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Der Graf trinkt Filzstift–Tinte

Ein ganz besonderer Qualitätstest gestern Abend bei Faber-Castell - 04.05.2012 11:00 Uhr

Zum Wohle: Anton Wolfgang Graf von Faber-Castell (li.), Pressesprecherin Sandra Suppa und Entwicklungsingenieur Gerhard Lugert verkosten Farbstoff, um dessen Ungefährlichkeit aufzuzeigen. © Thomas Scherer


Haltung ist eben alles. Völlig gelassen griff der Graf zu dem kleinen Laborbecher aus Glas, in den exakt 25 Milliliter einer Flüssigkeit in kräftigem Orange gefüllt worden waren. Kein herkömmlicher Drink wartete hier aufs Anstoßen, sondern Originaltinte. Gerhard Lugert, Chef der Forschungs- und Entwicklungsabteilung, entschied sich für die gleiche Mixtur, allerdings bevorzugte er ein kräftiges Rot.

Zuvor hatte der Chemiker Wolfgang Schwarz im hauseigenen Faber-Castell-Entwicklungslabor die ungewöhnlichen Getränke angerührt. Das Rezept? Wasser und Lebensmittelfarben, die zum Beispiel unter dem nüchternen Namen „FD & C yellow“ firmieren.

In den Faber-Castell-Filzstiften für Kinder sorgt diese Mischung, die keine gesundheitsgefährdenden Stoffe enthält, für den sicheren Malspaß. „Die Produktsicherheit hat für uns oberste Priorität“, erklärte Laborchef Lugert.

Bei Faber-Castell in Stein sind Qualitätstests Standard. So wird auf einer speziellen Abschreibmaschine zum Beispiel die Ausdauer von Stiften geprüft. Während die Prüflinge, die in einer ganz bestimmten Anordnung in Haltegriffe geklemmt werden, schreiben und schreiben und schreiben, macht Lugert klar: „Fasermaler müssen rund 500 Meter durchhalten, Kugelschreiber mindestens fünf Kilometer.“

Der Firmenchef pflegt aber auch ein gewisses Faible für ungewöhnliche Qualitätskontrolle. Zum hundertsten Jubiläum des dunkelgrünen Bleistiftklassikers „Castell“ warf er 144 davon den 25 Meter hohen Schlossturm hinunter – die Stifte landeten unversehrt auf dem Boden.

Den Genuss der Filzstifttinte empfehlen die Fachleute von Faber-Castell übrigens Kindern nicht zur Nachahmung. Zur harmlosen Lebensmittelfarbe gesellt sich nämlich eine geringe Menge Alkohol. Der Geschmack, verriet Gerhard Lugert, sei auch nicht wirklich toll: „Ein bisschen bitter.“ Die Tinte bleibt also bei ihren Leisten und überlässt den Auftritt im Glas anderen. 

Sabine Rempe

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