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Ehemalige Quelle-Mitarbeiter sind enttäuscht

Hoffnungen auf neue Berufsperspektiven im Landesamt für Statistik erfüllen sich nicht — Die Zukunft ist unklar - 04.04.2012 09:00 Uhr

Hinter den Mauern der ehemaligen Quelle-Hauptverwaltung an der Nürnberger Straße gärt es. Die neue Adresse des Landesamtes für Statistik bietet den früheren Versandhaus-Mitarbeitern kaum Berufsperspektiven. © Günter Distler


Zwar war von Anfang an klar, dass der Zensus nur eine befristete Berufsperspektive bis 30. Juni bietet, doch die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt. Zumal die Übernahme in Dauerbeschäftigung nicht ausgeschlossen war. Von den rund 200 Ex-Quelle-Kräften konnten sich nach Angaben aus Mitarbeiterkreisen bislang lediglich zehn einen unbefristeten Vertrag sichern. Weitere zehn werden bis zum 2. Quartal 2014 weiterbeschäftigt und 80 bekommen eine Verlängerung bis zum 30. September 2012. Von letzteren sollen wiederum 20 bis 25 in ein unbefristetes Arbeitsverhältnis übernommen werden.

Für die Hälfte der einstigen Quelle-Mitarbeiter zeichnen sich keine Perspektiven auf Weiterbeschäftigung ab. Es handelt sich überwiegend um Büro- oder Außenhandelskaufleute. Was sie ärgert, ist die Tatsache, dass es keine Informationen über den Zeitplan und Umfang des Behördenumzugs gibt. Im Februar konnten sie sich innerhalb von zwei Tagen für zwei bis 2014 befristete Projektgruppen in Fürth bewerben: eine zur Agrarstatistik, die andere zur Einkommens- und Verbraucherstatistik.

Nicht nur die Kurzfristigkeit, auch das Auswahlverfahren gibt Anlass zur Kritik: „Es wurde nicht nach Fleiß, fachlichem Können und Menschlichkeit beurteilt, auch soziale Aspekte wurden nicht berücksichtigt“, heißt es in einem Mitarbeiterschreiben an die FN-Redaktion. Von „Fassungslosigkeit, Wut und Enttäuschung im Amt“ ist darin die Rede.

Zum zweiten Mal vor dem Aus?

Der örtliche Personalratsvorsitzende, der keinerlei Mitspracherecht bei Personalentscheidungen habe, sei umgehend zurückgetreten. Dass Ex-Quelle-Mitarbeiter jetzt zum zweiten Mal vor dem Aus stehen, wird auf „Fehlentscheidungen der Führungsebene“ zurückgeführt.

Welche Stellen wann von München nach Fürth verlagert werden, wie viele Mitarbeiter den Umzug nicht mitmachen und was das wiederum für die in Fürth Beschäftigten bedeutet, möchte eine ehemalige Quelle-Kraft wissen. Auch die Frage nach der Qualifizierung treibt sie um. An der Möglichkeit zur Weiterbildung soll die Übernahme in ein festes Arbeitsverhältnis bei der Landesbehörde nicht scheitern, betont auf FN-Anfrage der Sprecher der Arbeitsagentur, Matthias Klar. Mittel seien jedenfalls in ausreichendem Umfang vorhanden.

Arbeitsvermittler der Agentur seien bereits im Einsatz, um neue Beschäftigungsmöglichkeiten für die befristeten Zensus-Mitarbeiter zu erschließen. Das ist, so Klar, ein sehr individuelles Bemühen. „Wer darauf beharrt, einen Arbeitsplatz in unmittelbarer Nähe zu finden, wird Probleme bekommen“, sagt der Agentursprecher. In der Metropolregion jedoch böten sich für die Ex-Quelle-Beschäftigten genügend Chancen.

In München wird nach den Worten der stellvertretenden Pressesprecherin des Landesamtes für Statistik, Anke Schwarz, in zahlreichen Sitzungen noch heftig über die Frage der Staffelung des Umzugs nach Fürth debattiert. Man versuche, den Fürther Mitarbeitern entgegenzukommen, und wolle in erster Linie umfangreiche Erhebungsprojekte vorziehen. Es gehe darum, sinnvolle Facheinheiten zu verlagern. Keinesfalls sei der Verdacht von Zensus-Mitarbeitern zutreffend, dass der Umzug mit Rücksicht auf das Wahljahr 2013 verzögert wird. 

Volker Dittmar

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