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Eine Sternstunde des Chorgesangs

Der Erlanger CoroCantiamo brillierte barock in der Veitsbronner St. Veitkirche - 08.08.2017 18:00 Uhr

Mit allen Wassern gewaschen präsentierte sich die von der Capella Regnensis begleitete Vokalgemeinschaft von Marco Schneider (vorne rechts). © Foto: Thomas Scherer


"Musik in alten fränkischen Kirchen" lautet der Titel dieser Konzertreihe. Dem Anspruch, den Glauben zum Jubeln zu bringen, wie es Chorleiter Marco Schneider formulierte, wurden die Interpreten in exzellenter Weise gerecht. Der im Jahr 1989 von Mitgliedern des Kammerchores am kirchenmusikalischen Institut der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg gegründete Chor stand von Anfang an unter der Leitung von Marco Schneider, der auch das Originalklangensemble Capella Regnensis leitet. Es stellte sich nicht zum ersten Mal in Veitsbronn als Kammerchor von hoher Qualität vor.

Die zwölf Sängerinnen und fünf Sänger brillierten nicht nur als Chorensemble. Auch alle Rezitative, Arien und Duette wurden von Chormitgliedern ausgeführt – ein weiteres Qualitätsmerkmal der Gruppe. Unter der impulsiven und souveränen Leitung von Marco Schneider, der auch noch als Tenorsolist agierte, wurde diese geistliche Musik aus dem Barock in brillanter Klangpracht und technischer Perfektion dargeboten.

Schon in der einleitenden Kantate "Nahet euch zu Gott" von Christoph Graupner beeindruckte der Chor mit ausgefeilter Homogenität, fülligem Chorklang und perfekten Koloraturen, die Solisten mit Stimmfülle und Ausdruckskraft. Feine dynamische Schattierungen und klangschönes Piano prägten die Arie "Du wirst meine Schuld bezahlen" im Wechsel von Solistin und Chor, im beschwingten Schlusschor mit den beiden Oboen d’amore mit langen ausdrucksvollen Spannungsbögen wurde die im Text vorgezeichnete Freude und Erfüllung "Die Sünd’ ist gebüsst, mein Gott ist versöhnet" überzeugend dargeboten.

In der Kantate "Der Herr hat alles wohlgemacht" wurde diese Aussage in einem klangschönen Duett der Vokalsolisten mit den beiden Oboen und auch in den Chorsätzen in höchstem Ausdruck immer neu wiederholt. Der Jubel des Alleluja prägte die Kantate "Mein Hertze singt und spielt dem Herren" auch in den dramatischen Steigerungen, wenn die Melodie alle Stimmen durchwandert – ein gewaltiges Chorwerk, dargeboten mit eindrucksvoller Dynamik.

Auch in zwei Kantaten von Gottfried Heinrich Stölzel beeindruckten Klangfülle und perfekte Koloraturen, ein wunderschönes Duett von Mezzosopran und Alt. Und mit seiner geschmeidigen, lyrischen Tenorstimme gestaltete Marco Schneider Rezitativ und Arie, ehe das Werk mit dem klangschönen Choral "Laß mich mit Lobgedichten Dich preißen immerdar" verklang. Die Melodie des Chorals "O Haupt voll Blut und Wunden" von Hans Leo Hassler hat Stölzel in die Kantate "Das ist je gewißlich wahr" mit dem von den Streichern im Pizzicato begleiteten Duett "Ach Herr, ich böser Sünder" eingearbeitet.

Die Trauungskantate "Der Herr denket an uns" von Johann Sebastian Bach beginnt mit einer anmutig-beschwingten Sinfonia der Streicher, im Mittelpunkt stehen eine Arie für Mezzosopran und ein Duett für Tenor und Bass, eingerahmt von zwei Chorsätzen mit den Segenswünschen an das Brautpaar und einem großartigen "Amen", das im Piano verklingt.

Zum fulminanten Abschluss: die Motette "Ich liebe Jesum" von Christoph Graupner mit virtuosen Instrumentalpassagen der Streicher und der beiden Oboen. Es war ein steter Wechsel zwischen Chor und Vokalsolisten mit klanglichen Gegensätzen, dazu anspruchsvolle, fugierte Chorstellen und ein richtiggehend zelebrierter breiter Schluss in grandioser Klangfülle.

Die Zuhörer in der gut gefüllten St. Veitkirche erlebten eine Sternstunde des Chorgesangs, bei der die Perfektion des Chores und des Instrumentalensembles gleichermaßen stets dem künstlerischen Ausdruck untergeordnet war. 

GÜNTER GREB

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