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Denkanstöße zum Lutherjahr

Reformkiosk und Kirche regen zur spirituellen Auseinandersetzung an - 10.03.2017 06:00 Uhr

Ein mit Tüchern behängtes, zweistöckiges Podest lädt in der Auferstehungskirche zu neuen Raumerfahrungen ein. © Foto: Kunz


Die Kunst macht das, was Luther tat: Auch mal im Weg stehen, sich Freiraum, neuen Denkraum schaffen. Der Reformkiosk soll zusammen mit der Kirche einer der zwei Pole einer künstlerischen und spirituellen Auseinandersetzung mit der Reformation sein und auch die Laufkundschaft ins Haus holen.

Schließlich war Luthers Thesenanschlag vor 500 Jahren neben vielem anderen eben auch eine Intervention im öffentlichen Raum, eine Soziale Plastik avant la lettre des revolutionären Theologen, der dem Volk aufs Maul schaute.

Ohne Pathos

Petra Annemarie Schleifenheimer und Roland Glaser fassen Luthers mehr legendäres als historisch verbrieftes "Hier stehe ich!" ganz ohne das Pathos des kompromisslosen Weltveränderers an. Sie haben in diesem ersten partizipativen Projekt Freunde zwischen Wien und Portugal gebeten, einen Ort mit Luther-Bezug in ihrer Umgebung zu finden und zu fotografieren. Durch diese Ansammlung bunt gemischter und per Koordinaten verorteter Fotografien von Martin-Luther-Straßen, Plätzen, Kirchen und Denkmälern schlängelt sich der Besucher jetzt im blauen Container.

Das Projekt hat der Arbeitskreis Kunst und Kirche unter der Leitung von Sirka Schwartz-Uppendieck angeregt. Die Planung und Ausführung lag beim Kunstteam, den Künstlern Johanna Klose, Roland Glaser und Petra Annemarie Schleifheimer sowie Christian Fritsche von der Galerie in der Promenade.

Gegenüber, am offenen Kirchentor, lädt Pfarrerin Irene Stooß-Heinzel in die Kirche, zum eigentlich überraschenderen Eingriff in den Raum: ein begeh- und bekletterbares, zweistöckiges Podest, Typ Baugerüst, im Zentrum des Kirchenschiffs, innen wie eine Art Allerheiligstes mit weißen Tüchern verhängt und überraschend beweglich für den, der den Aufstieg wagt.

Dem Besucher bietet sich auf lutherisch "schwankenden Füßen" ein frischer Blick in den Kirchenraum, der natürlich auch theologisch und symbolisch aufgeladen sein soll: Vom sakralen Raum gehen – wie vier Strahlen – die mit Begegnung, Sinnsuche, Wandel und Freiraum benannten Achsen mit dem Podest im Zentrum aus der Kirche hinaus. Mit diesen Begriffen will sich das Projekt auseinandersetzen und das Konzept "Reformation" durchdeklinieren und hinterfragen. Ist Reformation ein kirchen- und weltgeschichtliches Ereignis oder ein Prozess? Ist es Anbetung der Asche oder ein Feuer, das noch brennt?

Das Podest und der Reformkiosk werden das Kirchenjahr bis zum Reformationstag mit einem dichten Spielplan an Veranstaltungen und Ausstellungen begleiten. Als nächstes steht in der Kirche am kommenden Sonntag, 12. März, um 16 Uhr die Vernissage der Ausstellung "La vase préféré" der Limoger Künstlerin Isabelle Braud auf dem Programm. Dazu gibt es Chansons von Margueritte Monnot mit Sirka Schwartz-Uppendieck am Klavier und Michael Herschel am Gesang.

Außerdem gibt es am 25. März von 10 bis 15 Uhr im Gemeindehaus der Auferstehungskirche einen Altarbau-Workshop mit der Künstlerin Johanna Klose. Zur Verfügung stehen alte Möbel, die mit mitgebrachten Gegenständen, Texten, Fotografien, Fundstücken zu Altären gestaltet werden können.

Diese finden dann zwischen Ostern und Pfingsten ihren Platz in der Kirche und stehen auch anderen Besuchern zur Verfügung. Anmeldung   bis 22. März beim Evangelischen Bildungswerk unter Tel. (0911) 74 57 43 oder per Mail an info@ebw-fue

Weitere Informationen im Internet unter www.kunst-projekt-auferstehung.de 

PETER KUNZ

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