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Das Spiel mit den Klangfarben

Die Sopranistin Edita Gruberova beeindruckt im Stadttheater gefühlvoll - 07.11.2013 13:00 Uhr

Vom Fürther Publikum mit Beifallsstürmen im Stehen eingedeckt: die „Königin der Koloraturen“. © NürnbergMusik


„Nur Schönheit ist geblieben“, heißt es in einem Weinheber-Gedicht, das Richard Strauss 1942 vertonte. Über dem Stil der Primadonna des Belcanto könnte das jetzt auch stehen, denn treu ist sie ihrem Vorsatz geblieben, nur das zu singen, was zu ihrer Stimme passt. In Fürth waren das im wesentlichen die Lieder von Franz Schubert und Richard Strauss.

Wer über die Jahrzehnte die Triumphe der Gruberova zum Beispiel an der Bayerischen Staatsoper mitverfolgt hat, von ihrer Zerbinetta bis zur Lukretia Borgia, der hörte zuletzt diese sehr individuelle Zunahme des Artifiziellen, des puren Schöngesangs, dem es mehr auf die Noten und Gefühlswerte als auf die Worte ankommt. Die bilden eher die Folie für einen so faszinierend leisen Beginn wie bei Schuberts „An die Musik“, für ihr ergreifendes Legato. Dafür waren die intimen akustischen Verhältnisse (weniger die Hustenanfälle des Publikums) in Fürth ideal.

Von Anfang an war das ein Erlebnis, wie die Gruberova jeden Ton formt, einfärbt, manches geradezu zelebriert. Da hört man das Leuchten und Strahlen der Sterne (D 684), ihre Inszenierung einer „Heiligen Nacht“, die dann wie an einem vokalen Silberfaden hängt. Da staunt man über eine perfekt für ihre Interpretationsabsichten eingesetzte Technik, muss man nicht jedes Wort verstehen, wenn es auf die geheimnisvolle Reise ins Reich der Töne geht, das sie mit vielen Pianofacetten gestaltet.

Kunstwerk Ton


Und in ihrem Gesicht spielt sich die gleiche Mimik ab, die heute auf der Opernbühne ihre Lukretia oder Elisabetta („Roberto Devereux“) weiterhin interessant macht. Kein Ton bleibt platte Selbstverständlichkeit, sondern spricht von einem Höchstmaß gestalterischer Bewusstheit, die dann solche Artikulationskunstwerke wie das selten gesungene „Lied der Delfine“ von Schubert hervorbringt. Alexander Schmalcz ist ihr dabei ein ergebener, punktgenauer Begleiter am Bösendorfer.

Die Lieder von Richard Strauss, zumal eine Auswahl auf Texte von einigem lyrischen Anspruch, hielten die kunstvolle Attitüde von Edita Gruberovas Liedgesang auf diesem Niveau: kapriziös, dann wieder mit gefühlvollem Überschwang - und immer wieder dieses wie aus dem Nichts hervorgeholte Piano („Die Nacht“). Geradezu majestätische Auftritte wechseln mit hübschen narrativen Situationen („Einkehr“), schöner als in dem Zugaben-„Ständchen“ konnten die nicht ausgemalt sein. Auch nicht bei den drei Liedern von Sergej Rachmaninov im Mittelteil des Konzerts: an Tschaikowsky geschulte poetische Melodik.

Hörbar gut gelingt der Slowakin Gruberova der slawische Zungenschlag, gelingen die langen Legatobögen, gefühlsgeladene Crescendi, das Spektrum vom Parlando bis zur hymnischen Emphase. So war es nicht leicht, aus diesem Kosmos von Gruberova-Tönen wieder in die prosaische Realität zurückzufinden. Auch wenn die Fürther keine „Viva Gruberova“-Banner vom Rang herunterhängen, Bravi gab’s genug, um die Grande Dame des Belcanto zu drei Zugaben zu bewegen – nein, es wurden dann doch vier, denn ihren „Evergreen“, Carl Millöckers Klagelied einer Primadonna und deren Koloraturenfeuerwerk, den wollte sie doch noch zum besten geben: Spitzentöne, dass die Kronleuchter klirren.
  

UWE MITSCHING

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