Freitag, 18.01.2019

|

Erster E-Bus Nordbayerns fährt in Fürth

Premiere mit dem "Solaris Urbino" - Elektromotoren ersetzen Dieselantrieb - 29.01.2018 16:00 Uhr

Der neue E-Bus aus Polen – hier bei der Vorstellung am Rathaus – unterscheidet sich äußerlich kaum von herkömmlichen Dieselfahrzeugen. © Hans-Joachim Winckler


Die Probefahrt mit Vertretern der Medien fiel ins Wasser: Von der infra in der Leyher Straße bis zum Busbahnhof am Rathaus ließ er sich noch bewegen. Dann wollten die Batterien auf einmal nicht mehr Energie hergeben und am Armaturenbrett blinkten rote Lichter von Fehlermeldungen auf.

Unter die Lupe nehmen konnte man das glänzende und mit werbefolien beklebte Fahrzeug gleichwohl. Äußerlich unterscheidet sich der Zweiachser mit 35 Sitz- und 42 Stehplätzen kaum von den herkömmlichen Dieselmodellen. Doch statt eines rußenden Verbrennungsmotors arbeiten an der Hinterachse zwei emissionsfreie Elektromotoren. Mit einer Reichweite von 200 Kilometern kann der neue E-Bus nach der Erprobungsphase in etwa zwei Wochen auf allen städtischen Linien eingesetzt werden. An der eigenen Ladestation im Busbetriebshof der infra lassen sich die sechs Batteriepakete in etwa zweieinhalb Stunden aufladen, heißt es im Steckbrief des zwölf Meter langen und 14 Tonnen schweren Fahrzeugs.

Hohe Kosten

Allein die Ladesäule hat 75.000 Euro gekostet. Der im polnischen Posen gefertigte Bus Marke Solaris, Typ Urbino 12 Electric, schlägt mit satten 700.000 Euro zu Buche. Fast drei herkömmliche Dieselbusse hätte man dafür bekommen. Nur Tropfen auf den heißen Stein sind da die Zuschüsse: 70.000 Euro kommen von der Regierung Mittelfrankens, weitere 146.702 Euro gewährt das Projektzentrum des Bundes in Jülich.

Einen "Riesenfortschritt" sieht Oberbürgermeister Thomas Jung im Elektroantrieb. Er trage zur Entlastung der Städte von Abgas und Lärm bei. Ganz geräuschlos fährt der E-Bus Urbino allerdings nicht herum. Mit 77db ist er laut genug, um Radler und Fußgänger beim Herannahen zu warnen. Ein herkömmlicher Bus bringt es nach Angaben von Klaus Dieregsweiler, dem Leiter des infra-Verkehrsbetriebs, auf über 80db.

Nur der Anfang

Sukzessiv, so infra-Geschäftsführer Hans Partheimüller, soll in Fürth eine E-Busflotte aufgebaut werden - als Ersatz für die Dieselfahrzeuge. Ein bis zwei weitere seien für 2019 geplant. Anders als Nürnberg, wo man ab 2020 nur noch E-Busse anschaffen möchte, hat sich Fürth keine solche Frist gesetzt.

Der infra-Strom für den Solaris kommt übrigens nicht überwiegend von der Sonne, wie es der Fahrzeugname vermuten lässt. Gleichwohl aus regenerativer Quelle. 50 Prozent ihres Energiemixes bezieht die infa laut Partheimüller nämlich aus norwegischer Wasserkraft.

Noch steckt die Elektromobilität in Fürth in den Kinderschuhen, doch der OB setzt auf einen 100-prozentigen Zuwachs in diesem Jahr. Vergangenes Jahr seien es bereits 50 Prozent gewesen. Über derzeit rund 100 Elektroautos in Fürth freut sich Jung. Hinzu kommen 500 Hybridfahrzeuge mit Verbrennungs- und Elektromotor. Beim Umrüsten der Linienbusse hofft der OB auf ein stärkeres Engagement der deutschen Automobilhersteller. 6000 Fahrzeuge seien in den nächsten Jahren zur Runderneuerung des Personennahverkehrs nötig.

Was Fürths ersten E-Bus betrifft: Bis zum 17. und 18. März zumindest sollte alles wieder funktionieren. Denn dann will die infra ihren neuen Stolz auf der 5. Energiemesse "element-e" im Energiepark Hirschaid  präsentieren. 

Volker Dittmar

12

12 Kommentare

Seite drucken

Seite versenden



Um selbst einen Kommentar abgeben oder empfehlen zu können, müssen Sie sich einloggen oder sich zuvor registrieren

Ihr Kommentar

Ihr Kommentar:

Bitte beachten Sie unsere Netiquette.

weitere Meldungen aus: Fürth