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Der Erste Weltkrieg und Veitsbronn

Heimat- und Geschichtsverein blickt auf das dramatische Ereignis vor 100 Jahren - 15.03.2014 09:00 Uhr

Nippes, der den Krieg in bunten Farben zeigte: Alfred Strunz und Brigitte Stelkens präsentieren erste Exponate der geplanten Ausstellung. © Ehm


Im Gegensatz zu Frankreich oder Großbritannien scheint dem Ereignis des Kriegsausbruchs 1914 hierzulande nicht viel Bedeutung beigemessen zu werden. Können Sie sich erklären, weshalb?

Alfred Strunz: Auf Vereinsebene passiert schon etwas, ich sehe das an den Einladungen, die wir bekommen, beispielsweise vom Heimatverein Neuendettelsau. Aber man hat ja einen gewissen zeitlichen Vorlauf, vielleicht initiieren die Regierungsstellen noch etwas. Wir wollen mit unserer Ausstellung ja nicht unbedingt die große Weltpolitik erklären, sondern zeigen, welche Spuren der Erste Weltkrieg in Veitsbronn hinterlassen hat und wie die Auswirkungen auf die Bevölkerung waren.

Abgesehen von den 100 Jahren, gab es noch einen anderen Anlass, das Thema anzugehen?

Brigitte Stelkens: Als Leiterin der Volkshochschule bin ich bei einem VHS-Treffen auf mittelfränkischer Ebene auf eine Frau aus Marktbergel aufmerksam geworden. Sie liest aus Feldpostbriefen, die literarisch durchaus wertvoll sind, und spielt dazu auf einer österreichischen Drehorgel Lieder aus der damaligen Zeit, beispielsweise „Ich hatt’ einen Kameraden“. Wir haben sie für den 12. September in die Zenngrundhalle eingeladen. Wir hoffen auf guten Besuch, denn das kostet uns einiges. Aber das wollen wir uns leisten. Außerdem soll es einen Filmabend mit der VHS geben mit Streifen wie „Die Abenteuer des braven Soldaten Schwejk“ oder „Im Westen nichts Neues“. Da steht aber noch kein Termin fest.

Hat der Heimatverein schon interessante Stücke im eigenen Fundus?

Strunz: Nach einem Aufruf in den Fürther Nachrichten haben wir gleich die ersten Sachen bekommen. Zwei Schalen und eine Tasse mit Militärmotiven. Da scheint es im Krieg eine regelrechte Souvenir- und Propagandaindustrie gegeben zu haben, deren Produkte die Soldaten auch kaufen mussten. Diesen Schluss lassen Feldpostbriefe aus Veitsbronn zu. Da schreibt ein Soldat, die Eltern mögen ihm künftig 35 Mark nach Frankreich schicken, weil er unter anderem sein „Reservebild“ bezahlen müsse.

Die Feldpostbriefe sind sicher eine ergiebige Quelle.

Stelkens: Wir haben eine ganze Reihe Feldpostkarten und Briefe, erst kürzlich wurde ein Album mit über 350 Karten abgegeben. Die Korrespondenz dreier Veitsbronner Brüder in alter Sütterlinschrift habe ich daheim entziffert.

Was schrieben die Soldaten von der Front?

Stelkens: Es ging um alltägliche Sachen – und ums Überleben: Ob die Frau daheim Handschuhe stricken oder ein Paket mit Lebensmitteln schicken könne. Die guten Äpfel werden erwähnt, aber seltsamerweise kaum Gefühle. Die Frauen schreiben auch nicht, dass sie ihre Männer vermissen, oder was die Kinder machen. Das hat mich schon berührt.

Was ist aus den drei Veitsbronner Brüdern geworden?

Stelkens: Einer ist in Frankreich gefallen, einer kam aus dem Krieg zurück und wurde in Veitsbronn erst Gastwirt und später Bürgermeister. Über den dritten wissen wir nichts.

Die Begeisterung, in den Krieg zu ziehen, war anfangs groß. Wissen Sie eigentlich, wie viele Veitsbronner sich freiwillig gemeldet haben beziehungsweise eingezogen wurden?

Strunz: Dazu gibt es weder Daten im Gemeindearchiv noch in der Ortschronik. Dank der Gedenktafeln an der Veitskirche wissen wir aber, das 36 Veitsbronner, Siegelsdorfer und Retzelfembacher gefallen sind und acht vermisst wurden. Aber was die Sache mit der Begeisterung angeht: Das war nur am Anfang so. Im Kriegsverlauf, das zeigen die Feldpostbriefe, wird der Ton verzweifelter und die Hoffnung auf Frieden immer größer.

Was würden Sie sich noch wünschen für die Ausstellung?

Strunz: Reservistenkrüge, Uniformteile, eine Pickelhaube, das wären schöne Sachen. Auf Bauernhöfen hat man doch etwas mehr Platz und kann das eine oder andere aufheben. Der Heimatverein Roßtal hat uns eine Inventarliste mit Objekten geschickt: Da könnten wir auch verschiedene Dinge wie Orden, einen französischen Helm oder eine Kriegschronik bekommen. Ich habe außerdem noch diverse Veitsbronner auf meiner Liste, die sich gemeldet haben und die ich abklappern muss. Das kostet Zeit, denn da ist natürlich immer die Familiengeschichte dabei. Aber die nehme ich mir gerne.

Wer für die Ausstellung Exponate zur Verfügung stellen möchte, kann sich an Alfred Strunz, Tel. (0911) 97794488, oder Brigitte Stelkens, Tel. (0911) 7540445, wenden.
  

Interview: Harald Ehm

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