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Samstag, 16.02.2019

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Den Wissensdurst gelöscht

Nicht nur alte Wirtshäuser standen im Mittelpunkt des «Tages des Offenen Denkmals» - 14.09.2009

Im Fürther Löhe-Haus berichtete Architektin Vera Lutz (re.) nicht nur über die Sanierungsfortschritte des Gebäudes, sondern verschaffte den Besuchern Einblick in Löhes Geburtszimmer. Im Schloss Burgfarrnbach konnte man Graf Ludwig, seiner Gemahlin und ihrer Zofe begegnen - allesamt dargestellt von Schauspielern. © Erich Malter


Tief in das Thema «Orte des Genusses» tauchte Fürths Stadtheimatpfleger Alexander Mayer ein. Er lotste die Teilnehmer seiner stündlichen Führungen durch das Kneipenviertel rund um die Gustavstraße. Der Startpunkt war mit Bedacht gewählt: Fürths erste Gaststätte, das Rote Ross am Waagplatz, das erstmals 1476 erwähnt wurde, aber sehr wahrscheinlich schon sehr viel länger existierte.

Von dort ging die Tour durch die Gustavstraße, um vor dem seit Jahren leer stehenden Goldenen Schwan am Grünen Markt zu enden. «Unser Sorgenkind», wie Mayer über das Gebäude sagt.

Ein paar Schritte weiter in der Königstraße drängten sich gegen 12.30 Uhr die Menschen, um einen Blick in das Geburtshaus von Wilhelm Löhe, dem Begründer des Diakonischen Werks, zu werfen. Das Gebäude aus dem 18. Jahrhundert wird gerade aufwändig saniert, und so mussten die Besucher aufpassen, dass sie nicht über Leitungen oder Bretter auf dem Boden stolperten. Dafür erfuhr man nicht nur, dass die Arbeiten Mitte November abgeschlossen sein sollen, sondern auch, dass das Geburtszimmer Löhes als Mini-Museum für die Öffentlichkeit zugänglich sein wird. Kurios: Als Deckenträger ist in dem Raum eine Eisenbahnschiene eingezogen, die noch von der Ludwigseisenbahn stammen soll.

Aus Fürths ältester Kirche, St. Michael in der Altstadt, drangen derweil die Klänge von Orgel- und Querflötenspiel. Hier informierte Michaela von Wittke die Besucher über Geschichte und Gegenwart des Gotteshauses - untermalt mit Musik.

Im Burgfarrnbacher Schloss traten in vollem Ornat Graf Ludwig, seine Frau und die Kammerzofe in Erscheiung - ein Appetithappen auf die inszenierten Theaterführungen, die im Oktober beginnen. Damit das Thema des Denkmaltages nicht zu kurz kam, hielt eine Ausstellung in drei Räumen Wissenswertes über die gräfliche Brauerei bereit, die einst auf dem Schlossgelände stand. Zu sehen gab es alte Bilder, Biergedichte und Bierflaschen von anno dazumal.

In Stein konnten die Menschen einen Blick in einen ehemaligen Ort des Genusses werfen: die restaurierte und 1994 mit neuem Zweck wieder eröffnete Stadtbücherei. Die erste Erwähnung des früheren Wirtshauses findet sich in einem Verzeichnis von Schankstätten im Nürnberger Raum von 1441. Wie die Stadt selbst hat auch das Gasthaus eine wechselhafte Geschichte hinter sich. Wiederholt wurde es im Zuge von Streitigkeiten zwischen den Ansbacher Markgrafen und

der freien Reichsstadt Nürnberg sowie außerdem im Dreißigjährigen Krieg eingeäschert, jedoch immer wieder wieder aufgebaut. Seit 1522 steht das Gebäude an der heutigen Stelle und wurde bis in die 50er Jahre als Gasthaus betrieben. Die Stadt Stein verhinderte den Abriss, nach der Renovierung zog die Bücherei ein.

Den Hugenotten verdankt das «Alte Spital» seine Existenz. Neben dem Kirchengebäude errichteten diese ein Spital für bedürftige alte Leute ihrer Gemeinde. Auch dies wurde von der Stadt aufgekauft, saniert und als Gasthaus wieder eröffnet.

Auf eine ähnlich bewegte Vergangenheit kann das «Rote Ross» in Großhabersdorf zurückblicken. Erst 1697 wurde das im Dreißigjährigen Krieg zerstörte Fachwerkhaus wieder aufgebaut. Über 200 Besucher besichtigten das mittels eines Stahlkorsetts stabiliserte Haus, das dank der Anstrengungen der Familie Lang nach einer Bauzeit von mehr als fünf Monaten wieder in neuem Glanz erstrahlt. 

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