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Einkaufsschwerpunkt: Jetzt geht es in die Vollen

Weichen für mehr Angebot in der City werden ab dieser Woche gestellt - 20.02.2011 10:00 Uhr

Wie soll die Rudolf-Breitscheid-Straße künftig aussehen und wie viele Vorgaben muss Fürth dem Investor machen? Darüber hat die Stadt in der kommenden Woche zu entscheiden. © Hans-Joachim Winckler


Die Ausgangslage ist hinlänglich bekannt und wird in dem 19 Seiten starken Konzept, das unter dem Titel „Aufgabenbeschreibung“ vorliegt, so formuliert: „Mit der Schaffung eines neuen Einkaufsschwerpunkts ...sollen eine Stärkung der Einkaufsfunktion der Innenstadt erfolgen und vorhandene städtebauliche Missstände beseitigt werden.“ Leisten soll das eines der Unternehmen, die sich bei der Stadt beworben haben; nach mehreren „Dialogrunden“ mit der Kommune wird sich der Stadtrat Ende Juli auf das in seinen Augen überzeugendste von ihnen festlegen.

Zu gestalten ist eine Grundfläche von 7250 Quadratmetern, die das Park-Hotel, das frühere Modehaus Fiedler und das gegenüberliegende Wölfel-Areal umfasst — wobei die Option offen bleibt, weitere Grundstücke im Umfeld hinzuzukaufen. Das allerdings darf nichts an der Größe der späteren Verkaufsfläche ändern: Der Einkaufsschwerpunkt soll mindestens 12000, höchstens aber 15000 Quadratmeter umfassen.

Zwingende Vorgabe der Stadt Fürth: Mindestens 50 Prozent der Geschäfte müssen aus dem Bereich Mode und Schuhe kommen, denn hier bestehen in der City die größten Defizite. Doch bei den Inhalten werden sich am Montag erste Diskussionen entzünden, denn die Grünen halten hartnäckig an ihrer Forderung fest:

Ein Kino müsse untergebracht werden, finden sie — sonst gebe es ab 2012 in der Großstadt Fürth mangels Alternativen kein derartiges Angebot mehr „für die breite Masse“. Im Gespräch mit unserer Zeitung versicherte auch der Betreiber des auf dem Areal derzeit bestehenden City-Kinocenters, Alfred Ach, er stehe „Gewehr bei Fuß“, um hier neu zu bauen — wenn ihm die Kommune bezahlbare Flächen bietet.

Doch OB Thomas Jung winkt auf Nachfrage der FN ab: „Der Platz reicht nicht“, sagt er, denn rund 5000 Quadratmeter wären dafür nötig. Das eigentliche Vorhaben, endlich ein zugkräftiges Einkaufsangebot auf angemessenem Raum zu schaffen, werde dadurch behindert.

 

Der Busverkehr dürfte ein weiterer Streitpunkt werden. Während es im Entwurf der Stadt lediglich heißt, die durch die Breitscheidstraße führenden Buslinien seien „zu berücksichtigen“, möchten sowohl Grüne als auch die Bürgerinitiative „Bessere Mitte“ dies dem Bauherren zwingend diktieren. Andernfalls riskiere man, die letzte Bushaltestelle innerhalb des City-Kerns an der Hallstraße überflüssig zu machen und die Linienführung über den Haufen zu werfen.

 

Wie hoch ist der Preis, den der Erbauer und spätere Betreiber des Einkaufsschwerpunkts an die Stadt zahlen muss? Nach Informationen der Grünen soll hier nur jene Summe gefordert werden, die die Stadt selbst für die Immobilien gezahlt hat — nicht aber Nebenkosten für Notar, Zinsen für die Zwischenfinanzierung sowie Grunderwerbssteuer. Falsch ist diese Annahme nach Auskunft des städtischen Wirtschaftsreferenten Horst Müller. In den geforderten Mindestkaufpreis von 6,36 Millionen Euro fließe all dies ein.

Hinzu kommt ein Kniff, mit dem die Stadt glaubt, den Kaufpreis erheblich steigern zu können: Für jede Million mehr, die ein Investor zahlt, werden ihm drei Bonuspunkte im Wettbewerb gutgeschrieben; maximal wären so 20 Punkte zu erreichen.

Um dem Preis aber nicht zu viel Gewicht bei der Entscheidung zu geben, soll er nur 20 Prozent der Gesamtbewertung ausmachen. Die restlichen 80 Punkte könnten Wettbewerber für das Kriterium „Qualität“ einstreichen. Dazu zählen unter anderen der Umgang mit der Rudolf-Breitscheid-Straße, die Parkplätze, die Anlieferung, der Denkmalschutz, die Verkehrsanbindung, die Außenwirkung, die Sortiments- und Flächenstruktur und das Management.

 

Auch am Architektenwettbewerb, den der Bauherr im Herbst ausloben muss, üben die Grünen Kritik. Da bereits in den Dialogrunden zuvor wichtige Eckdaten zu Baumasse und Raumvolumen festgeklopft werden, handele es sich doch nur noch um einen „Fassadenwettbewerb“, monieren sie. Das sei nicht ganz von der Hand zu weisen, räumt Wirtschaftsreferent Müller ein. „Aber die Fassade ist ja auch das Wichtigste“, findet er. Zudem so OB Jung, sammle der Investor die meisten Pluspunkte, der „mit der geringsten Baumasse auskommt“ — sich also am besten in die bestehende Gebäudestruktur einfügt.

 

Bleibt die Frage nach der Bürgerbeteiligung. Regelmäßige, für alle zugängliche Informationsveranstaltungen verlangen die Grünen, und auch 60 Prozent der knapp 500 Teilnehmer an einer — nicht repräsentativen — Online-Umfrage der FN sprachen sich dafür aus. 28 Prozent sind der Meinung, das von der Stadt gewählte Verfahren mit einem Projektbeirat, an dem auch kritische Geister beteiligt sind, ist transparent genug, elf Prozent wollen nur dann informiert werden, wenn es „rechtlich möglich und sinnvoll ist“.

Letztere Anwort-Option hätte wohl auch der OB gewählt, denn Thomas Jung bleibt bei seiner Meinung: „Wir informieren dann, wenn es etwas zu informieren gibt.“

  

WOLFGANG HÄNDEL

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