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Erste Hilfe auf dem Eis: Robben Sie zur Unglücksstelle!

FN-Serie zur Ersten Hilfe: Die DLRG Fürth zeigt im Video wichtige Handgriffe bei der Eisrettung - 23.02.2018 11:50 Uhr

Robben Sie zur Unglückstelle und halten Sie dem Eingebrochenen etwas hin, wonach er greifen kann: Mitglieder des DLRG-Ortsverbands Fürth simulieren auf der Zirndorfer Kunsteisfläche wichtige Handgriffe bei der Eisrettung. © Hans-Joachim Winckler


Erste Hilfe zu leisten bedeutet vor allem: rasch und beherzt zu handeln, wenn ein Mensch in Not ist. Was wann zu tun ist, erklären Experten in der Erste-Hilfe-Serie der FN. Wichtige Handgriffe führen sie im Video vor. Diesmal geht es um die Eisrettung.

Wenn Seen und Weiher im Frost erstarren, zieht es viele Menschen aufs Eis. Aber kann man dort, wo sonst Enten schwimmen, tatsächlich spazieren gehen, Schlittschuh laufen, Eishockey spielen? Immer wieder warnen Behörden vor dem Betreten von Eisflächen, die dafür nicht explizit freigegeben wurden. Trotzdem geraten Jahr für Jahr Kinder und auch Erwachsene in Gefahr, weil sie die Tragfähigkeit der Eisschicht überschätzen. Und dann geht es um Minuten. Alexander Schmid, Einsatzleiter Wasserrettung bei der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft DLRG in Fürth, erläutert, worauf bei einem Rettungsversuch zu achten ist.

Angenommen, ich selbst bin eingebrochen. Wie sollte ich mich verhalten?
Das Wichtigste ist, dass Sie bei aller Panik versuchen, Ruhe zu bewahren! Kam es nahe am Ufer zu dem Unfall, können Sie versuchen, sich mit den Ellbogen durch die Eisschicht zurück zum Ufer zu brechen. Befindet sich die Einbruchstelle weiter draußen auf dem Gewässer, spreizen Sie Arme und Beine wie bei einem Hampelmann, um möglichst viel Körperfläche auf das Eis zu bringen, und robben Sie in die Richtung zurück, aus der Sie gekommen sind. Denn in diesem Bereich hat Sie das Eis kurz zuvor ja noch getragen. Richten Sie sich aber bitte erst wieder auf, wenn Sie absolut sicher sind, dass die Eisschicht nicht unter Ihnen nachgeben kann.

Nun der andere Fall: Ich habe beobachtet, dass jemand ins Eis eingebrochen ist. Wie sollte ich reagieren?
Auch als Ersthelfer müssen Sie vor allem Ruhe bewahren! Setzen Sie sofort einen Notruf ab bzw. sorgen Sie dafür, dass dies zuverlässig (!) jemand tut, der sich bei Ihnen befindet. Rennen Sie dann bitte nicht los, um dem Eingebrochenen zu helfen, sondern suchen Sie sich mögliche Hilfsmittel.

Was kommt als Hilfsmittel infrage?
Geeignet ist alles, was der Eingebrochene greifen kann und was zugleich einen gewissen Abstand zu Ihnen als Helfer herstellt, damit Sie möglichst nicht auch in Gefahr geraten. Das kann zum Beispiel ein Ast sein, eine Zaunlatte, eine Leiter, ein Brett, eine Bierbank, ein Besen, ein (Abschlepp-)Seil, die fest verknoteten Schals oder Pullover von Umstehenden...

Wie genau nähere ich mich nun dem Eingebrochenen?
Sie sollten keinesfalls zur Einbruchstelle laufen, weil die Gefahr groß ist, dass dann auch Sie einbrechen. Legen Sie sich also bitte flach aufs Eis, robben Sie zu der Unglücksstelle hin und halten Sie dem Eingebrochenen ein Brett oder etwas anderes hin, nach dem er greifen kann.

Was aber, wenn weit und breit kein Hilfsmittel in Sicht ist?
Sie können auch versuchen, mit anderen Anwesenden eine Menschenkette zu bilden. Dabei legen sich alle Beteiligten flach auf das Eis, jeder fasst die Füße seines Vordermannes und gemeinsam robben alle zu dem Verunglückten.

Es ist gelungen, den Verunglückten aus dem eisigen Wasser zu ziehen. Wie geht es weiter?
Bringen Sie den Patienten unbedingt ganz aus der Gefahrenzone, also runter vom Eis. Ist er nicht ansprechbar, müssen Sie ihn in die stabile Seitenlage bringen oder, wenn auch keine Atmung erkennbar ist, mittels Herz-Lungen-Wiederbelebung reanimieren.

Ist der Patient ansprechbar, unterscheidet man zwei Fälle: Zittert er noch, sollten Sie ihm seine nasse Kleidung vorsichtig ausziehen, ihn in Decken einhüllen und etwas Warmes zu trinken geben. Zittert er allerdings nicht mehr, sollten Sie die Kleidung nicht entfernen. Denn: Jede weitere Erschütterung des unterkühlten Körpers könnte das kalte Blut zum Herzen bringen und so einen Herzinfarkt auslösen. 

Birgit Heidingsfelder E-Mail

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