 sei der Anstieg des Ökostroms gestoppt. Und als Kritik an alle Parteien auf dem Podium: "Post-Wachstumsstrategien sind kein Wahlkampfthema."

Doch trotz aller, teils deutlicher Differenzen, empfand BN-Vorsitzender Weiger die Veranstaltung als "wichtiger Abend für die Demokratie. Denn bei diesen Themen kann es keine einfachen Antworten geben". Deshalb forderte er die Wähler auf, die Fragen zu stellen, die sie bewegen: "Was nicht gefragt wird, ist für die Politik offensichtlich nicht relevant", formulierte er. Was umgekehrt bedeutet: Nur wer schreit, wird gehört.

Dennoch endete Weigers Zusammenfassung hoffnungsvoll: "Es gibt eine wachsende Zahl kritischer Menschen, die den Austausch mit der Politik sucht." Diese Veranstaltung war ein Beispiel dafür. 

HEINZ WRANESCHITZ

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