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„Ein Schmelztiegel im positiven Sinn“

25 Jahre Mütterzentrum: Beliebte Anlaufstelle für Familien, Rentner und Migranten im Herzen der Stadt - 01.03.2013 22:00 Uhr

„Bemerkenswert ist das Grenzen-Sprengende“: Müze-Kinder und Bewohner des Seniorendomizils „Haus Maximilian“ bereiten 2011 ein Schokoladenfondue vor. © Hans Winckler


„Hallo, salut, jambo, hi“, singen die Kinder und eröffnen so den Festakt in der Gartenstraße 14. Die mehrsprachige Begrüßung passt, denn hier kommen sie Tag für Tag zusammen: Kinder aus der Alt- und Innenstadt, einem Viertel mit vielen sozial schwachen Familien, Kinder aus verschiedensten Ländern und Kulturen. Ins Rollen gebracht hat alles Rosi Goff, damals Mutter zweier kleiner Kinder, im Jahr 1988 mit der Gründung des Mütterzentrums in der Königstraße. Sie wollte eine soziale Kontaktstelle für Familien in der Stadt schaffen, berichtet Kerstin Wenzl.

Die 46-jährige gelernte Logistik-Kauffrau ist seit 1991 selbst mit im Boot (Tochter Laura ist heute 22 ) und leitet das Müze seit vielen Jahren. Längst hat sich Goffs Müttertreff, in dem von Anfang an Babymassage- und andere Kurse angeboten wurden, zu einer Art mittelständischem Sozialunternehmen auf Vereinsbasis entwickelt. Finanzielle Unterstützung gibt es von Bund, Land und Stadt und immer wieder von privaten Spendern.

Nach Stationen in der König-, Salz-, Hallemann- und Friedrichstraße beschäftigt das Haus zwei Dutzend Erzieherinnen, Kinderpflegerinnen und Sozialpädagoginnen. Zudem stecken 50 Ehrenamtliche ihre Energie in die vielfältigen Angebote. Auf die Bitte, diese aufzuzählen, entgegnet Wenzl, „ja, wo fang’ ich da an...?“, gibt sich aber gleich selbst die Antwort, „bei der Kinderbetreuung“, und rattert los: zwei Krippen-, drei Kindergarten-, fünf Miniclub-Gruppen, eine Hortgruppe, eine Hausaufgabengruppe plus die flexible Kinderbetreuung während Mamas Einkauf und die offene Gruppe „Omas gute Stube“, wo sich rüstige ältere Damen um die Kinder kümmern. Hinzu kommen Angebote zur Entlastung von Familien wie Babysittervermittlung, Familienpaten- und Notmutterservice sowie interkulturelle und generationenübergreifende Angebote. So treffen sich Frauen zum Nähen in der internationalen Kreativwerkstatt im Haus, es gibt Seniorenkochkurse, Infoveranstaltungen zur Pflegeversicherung und vieles mehr. Gut, dass Kerstin Wenzl etwas von Logistik versteht, zumal auch an den Wochenenden einiges los ist in Haus 14. Unter anderem werden hier während der Frühschicht Kinder der Beschäftigten der benachbarten Seniorenresidenz Curanum betreut.

Die Erfolgsgeschichte des Müze wurde begleitet von Highlights, zu denen Wenzl neben zig Preisverleihungen auch den „sonnigen Morgen“ zählt, als ihr der frühere Jugendamtschef Josef Lassner 2002 vom Bund-Länder-Förderprogramm Soziale Stadt berichtete. Für das Müze, das aus allen Nähten platzte, tat sich damit die Aussicht auf einen Umzug, auf viel Platz und eine Zukunftsperspektive auf. 2006 folgte die Aufnahme ins Aktionsprogramm Mehrgenerationenhaus des Bundes, zum MGH-Start erschien Familienministerin Ursula von der Leyen.

Aktuell suchen immer mehr Familien aus Osteuropa Rat und Hilfe, sagt Wenzl. Ihr Team habe zu tun mit Kindern, die keine Silbe deutsch verstehen, und mit oft blutjungen Müttern, Analphabetinnen, „die eine helfende Hand brauchen und nicht nur einen Zettel, wo sie in Fürth welche Hilfe finden“. Ein Aufwand, der bezahlt sein will. Mehr Geld versprach OB Jung zwar nicht. Doch übergab er einen Scheck über 2500 Euro von den Fürther Marktkaufleuten und Schaustellern und lobte die „fantastische Arbeit einer Non-Profit-Organisation“, die es immer wieder schaffe, Grenzen zu sprengen, Altersgrenzen, kulturelle Grenzen... 

Birgit Heidingsfelder

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