Montag, 17.12.2018

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Comödien-Grillfest im Dreivierteltakt

Der „Broadworschd-Walzer“ mit Rassau, Ottinger und den Gebrüdern Sing - 20.02.2015 11:15 Uhr

Bei den Festvorbereitungen gehen Martin Rassau (rechts) und Bernhard Ottinger locker in die Hocke, um ihren Spott noch besser über die Rampe zu schicken. © Foto: Tim Händel


Rassau, Ottinger (Taxifahrer, Dolln und Doldi), Pianist Andreas Rüsing und die gesangsstarken A-cappella-Brüder standen schon öfter miteinander auf der Bühne. Und so kann auch die Grippewelle der Premiere dieses neuen Stücks aus der Feder von Rassau und Stephanie Schimmer nichts anhaben. Obwohl mehrere Sänger virusgeschwächt sind und einer kurzfristig ganz ausfiel, sitzen Pointen und Dialoge, die Songs sowieso.

Was Rassau und Ottinger da am Grill zusammenbrutzeln? Zwei Brüder wollen die Gattin des Hausherrn mit einer Geburtstagsparty überraschen. Beim Vorbereiten des Fests bleibt Zeit zum Nachkarten früherer Familienfeiern und Sinnieren über die Freuden des Ehelebens. Für die beiden aufeinander eingespielten Spaßvögel also reichlich Gelegenheit, ihren Witz und ihren Biss zu zeigen. Neben den mitunter nicht ganz neuen Erkenntnissen über die Unterschiedlichkeit von Mann und Frau ist da natürlich auch Platz für Spitzen auf die Einkaufs- und Kinostadt Fürth, über den ruhebedürftigen Nachbarn aus der Gustavstraße und über die Fahrt zur Hölle – nach Nürnberg.

Vor allem aber bietet die lose Handlung den Kindern der Brüder in Gestalt der A-cappella-Formation Gebrüder Sing zahlreiche Anknüpfungspunkte für ihr breites Repertoire an Operetten-Melodien und Schlagern – von Robert Stolzens Frauen (ob blond, ob braun) über Cole Porters „Kiss me Kate“ (Schlag nach bei Shakespeare) bis zu Cliff Richard. Die Gebrüder singen nicht nur perfekt, sie bieten auch eine actionreiche Performance. Kaum zu glauben, dass sie ihr Geschäft auf der Bühne nach wie vor nur als Hobby betreiben.

Auch Martin Rassau hat in dieser GrillOrette natürlich Gelegenheit, seine Sangesfreude auszuleben. Musikalisch wird der Generationenkonflikt ausgetragen, wenn sich Rassau nach gutem alten Reggae sehnt und die Sing-Brüder daraus lieber einen Hip-Hop-Song machen. Und der nostalgische Rückblick der Älteren ist auch erlaubt: Sie haben noch Sex & Drugs & Rock’n’Roll erlebt, während die heutigen Topthemen veganes Essen und Laktose-Unverträglichkeit heißen.

Das Faszinierende an dem Abend: Ob totgeglaubte Operetten-Schnulze, Itsy Bitsy Strandbikini oder neuzeitlicher Vanilla-Ice-Rap – Jung wie Alt kennt die alten und neuen Hits und goutiert sie, zumindest wenn sie so witzig, kurzweilig und handwerklich perfekt kredenzt werden. Eine Grillparty ist natürlich kein Abend für Vegetarier, die gehörig ihr Bratenfett abkriegen. Aber auch die Freunde des Fleisches gehen letztlich leer aus, der Grill fängt Feuer. Die für die Party sehnlich erwartete wie zugleich geschmähte Gattin weiß zudem Besseres zu tun, als den Broadwoschd-Walzer zu tanzen. Dem Spaß an dem bunten Abend tut das keinen Abbruch.

Bis 22. Februar täglich 19.30 Uhr, am Sonntag um 17 Uhr. 

WALTER GRZESIEK

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