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Einkaufsschwerpunkt Fürth: Fassadendiskussion zieht sich

Überarbeiteter Entwurf lässt auf sich warten, dafür wird Erhalt der Hotelfront wieder zum Thema - 21.10.2012 10:00 Uhr

Die gelb leuchtende Fassade des Park-Hotels prägt das Stadtbild im Bereich der Freiheit — jetzt kommt ihr Erhalt wieder ins Gespräch. © Hans Winckler


Unterdessen wollen manche das Rad zurückdrehen und plädieren nun für den Erhalt der derzeitigen Hotelfassade. Die Reaktionen sprechen für sich. Der städtische Baureferent Joachim Krauße bekennt, er müsse erst einmal „tief durchatmen“, MIB-Geschäftsführer Uwe Laule würde am liebsten schweigen. Beide sollen sich auf Nachfrage unserer Zeitung zu einem Rundbrief des Fürther Stadtheimatpflegers äußern. Darin hatte Alexander Mayer jüngst verkündet, er spüre „in der Bevölkerung“ zunehmend den Wunsch, die gelb leuchtende Fassade des Park-Hotels gegenüber der Freiheit zu belassen, an der nach seiner Beobachtung „viele hängen“. Und er selbst, verrät Mayer, neige angesichts der Entwürfe, die der Architektenwettbewerb für den Einkaufsschwerpunkt an der Rudolf-Breitscheid-Straße erbrachte, ebenfalls zu dieser Ansicht.

Die vor einem Monat öffentlich vorgestellten Gestaltungsentwürfe, wir haben darüber ausführlich berichtet, lösten und lösen fast einhellig negative Resonanz aus, sei es in Leserbriefen an unsere Redaktion oder in Online-Kommentaren unter www.fuerther-nachrichten.de. Seelenlos, beliebig, langweilig fanden Kritiker den Komplex mit seiner turmartigen Ecklösung, der Park-Hotel und Fiedler-Haus ersetzen soll.

Inzwischen hat der Sieger, das Leipziger Büro Weis & Volkmann, auf MIB-Bitte zwar nachgebessert, aber offensichtlich nicht genug. Die korrigierte Variante wollte das Unternehmen gar nicht erst öffentlich vorzeigen, derzeit wird zusammen mit dem MIB-„Masterplaner“ James Craven weiter daran getüftelt, die Kuh vom Eis zu bringen. Man habe nun „eine Richtung gefunden, bei der wir zuversichtlich sind“, formuliert MIB-Chef Laule vage; Konkreteres freilich möchte er derzeit nicht nach außen dringen lassen.

Während MIB noch darüber grübelt, ob man in nächster Zeit einen weiteren Präsentationstermin anberaumt, ist Joachim Krauße schon weiter: Das Endergebnis will er am liebsten erst in der öffentlichen Sitzung des städtischen Bauausschusses Mitte Dezember behandeln — und dann gleich „Nägel mit Köpfen machen“, sprich: die Weichen Richtung Baubeginn für das ehrgeizige Einzelhandelsprojekt stellen. Immerhin ist der für das Frühjahr 2013 vorgesehen.

MIB und Stadtspitze sind sich allerdings einig: Ein Erhalt der derzeitigen Hotelfassade wird keinesfalls am Ende der Überlegungen stehen. Baureferent Krauße ist sich wohl darüber im Klaren, dass der Komplex über die Jahrzehnte zu „einer gewissen Heimatprägung“ bei den Fürthern beigetragen hat und mithin identitätsstiftend wirkt. „Daraus den Schluss zu ziehen, diese Fassade zu erhalten, kann ich aber nicht nachvollziehen“, sagt Krauße.

Er könne nur „jedem empfehlen, genau hinzuschauen“: Mehrfach verändert, habe die Hotelfront „keinen Wert mehr“, die architektonische Qualität sei „nicht zu erkennen“ — anders als beim historischen Hotelsaal im Inneren, den er wie auch die Bürgerinitiative „Bessere Mitte“ gern bewahren würde. Drumherum jedoch sieht Krauße nach wie vor „die Chance für eine qualitätsvolle neue Architektur“ an dieser exponierten Stelle der Innenstadt, denn der Bauträger ringe ja sichtbar um für alle akzeptable Verbesserungen. Kraußes Appell: „Wir müssen mehr Augenmerk auf das richten, was wir gewinnen können.“

Irritiert über die Diskussion zeigt sich Uwe Laule. Nach seiner Erinnerung waren sich im Rahmen des von MIB ausgelobten Wettbewerbs alle Juroren — inklusive Stadtheimatpfleger — einig: Lösungen, die in Richtung des kompletten Fassadenerhalts gehen, seien zu verwerfen. 

Von Wolfgang Händel

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