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Ein ökologischer Überzeugungstäter

Wolfram Schaa nimmt als Bürgermeisterkandidat der Grünen einen dritten Anlauf in Zirndorf - 22.02.2012 09:00 Uhr

Im Wahlkampf setzt Wolfram Schaa auf Öko-Themen. Unter anderem präsentierte er am Marktkauf-Parkplatz Elektroautos. Sein eigener Wagen fährt mit Rapsöl.

Im Wahlkampf setzt Wolfram Schaa auf Öko-Themen. Unter anderem präsentierte er am Marktkauf-Parkplatz Elektroautos. Sein eigener Wagen fährt mit Rapsöl. © H. G. Esterl


„Wann, wenn nicht jetzt“, hatte Schaa im Blick auf die verlängerte Amtszeit bei seiner Nominierung im Dezember vergangenen Jahres erklärt. Er kam spät in die Gänge, nach reiflicher Überlegung erst. Und getrieben von der Hoffnung, in acht Jahren viel bewegen zu können, falls es wider aller Wahrscheinlichkeit doch klappen sollte. Schließlich sei bei vier Kandidaten eine Stichwahl ziemlich sicher, und die sei für Überraschungen gut, glaubt er.

Auch mit seinem Wahlkampf ließ sich Schaa lange Zeit. Er führt ein ziemlich ausgebuchtes Leben. Seit 2002 sitzt der gebürtige Thüringer, der in Nürnberg aufgewachsen ist und seit 1980 in Zirndorf lebt, im Stadtrat der Bibertstadt. Dem Mandat geht er genauso gewissenhaft und sorgfältig nach wie dem im Kreistag, dem er seit 2008 angehört. Und dann wäre da noch der Beruf. Als Qualitätsbeauftragter in einem medizintechnischen Unternehmen Nürnbergs ist er „ganz schön eingespannt“, wie er sagt.

„Sachlich, sozial, seriös und innovativ“: Dass Schaas Wahlslogan auf ihn zutrifft, stellte Schaa auf dem kommunalpolitischen Parkett in der Vergangenheit zur Genüge unter Beweis. Die schärfsten Worte aus seinem Mund sind solche Äußerungen wie „das ärgert mich maßlos“. Und das hört man immer wieder. Etwa wenn er sich darüber beklagt, dass die aktuelle Kommunalpolitik zu wenig nachhaltig und vorausschauend sei. Schaa sagt: „Es wird Zeit für einen grünen Bürgermeister.“

Schaa darf man getrost abnehmen, wenn er als Schwerpunkt die „ehrgeizige und konsequente Umsetzung der Energiewende“ nennt. Er ist Überzeugungstäter. Am eigenen Hausdach ist eine Solaranlage installiert, die den Strom, den er und Gattin Angelika verbrauchen, aus der Kraft der Sonne zapft. Jahrelang hat er als „PV-Man“ ein Internetforum gepflegt, um für die Solartechnik zu werben.

Mit Rapsöl auf Tour

In der Garage steht ein Dieselauto, dessen Motor auf Rapsöl umgerüstet ist. Eigentlich sollten sich die Kosten für die Umrüstung nach 100000 gefahrenen Kilometern amortisieren. Doch durch diese Rechnung machte ihm die Bundesregierung einen Strich, als sie die reduzierte Energiesteuer für Pflanzenöl entgegen ursprünglichen Ankündigungen kippte. Auch hier sein Kommentar: „So etwas ärgert mich.“

Das nächste Auto dürfte wohl ein Elektroauto werden. So ein E-Auto, wie er mehrere im Rahmen seines Wahlkampfes, bei dem er auf ökologische Themen setzt, auf den Marktkauf-Parkplatz in Zirndorf holte. Auch in den Gesprächen bei fairem Kaffee geht es hier nicht etwa um Chancen Schaas bei seiner Kandidatur oder den schleppenden Wahlkampf in der Bibertstadt. Schaa geht es um die Sache: Mit zwei Autohaus-Vertretern informiert er über das Potenzial der Elektromobilität.

Schaas Gattin Angelika ist ganz entzückt von dem Renault Fluence Z.E., der ab 25600 Euro zu haben ist, etwa 4500 Euro teurer als ein gleich ausgestatteter Benziner. Für Schaa ist der Wagen nicht nur eine umweltfreundliche Alternative zum herkömmlichen Fuhrpark auf Deutschlands Straßen, sondern auch als Stromspeicher zum Ausgleich des schwankenden Angebots bei Wind- und Sonnenenergie eine vielversprechende Entwicklung. „Aber bei uns gibt es einfach zu viele Bedenkenträger“, meint er.

„Augenwischerei“

Dass Amtsinhaber Thomas Zwingel auf seinen Wahlplakaten neuerdings für eine „beherzte Umweltpolitik“ eintritt, mag Schaa gar nicht kommentieren, schüttelt dann aber doch den Kopf: „Das ist Augenwischerei“, meint er. „Uns wird derzeit gebetsmühlenartig aufgelistet, was die Stadt an regenerativen Energien nutzt. 17 Photovoltaikanlagen, vier Solarthermieanlagen und vier Hackschnitzelheizungen: Da sind die privaten PV-Anlagen noch nicht mitgezählt.“ Doch in der Summe speist Zirndorf gerade einmal zwei Prozent seines Stromverbrauchs aus regenerativen Energiequellen. Im Landkreis Fürth liegt der Schnitt bei neun Prozent, Zirndorf ist eines der Schlusslichter.

Und da fällt Schaa noch etwas ein, was ihn „maßlos ärgert“: Das Fachmarktzentrum, das vor zwei Jahren an der Rothenburger Straße neu entstand, hat 6000 Quadratmeter Dachfläche und wäre seines Erachtens ideal für Solarstromerzeugung gewesen. Der Bauherr kaufte sich mit 20000 Euro aus dieser Auflage der Stadt heraus. Für Schaa „ein Frevel“. Er forderte, für das Geld eine Bürgersolaranlage in Zirndorf auf den Weg zu bringen, vergeblich. Doch die Energiewende kann seines Erachtens nur mit Beteiligung der Bürger funktionieren. „Die öffentliche Hand kann das allein nicht finanzieren.“ 

VON SABINE DIETZ

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