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Die Fürther Fahrpreise steigen drastisch

Stadtweite Kurzstrecken-Zone für Busse und U-Bahn soll abgeschafft werden — Ab 2012 gelten neue Tarife - 28.11.2010 10:00 Uhr

Wer künftig innerhalb von Fürth mit den Bussen der infra fährt, wird deutlich mehr zahlen müssen: Ab 2012 sollen die Preise in zwei Schritten bis zur Tarifstufe 2 angehoben werden. © Hans-Joachim Winckler


Eine Mehrheit des Stadtrats hat, wenn auch schweren Herzens, grünes Licht für die Tarifänderung gegeben. Weil im Verkehrsverbund Großraum Nürnberg (VGN) das Prinzip der Einstimmigkeit gilt, müssen zwar noch die Partner zustimmen, doch das gilt als Formsache. In einem Zwischenschritt soll zunächst 2012 ein Stadttarif F eingeführt werden; 2015 gilt dann die reguläre VGN-Tarifstufe 2 auch für Fürth — ergänzt um einen Kurzstreckentarif, der dann, wie etwa in Nürnberg, für Fahrten über nur zwei Tarifpunkte gelten könnte.

Basierend auf den derzeitigen Tarifen – also noch keine der regelmäßigen VGN-Anhebungen eingerechnet – bedeutet das: Der Preis für ein Erwachsenen-Einzelticket im Stadtgebiet steigt Anfang 2012 von derzeit 1,60 auf 1,90 Euro, 2015 dann auf 2,10 Euro; für eine Erwachsenen-Streifenkarte sind statt 6,80 zuerst 8 Euro (2012), dann 9,40 Euro (2015) zu berappen; ein Jahresabo verteuert sich gar schrittweise von 26 auf 33,80 und schließlich 44,20 Euro monatlich.

Das sind Steigerungsraten, die manchem Kommunalpolitiker die Luft rauben und die Zornesröte ins Gesicht treiben. „Damit machen wir den öffentlichen Nahverkehr kaputt, die Leute werden sich Alternativen suchen“, prophezeit beispielsweise Grünen-Stadtrat Harald Riedel. Er habe „Bauchgrimmen“, bekannte auch SPD-Rat Markus Bienk.

Von Schwarzmalerei wollte Hans Partheimüller freilich nichts wissen. Betriebswirtschaftlich sei der spezielle Fürther Tarif – Anfang der 90er Jahre eingeführt, um dem Exodus per U-Bahn entgegenzuwirken – nicht mehr haltbar, so der infra-Chef. Man befinde sich derzeit deutschlandweit gesehen „am unteren Ende der Preisskala“ und wolle „wenigstens auf Durchschnittsniveau kommen“.

Hoher Standard

Anders könne man sich den hohen Standard des ÖPNV in Fürth nicht mehr leisten, der „eine der modernsten Busflotten“ umfasse und dazu noch die U-Bahn. Gerade letztere sorgt dafür, dass die infra im öffentlichen Nahverkehr ein jährliches Defizit von 12,4 Millionen Euro einfährt – Tendenz steigend.

Durch die Tarifanpassung erhofft sich die städtische Tochter Mehreinnahmen von jährlich 2,5 Millionen Euro ab 2015; zudem entfällt eine halbe Million Ausgleichszahlungen im Jahr, die für die Fürther Insellösung aus der infra-Kasse an die VGN-Partner fließen. Kritikern, die solche Gewinnprognosen anzweifeln, bietet der Fürther CSU-Fraktionschef Joachim Schmidt Paroli: „In anderen Städten, die erheblich mehr verlangen, fahren die Leute doch auch.“

Wie Klaus Dieregsweiler, bei der infra für die Verkehrssparte zuständig, im Gespräch mit den FN unterstrich, ist auch für ihn die „Rückkehr ins normale Tarifschema“ ohne Alternative — wolle man nicht die Linien ausdünnen. Dieregsweiler aber schwebt stattdessen sogar ein „verbessertes Angebot“ vor. So ist derzeit von einer Verlängerung der Linie 178 bis zum Sportpark und von einem NightLiner nach Erlangen die Rede.

Fast unter ging im Stadtrat angesichts der kontroversen Debatte Partheimüllers Ankündigung eines Sozialtickets. Selbst Eingeweihte waren überrascht, hatte man doch bisher alle Forderungen nach einem derartigen Sondertarif abgewiesen. Nun sei eine „kostenneutrale“ Lösung für das gesamte VGN-Gebiet in Sicht, so Partheimüller. Wie das funktionieren kann, blieb allerdings vorerst offen.
  

Wolfgang Händel

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