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Fürth: Aufbau des Einkaufszentrums beginnt mit Betonpfählen

Investor lässt sich von neuerlicher Kritik am Abriss des Parkhotel-Festsaals nicht beeindrucken - 17.08.2013 10:00 Uhr

Neue Bilder zeigen den gründerzeitlichen Festsaal mit spektakulärer Dachkonstruktion nurmehr als Skelett. © privat


Das Park-Hotel wird von Tag zu Tag schmaler. Unter den Blicken zahlreicher Zuschauer leistet der gewaltige Abrissbagger auf dieser Seite der Rudolf-Breitscheid-Straße auch jetzt wieder ganze Arbeit. Das einst so stolze Hotel hängt förmlich in Fetzen. Auf der anderen Straßenseite ist seit Donnerstag ein anderes Aufsehen erregendes Baustellengerät im Einsatz: ein Raupenbagger mit hoch aufragendem Stahlrohr.

Sein Job ist es, so Bauleiter Thomas Voigt, am Baustellenrand Löcher von acht Metern Tiefe — das entspricht zwei künftigen Untergeschossen — und 62 Zentimetern Durchmesser ins Erdreich zu bohren. „Eine tolle Technik“, schwärmt Voigt, „so ausgeklügelt“. Er erklärt, dass sich im Stahlrohr ein Bohrer in die Tiefe frisst. Ein Schneckengewinde fördert den Aushub dann durch das Rohr ans Tageslicht. In den unterirdischen Hohlraum fließt unterdessen Beton, der mit Stahlarmierungen verstärkt wird.

Aufbau: Auf dem Wölfel-Areal setzt ein Spezialgerät Bohrlöcher. © Johnston


Bis Anfang Oktober wird sukzessive das gesamte Wölfel-Areal von 467 Betonpfählen eingefasst, die sich zu einer Wand fügen. Und die soll laut Voigt verhindern, dass Nachbargebäude einstürzen, wenn die Baugrube ausgehoben wird. Die (Auf-)Bauarbeiten am Einkaufszentrum haben also begonnen. Doch Voigts Fahrplan für den Abriss umfasst noch zig Stationen. Voraussichtlich ab Montag, sagt er, wird die Friedrichstraße aus Sicherheitsgründen drei bis vier Nächte jeweils von 20 Uhr bis 6 Uhr gesperrt. Dann werden dort die Hotel-Obergeschosse abgebaut. Gerüchte, wonach der denkmalgeschützte Festsaal schon am Wochenende fallen soll, dementiert Voigt: Erst wenn Ende August das Park-Hotel Geschichte ist, nehme sich die Abbruchfirma das Festsaalgebäude vor.

Wie berichtet, hat Investor MIB von Anfang an erklärt, den denkmalgeschützten Saal, der lange Zeit völlig verbaut und den Blicken der Öffentlichkeit entzogen war, nicht halten zu wollen: technisch zu aufwendig, wirtschaftlich nicht vertretbar. Der Aufschrei der Denkmalschützer kam, auch vom Landesamt für Denkmalpflege und vom Landesdenkmalrat, doch er kam spät. Im Mai genehmigte der Stadtrat den Abriss zugunsten des Einzelhandelsprojekts.

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Das traditionsreiche Fürther Parkhotel wird schon bald nur noch Schutt und Asche sein. Am Mittwoch wurde in der Rudolf-Breitscheid-Straße mit den Abrissarbeiten begonnen. Dort, wo jahrzehntelang Stadtbesucher nächtigten, wird nun ein neuer Einkaufsschwerpunkt errichtet.


Soeben hat die Oberste Denkmalschutzbehörde die Abrissgenehmigung für rechtswidrig erklärt, Folgen entstehen daraus nicht. Oberbürgermeister Thomas Jung sprach von „interessanten Ausführungen“, Baureferent Joachim Krauße von einer „Rechtsmeinung“. Bei MIB reagiert man ebenfalls ungerührt. „Wir haben das zur Kenntnis genommen, aber wir haben eine Genehmigung“, sagte nun Geschäftsführer Uwe Laule, verwies auf „viele Schleifen, die zuvor gedreht wurden“ und zeigte sich überzeugt, dass auf den Trümmern von Hotel und Festsaal ein neuer „Identifikationspunkt für Fürth“ entstehen wird.

Bei den Abriss-Gegnern sieht man das naturgemäß anders. Kamran Salimi, Mitglied der Bürgerinitiative (BI) „Bessere Mitte“ und Sprecher der Arbeitsgruppe Park-Hotel im Verein „Wir sind Fürth“, hält die Erwartungen an das Einkaufszentrum allgemein für „zu hoch“, zumal Geschäfte wie C&A nur umzögen. Trotz der „verpassten Chance“, den Festsaal in den neuen Komplex zu integrieren – resignieren will Salimi nicht. Ob er und seine Mitstreiter eine weitere Protestaktion starten, ist unklar. Klar aber ist, dass sie weiter mitreden wollen, wenn es um Fürths Zukunft geht. Die Arbeitsgruppe Park-Hotel benennt sich bald um — in AG Stadtentwicklung. 

Birgit Heidingsfelder

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