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„Coolrider sollen keine Hilfssheriffs im Bus sein“

Kein Stress auf der Fahrt zur Schule: VAG setzt mit ihrem Projekt auf Jugendliche, die Zivilcourage beweisen - 19.09.2014 06:00 Uhr

Andrea Leißner begleitet das Schulprojekt der VAG seit 2002. © Foto:privat


Gab es seinerzeit einen konkreten Anlass, die Coolrider ins Leben zu rufen, Frau Leißner?

Andrea Leißner: Die VAG engagiert sich schon länger in der Kinder- und Jugendarbeit. Wir gehen beispielsweise in Kindergärten und zeigen den Kleinen, dass es mehr gibt als nur Papas Auto. Wir üben das Ein- und Aussteigen in Bus und U-Bahn und machen Kinder mit Gefahrenzonen – Stichwort „Toter Winkel“ — vertraut. Dabei kooperieren wir mit der Puppenbühne der Polizei. Die Coolrider sind „nur“ die altersmäßige Fortführung unserer Arbeit. Wir wollten Jugendliche für den ÖPNV gewinnen, Schüler sind schließlich die größte Nutzergruppe.

Haben die Coolrider ein Vorbild?

Leißner: In Bochum existierte damals ein Fahrzeugbegleiter-Projekt, das haben wir auf Nürnberger Verhältnisse umgeschrieben. Während sich die Kollegen im Ruhrpott auf einen Bezirk beschränkt haben, sind wir gleich in die Fläche gegangen und haben auch selbst Trainer ausgebildet.

Streit schlichten, Sachbeschädigungen verhindern, das sind zwei wichtige Aufgaben. Ließe sich dies nicht auch mit mehr Personal bewerkstelligen. Schiebt die VAG da nicht Verantwortung ab?

Leißner: Diese Frage haben wir uns natürlich stellen lassen müssen. Die Jugendlichen sollen keine Hilfssheriffs sein. Aber wir haben bei unseren Überlegungen besonders von der Polizei positive Rückmeldungen und Unterstützung bekommen. Wenn ein Gleichaltriger zu einem anderen sagt, „Was Du da machst, ist nicht in Ordnung“, hat das einen größeren Effekt, als wenn ein erwachsener Aufpasser kommt.

Aber was soll ein 13-Jähriger gegen einen vier oder fünf Jahre älteren Schläger ausrichten?

Leißner: Uns ist ganz wichtig, dass die Coolrider kein Risiko eingehen und sich nicht selbst in Gefahr bringen. Bei Gewalttaten oder wenn beispielsweise jemand mit einem Messer eine Sitzbank aufschlitzt, sollen die Jugendlichen nicht einschreiten. Wichtig ist es dann, beispielsweise in der U-Bahn, über die Sprechanlage mit dem Fahrer Kontakt aufzunehmen, über das Handy die Polizei zu verständigen und als Zeuge zur Verfügung zu stehen. Das wird in Rollenspielen auch immer wieder geübt.

Der Coolrider in Stadt oder Land, macht das einen Unterschied?

Leißner: Auf dem Land fällt das Thema U-Bahn natürlich weg. Dort sind Busse im Einsatz, die die Kinder und Jugendlichen zu den Schulen bringen. Rangeleien beim Einsteigen oder Raufereien im Fahrzeug sind wichtige Punkte. Und, ich kann mich an eines erinnern: Wir hatten einmal ein Rollenspiel, dabei hat ein Täter eine Schere verwendet, um Sitzpolster zu beschädigen. Die Jugendlichen haben die Schere allerdings nicht als gefährliches Instrument, als mögliche Waffe, wahrgenommen, darauf mussten wir sie erst hinweisen.

Wie sieht aus Ihrer Sicht der ideale Coolrider aus?

 Leißner: Es ist jemand, der Verantwortung übernimmt und den Mut hat, aus der Gruppe herauszutreten, Dinge anzusprechen und sich dabei nicht provozieren lässt. Und er erkennt, wenn seine Bemühungen keinen Erfolg haben und es angeraten ist, dass er sich zurückzieht.

Wie sind die Coolrider nun in den Landkreis Fürth gekommen?

 Leißner: In der Stadt Fürth sind wir an der Hans-Böckler-, der Ullstein-, der Soldner- und der Dr. Gustav-Schickedanz-Schule schon jahrelang aktiv. Die infra unterstützt uns hier vorbildlich und finanziert das Projekt komplett. Was den Landkreis Fürth angeht, kam der Kontakt über den Präventionsverein 1-2-3 zustande. Inzwischen haben wir in Zirndorf in der Realschule und in der Mittelschule jeweils elf Coolrider ausgebildet. Im Gymnasium Stein stellen wir das Projekt noch vor.

Und wie finanzieren Sie das Projekt im Fürther Land?

Leißner: Zu jeweils 50 Prozent teilen sich das die VGN und unser Sponsor, die Versicherungskammer-Stiftung. Der VGN bleibt dabei, aber für den Rest brauchen wir langfristig einen Partner. Wir hoffen da natürlich auf den Landkreis Fürth. Im Nürnberger Land beispielsweise gibt es das Projekt an zehn Schulen. Dort wie auch in anderen Gebietskörperschaften wird das Unternehmen von den Landkreisen auch finanziell unterstützt. 

Interview: Harald Ehm

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