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Comödie begeistert mit "Ein Käfig voller Narren"

Der Broadway läuft neuerdings an Fürth vorbei: Jerry Hermans Kultmusical liegt bei Heißmann, Rassau & Co. in besten Händen - 19.03.2015 13:15 Uhr

Mordsmäßige Plateuasohlen und große Gefühle: Martin Rassau (li.) und Volker Heißmann im Fürther "Käfig voller Narren". © Martin Bartmann


Zuweilen ist die Bühne der eigentliche Ort, an dem die großen philosophischen Fragen der Menschheit verhandelt werden, und nicht das Katheder. Etwa dann, wenn so eine in Stein gemeißelte Sentenz durch den Raum fliegt: „Es geht nicht ums Schäufele. Es geht um den Gedanken hinter dem Schwein.“ Womit auch klar ist: Die Fürther Comödianten norden das Broadway-Stück auf Fränkisch ein.


Auf diese Weise treffen die punktgenau abgezirkelten Lokalspitzen direkt in die neue Fürther Mitte. Aber keine Sorge: Die Anverwandlung ins Fränkische bleibt so gut dosiert, dass das international gültige und professionell umgesetzte Flair der Story keinen Schaden nimmt. Das ist einerseits das Verdienst des Teams rund um den österreichischen Regisseur Thomas Enzinger und Ausstatter Toto. Andererseits liegt das auch am Tempo und der choreographischen Detailgenauigkeit von Dorit Paneutz und ihren drei (!) Krankheitsvertretern.


Rasante Revue-Acts


Regie wie Choreographie haben das Optimum aus den beengten Bühnenverhältnissen herausgeholt. Schnelle Verwandlungen, jede Menge Tingeltangel-Glamour, rasante Revue-Acts und dann auch immer wieder intime Kammerszenen herzuzaubern, war das schwierigste Unterfangen bei diesem Musical-Unternehmen, mit dem das unsubventionierte Haus volles Risiko fährt. Produktionskosten von 500000 Euro sind keine Kleinigkeit und nur mit einer ganzen Reihe zugewandter Sponsoren zu schultern.


Ein weiterer gelungener Coup: Thilo Wolf hatte sich mit seinen Bandmusikern und den Symphonikern in Klausur begeben und einen farbigen, sehr animierten Soundtrack eingespielt, der auch dem gesangsungeübten Teil der Darstellercrew auf die Sprünge hilft. Augenzwinkernd wird so getan, als säßen die Instrumentalisten zeitgleich im Heizungskeller...


Natürlich liegt die Hauptlast bei den Protagonisten. Aber auch der Cast stimmt: Volker Heißmann hält Obertunte Zaza (alias Alwin) stets auf dem schmalen Grat zwischen aufgetakeltem Fregatten-Charme und sensiblem Gefühlskino. Er gibt nicht vor, etwas zu sein, was er nicht ist, aber man entwickelt für seine Travestietragödin eine Menge Empathie.


Denn sie hat die Fallhöhe, die diese Figur braucht: Da sind die täglichen Reibungsflächen in einer mittlerweile 20-jährigen Partnerschaft zu Schorsch, wo jeder die wunden Punkte des anderen nur allzu gut kennt. Da ist die Gedemütigte, die das verlogene Anstands-Getue um des lieben Scheins willen mitspielt, aber in Wahrheit ihr eigenes Ding durchzieht. Heißmann singt mit Inbrunst die Welt-Schlager „Mascara“ und „Ich bin, was ich bin“.


Erfahrener Beau


An seiner Seite brilliert Alexander di Capri (Schorsch) mit der selbstbewussten Gentleman-Attitüde eines erfahrenen Beaus. Er fungiert als Puffer zwischen der Zickenbande rund um Zaza und der spießigen Bürgerlichkeit, die durch die bevorstehende Heirat seines Sohnes Flori sogar die Existenz des ganzen Clubs bedroht. Elena Otten (Anne) und Markus Schöttl (Flori) geben die Frisch-Verliebten mit Drive und Leichtigkeit. In der rauschenden Fummel-Parade schießt Martin Rassau als Zofen-Butler in meterhohen Plateau-Stiefeln, für die es fast schon einen Waffenschein bräuchte, natürlich den Vogel ab.


Ohne Klamauk gehts in der Comödie freilich nicht: Die undankbaren Rollen der erzkonservativen Eltern, die noch am deutlichsten suggerierten, dass der Plot eben doch aus den Siebzigern stammt, gingen an Katrin Schubert und Marcel Gasde.


Das Grisellen–Sextett tanzte vorzüglich. Danach konnte es nur eines geben: Applaus, Applaus, Applaus! 

Jens Voskamp

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