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Der Traum vom Leuchtturmprojekt in der City

Neues Einkaufszentrum für Fürth: Einschätzungen und Erwartungen - 31.10.2010 16:00 Uhr

Ein Blick aufs Wölfel-Areal Richtung Rudolf-Breitscheid-Straße und Park-Hotel (Mitte hinten). Hier will die Stadt ein neues Einkaufszentrum schaffen. © Hans-Joachim Winckler


Nein, Grund zu übertriebener Skepsis sieht Christofer Hornstein im Moment nicht — zumindest noch nicht. „Ich habe den Eindruck, dass unsere Grundforderungen von der Stadt berücksichtigt werden“, sagt der in Ritzmannshof lebende Architekt. Die „große Hoffnung“ hege er, „dass die Verantwortlichen aus der Vergangenheit gelernt haben“.

Hornstein ist nach wie vor Sprecher der Bürgerinitiative, die sich Ende 2008 gegen das vom portugiesischen Investor Sonae Sierra konzipierte und schließlich gescheiterte Shopping-Center „Neue Mitte“ mit 25000 Quadratmetern Verkaufsfläche links und rechts der Breitscheidstraße formiert hat. Zu groß war das damals von der Stadtspitze befürwortete Projekt den Kritikern, zu viel denkmalgeschützte Bausubstanz hätte nach ihrem Geschmack geopfert werden müssen. Und schließlich — ganz entscheidend — wehrte man sich mit Leidenschaft dagegen, einen Teil der Rudolf-Breitscheid-Straße preiszugeben und ins Center zu integrieren.

Tatsächlich soll all dies — vertraut man auf die bisherigen Aussagen von Oberbürgermeister Thomas Jung und Wirtschaftsreferent Horst Müller — kein Thema mehr sein, wenn die Stadt nun selbst in die Offensive geht. Wie berichtet, wird sie demnächst nach dem ehemaligen Modehaus Fiedler und dem gegenüber liegenden Wölfel-Areal auch das benachbarte und bereits seit einigen Wochen geschlossene Park-Hotel besitzen.

Auf einer ähnlichen Grundfläche, wie sie ehedem Sonae Sierra beplante, kann dann doch das von allen herbeigesehnte Einkaufszentrum entstehen. Mit dem entscheidenden Unterschied, dass die Stadt dem noch auszuwählenden Investor dann ihre Bedingungen diktieren dürfte.

„Kein Betonklotz“

Doch Illusionen muss man sich nicht machen, Diskussionsstoff gibt es weiterhin genug: Ersetzt man das Park-Hotel durch einen Neubau oder versucht man, die historische Substanz zu erhalten? Schreibt man einen Architekten-Wettbewerb aus? Welches gestalterische Konzept soll die Einkaufslandschaft haben?

Ein „fürthspezifisches Leuchtturmprojekt“, das die Stadtproportionen wahrt, wünscht sich Hornstein; kein „hypermoderner Betonklotz“ darf es in den Augen des CSU-Fraktionschefs im Stadtrat, Joachim Schmidt, sein; vor allem „möglichst rasch“ muss es gehen, meint sein SPD-Pendant Sepp Körbl — „nachdem die anderen Projekte so fürchterlich zerstoben sind“, wie Körbl mit Blick auf Neue Mitte und City-Center hinzufügt.

Grünen-Sprecherin Brigitte Dittrich schließlich lehnt eine Tiefgarage fürs Center entschieden ab, erhofft sich dafür aber ein vom OB jedoch bereits abgelehntes Kino — und „Öko-Kleidung“.

Was alle eint: Sie plädieren für einen „offenen Dialog“ (Körbl), für einen „breiten Konsens“ (Schmidt), für Standards, die man „zusammen definiert“ (Dittrich): Bürgerinitiative, Umweltverbände, Wirtschaftsreferat und Stadtratsvertreter müssten sich zu diesem Zweck zusammensetzen, meint die Grünen-Politikerin. Weiterer gemeinsamer Nenner: Für wünschenswert halten die Stadtratsvertreter einen Interessenten, der den Komplex nicht nur baut, sondern ihn auch betreibt. Von Beginn an nämlich habe der „ein ganz anderes Interesse“ am Vorhaben, wie Joachim Schmidt glaubt.

Beim Thema Architektenwettbewerb fallen die Meinungen dagegen differenzierter aus. Während Körbl sich das Geld dafür lieber sparen würde, hält ihn Hornstein grundsätzlich für erstrebenswert — allerdings nur mit einer kompetenten Jury, die sich auch in Denkmalfragen auskennt. „Fast lieber wäre mir aber ein Investor mit einem sensiblen Architekten“, räumt Hornstein nach etwas Nachdenken ein. 

WOLFGANG HÄNDEL

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