Montag, 20.11. - 08:30 Uhr

|

zum Thema

Die Entdeckung der Vielfalt

45 Ausstellungen in einer: Fest zum „Zehnjährigen“ der Galerie in der Promenade - 13.07.2015 11:30 Uhr

Kuchen, Kerzen, Schaumwein: Andreas Klöpsch (re.) beglückwünscht Gastgeber Christian Fritsche. Der in Fürth lebende Künstler stellte im Vorjahr in Fritsches Galerie en promenade in Metz aus. © Foto: Martin Bartmann


Die geschmackvolle Jugendstil-Wohnung in der Hornschuchpromenade ist rappelvoll. Mit Menschen und mit Kunst. 45 Kreative haben im vergangenen Jahrzehnt bei Fritsche ausgestellt — und ausnahmslos alle sind beim Jubiläum vertreten.

Natürlich führt das zu einer dichten Hängung, aber auch zu endlos vielen spannenden Bezügen. Und international geht es auch zu, denn Fritsche betreibt ein Parallel-Etablissement im französischen Metz, die „Galerie en promenade“. Was liegt da näher, als deutsche mit französischen Künstlern zu kombinieren?

Wer aber auf den reichhaltigen Zettel schaut, entdeckt dort auch Afrikaner, Araber, Engländer. Da sind die überbordenden Arbeiten von Twins Seven Seven aus Nigeria, die seine Menschen, die Yoruba, symbolisieren, oder die gegenständliche Malerei von Cheri Samba aus Zaire, die sich durch bildnerische Klarheit und Unverfrorenheit auszeichnet und mit eingearbeiteten Texten aufklärt.

Einen Raum weiter finden sich Fürther Künstler wie Axel Voss mit seinen sorgfältigen Siebdrucken, die seine zeichnerische Prägung durch den Comic verraten und gerne typische Stadt-Szenerien zeigen, oder Hjalmar Leander Weiss, der auf einem furiosen Blattgold-Bild den Abriss des Fürther Park-Hotels dargestellt hat. Dazwischen die kostbaren Objekte von Stefan Atzl, die Menschen in Bewegung, aber auch schwer belastet, darstellen und Mirels ausgestopfte ironische Tiere in schrägen Szenen.

Christoph Haupt hat in alter aufwändiger Maltechnik Bilder zum Thema China anfertigt, die aber immer auch Bezug auf das moderne Reich der Mitte nehmen, Illustratorin Sabine Bazan steuert erotisch gefärbte Tango-Zeichnungen bei.

„Wenn ich mich so umsehe, lässt sich als Resümee festhalten, dass es keinen roten Faden gibt, der mich über die Jahre begleitet hätte“, meint Fritsche. „Ich will mich nicht auf eine bestimmte Kunstrichtung festlegen, sondern setze auf Vielfalt. Was mich bewegt, ist, dass ich gerne Entdeckungen mit anderen teile und präsentieren möchte, was mich selbst berührt“. In der Auswahl richtet er sich darum danach, wie der Künstler sich durch seine Arbeit äußert, das Konzept muss ihn reizen, dann stellt er seine Galerie zur Verfügung.

Fruchtbares Zusammenspiel

Im Fokus steht das Zusammenspiel Mensch und Kunst, daher will Fritsche auch niemanden herausheben. Und genau deshalb bringt er so gerne Künstler zusammen, die ähnliche Ansätze vertreten und miteinander harmonieren. So hat er nicht nur hochkarätige Ausstellungen zustande gebracht, sondern auch Freundschaften gestiftet.

Während er Gäste durch die Ausstellung führt, kommen immer neue dazu. Das Begleitprogramm umfasst französische Chansons mit Anna Breitenbach, Lesungen aus dem „Cyrano de Bergerac“, klassischen iranischen Gesang, Cello-Kompositionen von Tobias Stutz, der auch Architektur-Bilder zeigt, und vieles mehr. Akbar Akbarpour, der feinteilige Portraits ausstellt, spielt auf der Tar, einer gezupften Langhalslaute aus dem Iran. Christoph Haupt präsentiert gar eine chinesische Fünf-Minuten-Oper, die seine Bilder zu erklären scheint.

Große Offenheit

Ein Gast staunt über ein seelenvolles Gesicht, das Ingrid Christie gemalt hat und fragt sich, ob es den Betrachter bedrücken könnte; eine Dame schwärmt, dass sie keine Ausstellung in der „Promenade“ verpasst, weil die Qualität so außergewöhnlich sei. Oberbürgermeister Thomas Jung schaut ebenso vorbei wie viele Künstler und Galeristen-Kollegen. Tatsächlich betonen alle, mit denen man spricht, sich hier wohl zu fühlen. Die Künstler schwärmen von der Offenheit des Galeristen, seinem großen Kenntnisreichtum und besonders von seiner Einfühlsamkeit. Ein Hauch von Bohème weht durch die Räume.

Am Ende ist Gastgeber Christian Fritsche müde, aber glücklich. „Es war ein rauschendes, gut besuchtes Fest, das viel Freude gemacht hat. Ich habe viele neue Gesichter, aber auch alte Bekannte getroffen. Toll war, dass alle Künstler spontan bei unserem Jubiläum mitgemacht haben und die meisten auch persönlich dabei waren.“

Die Schau wurde verlängert und ist bis auf Weiteres zu sehen in der Hornschuchpromenade 17. Nach Vereinbarung unter Tel. 70 66 60.  

CLAUDIA SCHULLER

Seite drucken

Seite versenden



Um selbst einen Kommentar abgeben oder empfehlen zu können, müssen Sie sich einloggen oder sich zuvor registrieren

Ihr Kommentar

Name:

Ihr Kommentar:

Bitte beachten Sie unsere Netiquette.

weitere Meldungen aus dem Ressort: Fürth