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Central-Garage wird von Denkmalliste gestrichen

Eines der ältesten Parkhäuser Deutschlands wurde zu Wohnraum umgebaut - 25.07.2017 16:00 Uhr

Nach dem Umbau ist von der historischen Bausubstanz nicht mehr viel übrig geblieben. Dafür hat der Seitenast der Fußgängerzone ein neues Entrée bekommen. © Foto: Hans-Joachim Winckler


Überraschend ist das Urteil der Behörde aus München nicht gekommen. Die öffentlichen Auseinandersetzungen um den Wandel eines der ältesten Parkhäuser Deutschlands in ein modernes Wohnquartier haben schließlich nichts Gutes ahnen lassen. Wie berichtet, hatte der Bauträger P & P die seit 2003 verwaiste Immobilie in der Mathildenstraße erworben, sie aber 2007 der Nürnberger Firma Bauhaus überlassen.

Diese brachte durch massive Abbrucharbeiten im rückwärtigen Teil mehr Licht ins Gebäude, in dem 21 Etagenwohnungen und Lofts nebst Penthouse ausgebaut wurden. Zu den auffälligsten Veränderungen gehörten das neue Dach mit drei Wohnebenen und der Umbau des ehemaligen Aufzugsturms für Autos. Eine Sanierungsvereinbarung zwischen Bauträger und Kommune sicherte den neuen Wohnungseigentümern die Möglichkeit für Steuerabschreibungen bis zu 45 Prozent im Altbaubereich zu. Ein Ersatz für Steuervorteile durch die sogenannte Denkmalschutzabschreibung, für die das Landesamt kein grünes Licht geben wollte.

Auch dem ehemaligen Ottoschulhaus vis-à-vis wurde übrigens nach dem Umbau der Denkmalcharakter aberkannt. Hier hat P & P Wohnungen und im Hochparterre Räume für das Stadtmuseum geschaffen. Dass es auch anders geht, führt das zwischen beiden Gebäudekomplexen liegende ehemalige Verwaltungsgebäude der Kleinmöbelfabrik Trommeter vor Augen: Mit viel Liebe zum historischen Detail wurde hier das historische Erscheinungsbild für 450 000 Euro restauriert. Der Stadt war dieses Bemühen eine Denkmalschutzprämie in Höhe von 1500 Euro wert.

Der Verlust der "Central-Garage" als Baudenkmal stößt Stadtheimatpflegerin Karin Jungkunz bitter auf. "Wieder ein Objekt weniger, mit dem die Stadt glänzen könnte", kommentiert sie den Spruch. Doch sie nimmt den Vorgang als Ansporn, um beim Landesamt noch mehr für die Aufnahme neuer Baudenkmäler zu werben. Eine ganze Liste mit Vorschlägen habe man der Behörde schon zukommen lassen. Darin seien unter anderem die Holztribüne des ASV in der Magazinstraße und das Milchhäusle in der Adenaueranlage aufgeführt.

Für Lothar Berthold, Stellvertreter von Karin Jungkunz, geht der Vorstoß des Landesamtes zudem in die verkehrte Richtung. Statt Bauträger von großen Eingriffen abzuhalten, würden diese nur noch ermutigt – nach dem Motto: "Verschandle dein Haus nur rigoros und du wirst von den Denkmalschutzauflagen befreit!" Besser wäre es seiner Meinung nach, Veränderungen an der historischen Bausubstanz öffentlich anzuprangern, die Förderung für unveränderte Teile jedoch nicht zu streichen. Damit hätte die Behörde vielleicht auch unangemessene Kosmetik, wie sie Berthold in der Nachbildung des Schriftzugs "Central-Garage" erkennt, verhindern können. Was den stellvertretenden Stadtheimatpfleger ermutigt, ist die Gründung einer landesweiten Bürgerinitiative zur Rettung von gefährdeten Baudenkmälern. 

VOLKER DITTMAR

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