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Fürth gegen Rechts: "Dritter Weg" trifft auf Widerstand

Sitzblockade zwingt Rechte zur Umkehr - Sozialreferentin lobt Bewohner - 15.10.2016 20:00 Uhr

In Fürth ist kein Platz für Fremdenhass: Die Demonstranten an der Hardhöhe zeigen Flagge gegen Rechts.

In Fürth ist kein Platz für Fremdenhass: Die Demonstranten an der Hardhöhe zeigen Flagge gegen Rechts. © Hans-Joachim Winckler


Unter dem Motto "Gegen Asylmissbrauch" starteten die Rechten ihren Zug am Samstag an der Hardhöhe. Die Mitglieder des "Dritten Wegs" trafen gegen 15 Uhr dort ein. Die rund 100 Personen wurden von den Gegendemonstranten mit einem lautstarken Pfeifkonzert, begleitet von "Nazis raus"-Rufen und Glockengeläut der benachbarten Heilig-Geist-Kirche, in Empfang genommen.

Die Hardhöhe wurde gezielt als Ausgangspunkt der Demo gewählt, weil im ehemaligen Gemeindehaus von Heilig Geist demnächst Flüchtlinge beherbergt werden. In der Gemeinde formiert sich bereits ein Helferkreis, der auch bei der Gegendemo Flagge zeigte. Die Teilnehmer des "Dritten Wegs" waren seit April vergangenen Jahres zum dritten Mal in der Kleeblattstadt. Bei ihrer letzten Versammlung stießen die Neonazis schon einmal auf massiven Widerstand seitens der Demonstranten. 

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Kein Platz für Fremdenhass: Hardhöhe zeigt Flagge gegen Neonazis

Am Samstag folgten über 100 Rechte dem Aufruf der radikalen Partei "Der Dritte Weg" nach Fürth. Der Grund für die Versammlung der Neonazis war vor allem die geplante Gemeinschaftsunterkunft an der Hardhöhe. Doch dort wurden die Rechten von zahlreichen Gegendemonstranten mit einem Pfeifkonzert und "Nazis raus"-Rufen empfangen.


Vor Ort waren dieses Mal etwa 400 bis 500 Gegendemonstranten und etwa 200 Polizisten, die sich im Bereich der U-Bahn Station Hardhöhe positioniert hatten. Dass die Endhaltestelle der U-Bahn auf der Hardhöhe zur Anfahrt der Rechtsextremen zweieinhalb Stunden lang von der Polizei abgeriegelt wurde, stieß auf heftige Kritik. Öffentliche Verkehrsmittel, so der Tenor, dürften nicht für radikale Kräfte reserviert werden.

Absage an Spalter

Die Fürther Sozialreferentin Elisabeth Reichert freute sich über die vielen Teilnehmer und auch daraüber, dass etliche dabei waren, die zuvor noch keine Demonstration besucht hatten."Wir wollen keine Spaltung der Gesellschaft, sondern eine Stärkung der Gesellschaft", verkündete sie am Samstagnachmittag an der Hardhöhe. Außerdem fügte Reichert an, "wir brauchen keine Nazis, die uns sagen wie wir leben sollen."

Nach Einschätzung des SPD-Bundestagsabgeordneten Carsten Träger war der Aufmarsch der Rechtsextremen diesmal eindeutig auf Einschüchterung angelegt. Bürgermeister Markus Braun, der sich ebenso zu den Gegendemonstranten gesellt hatte wie der Süßwarenfabrikant Herbert Mederer mit Ehefrau Iris, sah hingegen im breiten Spektrum engagierter Menschen, die sich dem Aufmarsch entgegenstellten, ein ermutigendes Zeichen. Dekan Jörg Sichelstiel lobte das Engagement und erinnerte daran, dass viele der ersten Bewohner des neuen Stadtteils nach dem Krieg als Heimatvertriebene hier freundlich aufgenommen worden waren.

 

Umkehr an Cadolzburger Brücke

Als der Zug sich auf den Weg zur Billinganlage machte, gab es immer wieder Unterbrechungen, da kurze Kundgebungen abgehalten wurden. Auf Höhe der Hardstraße errichteten dann rund 50 Gegendemonstranten eine Sitzblockade, um die Rechten am Weiterzug zu hindern. Die sitzenden Demonstranten wurden jedoch von den Polizisten von der Straße getragen. Gegen 16.20 Uhr blockierten erneut Demonstranten den Weg der Rechten. Rund 60 Menschen saßen auf der Cadolzburger Brücke und versperrten den Weg.

Dies zwang die Anhänger des "Dritten Wegs" schließlich zur Umkehr. Die Polizei griff dieses Mal nicht ein, da das Sicherheitsrisiko auf der Brücke zu groß war. Kurz darauf blockierten Demonstranten die Eisenbahnbrücke in der Hardstraße. Trotz des Umwegs erreichten die Anhänger des "Dritten Wegs" doch noch ihr gesetztes Ziel, die Fürther Billinganlage. Gegen 18.30 Uhr zogen sich die Rechten dann aber zurück, und auch die Gegendemonstration löste sich langsam auf.

Gemeindehaus soll Unterkunft werden

Auch die Dekane der evangelischen und der katholischen Kirchen waren am Samstag vor Ort. Außerdem wurden bis zu sieben Fußballfangruppen erwartet, die den Rechten ebenfalls Paroli bieten wollten.

Der Verkehr wurde durch die Demonstration massiv eingeschränkt, die betroffenen Straßenzüge waren komplett gesperrt. Der Nahverkehr der U-Bahn Linie eins, in Richtung Hardhöhe, stand zu Beginn der Demonstration komplett still. Etwa eineinhalb Stunden war der U-Bahnhof Hardhöhe durch die Polizei abgeriegelt, um die Anhänger des "Dritten Weges" abzuschirmen.

Die Polizei meldete am Samstagabend, dass die Demonstration ohne große Zwischenfälle verlief. Es wurden drei Strafverfahren während der Versammlung eingeleitet. Außerdem verletzte sich ein Beamter während des Einsatzes leicht. Laut Polizei protestierten an der Billinganlage, dem Ziel des Marsches, etwa 350 Personen "aus dem bürgerlichen und linkspolitischen Lager sowie erkennbar auftretende Fußballanhänger".  

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