Mittwoch, 19.12.2018

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Brutalität hinter den Fassaden der Lustigkeit

Die Galerie in der Foerstermühle präsentiert neue Objekte des international renommierten Künstlers Botond - 03.02.2007

Aus alten Lkw-Planen fertigt Botond seine Masken, die ab heute in der Foerstermühle zu sehen sind. © Günter B. Kögler


Botond aber hat an gar nichts Komisches gedacht, als er seine Ausstellung «Säcke» für seinen Freund Thomas Foerster exklusiv für dessen Galerie in der Foerstermühle konzipierte. «Irgendwo kommt immer etwas Witziges in meinen Werken vor. Das liegt wohl an meinen ungarischen Wurzeln», vermutet der Künstler, der seit 1979 in Nürnberg wohnt und lebt.

Durch visuelle Erlebnisse, so Botond, erhalten die Masken jedoch eine perverse Tiefe; man denke zum Beispiel nur an irakische Gefangene. Mit einer Maske entrückt man jemanden von der Wirklichkeit. In der Faschingszeit, so spannt Botond den Bogen, tun dies die Menschen - ob unbewusst oder bewusst - sogar freiwillig. Zwischen diesen beiden Polen, den kabarettistischen Faschingsmasken und den Foltermasken, bewegen sich seine Werke.

Die schneeweißen Wände, von denen Botonds Masken den Betrachter in der Foerstermühle ansehen, unterstreichen gekonnt den vom Künstler gewollten Effekt: Das Lustig-Komische dreht sich in eine ernsthafte Tiefe, die fast schon bedrückend und bedrohlich wirkt. Masken - und Säcke - haben keine Persönlichkeit. Dennoch scheint man die stummen Schreie aus den Mündern zu hören, die Blicke der Leidenden zu spüren. Archaisch, brutal und gruselig kommen sie daher.

Botond, der in Budapest an der Kunstakademie studierte, hat sich über Deutschland hinaus mit seinen groß angelegten und themenbezogenen Projekten einen Ruf erworben. Das bekannteste: «Buch und Bibliothek». Für seine plastischen Arbeiten verarbeitet er bevorzugt Stahlbleche, Stahldraht, Bronze oder Beton. Für «Säcke» ist er auf einen ganz neuen Stoff gestoßen. Aus gebrauchten Lkw-Planen schneidet er Stücke heraus, löst die Oberfläche mit diversen Abbeizverfahren auf und formt und knautscht die Fetzen schließlich zu Köpfen. Mit einer alten Nähmaschine aus den 20er Jahren setzt er Nähte, bemalt die Grimassen anschließend mit Ölfarbe. Die Verstärkungen um Mund und Augen unterstreichen das Maskenhafte und die starke Betonung der Formen.

Ein Sich-Einlassen auf Botonds intensiv den Zeitgeist reflektierenden «Säcke» ruft auf jeden Fall eines nicht hervor; nämlich «Helau» und «Aha». CLAUDIA BIDNER-WUNDER

«Säcke»: Galerie in der Foerstermühle, Würzburger Straße 3. Montags bis donnerstags 9-17 Uhr, freitags 9-12 Uhr. Vernissage heute, 19 Uhr. 

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