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Die Stadt lockt ihren Baukunstbeirat

Im Dialogverfahren für den Einkaufsschwerpunkt sollen nun die Kritiker eingebunden werden - 06.12.2011 09:00 Uhr

Wie sieht es in einigen Jahren dort aus, wo heute noch die leerstehenden Komplexe von Fiedler und Park-Hotel stehen? Darüber sollen nun Fachleute aus dem Baukunstbeirat zusammen mit dem Architekten des Investors beraten. © Hans-Joachim Winckler


Zur Erinnerung: Das Gremium, in dem acht Architekten und zwei bildende Künstler der Stadt Fürth beratend zur Seite stehen, hatte vehement davor gewarnt, vom ursprünglich vorgesehenen Wettbewerb Abstand zu nehmen. Doch der allzu späte Einspruch, nur einen Tag vor der Abstimmung, verfehlte seine Wirkung. Wie berichtet, folgte der Stadtrat mit einer Stimme Mehrheit der Empfehlung von Oberbürgermeister Thomas Jung und Wirtschaftsreferent Horst Müller.

Statt alternative Ideen anderer Architekten einzuholen, wird deshalb nun auf ein „Dialogverfahren“ gesetzt, das der künftige Bauherr des Einzelhandelskomplexes, die Berliner Firma MIB, der Stadt nahegelegt hatte. Das Prinzip: Erste Entwürfe des MIB-Hausarchitekten James Craven, die sich stark am sandsteingeprägten Stadtbild in Fürth ausrichten und auf breite Zustimmung gestoßen sind, werden in Kooperation mit einer Art Expertenrat weiterentwickelt.

In die Wege leiten muss das Procedere mit dem städtischen Baureferenten Joachim Krauße ausgerechnet ein entschiedener Befürworter des Architektenwettbewerbs. Doch Krauße lässt keinen Zweifel daran, dass er trotz seiner abweichenden Meinung das Beste aus der Situation machen wird. Sein Plan: Der Baukunstbeirat, in dem neben den zehn genannten Mitgliedern eine handvoll Stadträte und der Stadtheimatpfleger als nicht Stimmberechtigte sitzen, plus der BI-Sprecher und Architekt Christofer Hornstein sollen das Gremium bilden.

Antwort steht noch aus

Eine entsprechende Anfrage hat Krauße bereits an den Baukunstbeirat gerichtet — die Antwort stehe allerdings noch aus, sagte der Baureferent auf Anfrage der Fürther Nachrichten. Ob das als schlechtes Zeichen zu werten ist, darüber wollte Krauße nicht spekulieren. Und auch die Vorsitzende des Baukunstbeirats, die Architektin Brigitte Sesselmann, hielt sich im Gespräch mit unserer Zeitung noch bedeckt.

Zunächst werde sie den Dialog mit Oberbürgermeister Thomas Jung suchen, sagt Sesselmann — Indiz dafür, dass der Beirat, der schon einmal beklagt hatte, sich im Verfahren für den Einkaufsschwerpunkt nicht ausreichend eingebunden zu fühlen, zumindest nicht ohne Weiteres zur Kooperation bereit ist.

Wie tief der Frust sitzt, lässt auch eine Stellungnahme von Annemarie Bosch, Vorsitzende des Bundes Deutscher Architekten (BDA) in der Region, ahnen. „Einer gewissen Schockstarre“ nach der Stadtratsentscheidung gegen den Wettbewerb, so Bosch, ließ sie am Freitag eine Erklärung folgen. Es sei „aus fachlicher Sicht unverständlich“, dass die Stadt freiwillig auf weitere Gestaltungsvorschläge und auf „Möglichkeiten der Einflussnahme und Steuerung des gesamten Projekts verzichtet“, heißt es darin. Ebenso wenig könne sie nachvollziehen, dass „alle bisherigen Weichenstellungen“ unter Ausschluss ihrer Kollegen aus dem Baukunstbeirat erfolgt seien. 

Wolfgang Händel

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