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Fürth: Wegbereiter der Integration

Eine Ausstellung beleuchtet Beispiele des Engagements für Flüchtlinge - 14.09.2016 21:00 Uhr

Die Fürther „Sprachmenü“-Initiatoren Felix Trejo (links) und Jürgen Kluth mit dem Begleitheft vor einem Ausstellungsbanner in der neuen Innenstadtbibliothek. © Foto: Uli Schuster


Mit dem Projekt „Sprachmenü“ des Freiwilligenzentrums kann sich die Kleeblattstadt in dieser Runde durchaus sehen lassen. Und dass der Plan funktioniert, Sprachbarrieren und diverse Vorbehalte am Kochtopf zu überwinden, hat sich seit der Feuertaufe am 18. Juli vergangenen Jahres bereits hinlänglich gezeigt.

Der gelernte Koch und spätere Geschäftsführer bei Karstadt, Jürgen Kluth, gehört wie der Leiter des Fürther Freiwilligenzentrums, Felix Trejo, zu den treibenden Kräften. Trejo hat Fördermöglichkeiten ausgelotet, Kluth inhaltliche Anregungen beigesteuert. Alle zwei Monate werden zehn Flüchtlinge und zehn ehrenamtliche Helfer zum gemeinsamen Kochen und Essen ins neue Gemeindehaus von St. Paul eingeladen. In ungezwungener Atmosphäre sollen sich Paare finden, um Alltagsprobleme meistern und die Integration voranzutreiben.

Als Kluths Tandempartner bestätigte der Syrer Ahmad Sabri bei der Ausstellungseröffnung am Montagabend, wie gut das funktioniert. Beim Vorbereiten der Mahlzeit komme man sich nicht nur rasch näher, sondern lerne auch viel voneinander — seien es landestypische Ernährungsgewohnheiten, Tischsitten oder elementare Begriffe, die im Alltag wichtig sind. Es habe sich gezeigt: kaum etwas verbindet so gut, wie das Essen.

Vor zahlreichen prominenten Besuchern – darunter die Bundestagsabgeordneten Carsten Träger (SPD) und Uwe Kekeritz (Die Grünen), Landtagsabgeordnete Petra Guttenberger (CSU) und Dekan Jörg Sichelstiel – lobte Fürths Sozialreferentin Elisabeth Reichert die „bislang einzigartige Zusammenarbeit“. Das Projekt „Sprachmenü“ trage dazu bei, dass eine menschenwürdige Aufnahme von Flüchtlingen und deren Integration in unsere Gesellschaft gelinge.

Helfer aus Dankbarkeit

Die ehrenamtlichen Helfer haben nach den Worten von Oberbürgermeister Thomas Jung die Situation bei der großen Flüchtlingswelle im vergangenen Jahr „gerettet“. Was Jung dabei beeindruckt, ist die Erfahrung, dass viele Helfer ihre Arbeit nicht als Last empfinden, sondern als Bereicherung. Tätig würden sie auch aus Dankbarkeit, dass es ihnen besser geht, als den aus ihrer Heimat Geflohenen. Alexandra Latteier vom IHK-Gremium Fürth machte auf eine App des Fürther Bündnisses für Familien aufmerksam, die Flüchtlingen in verschiedenen Sprachen Basiswissen zur Orientierungshilfe im Alltag vermittelt.

Derzeit kümmern sich laut Reichert in Fürth etwa 500 freiwillige Helfer um die aktuell noch rund 1600 Flüchtlinge. Ihre Integration ist in den Augen der Fürther Sozialreferentin die zentrale Herausforderung. Viele engagierte Menschen stellen sich ihr in der Metropolregion. Die Wanderausstellung gibt ihnen ein Gesicht:

Da ist etwa die Bäuerin aus Wachenroth, die ein gemeinsames Frühstück mit Flüchtlingen organisiert hat, aus dem dann weitere Hilfsprojekte hervorgegangen sind. Oder zwei Nürnbergerinnen, die jeweils einen unbegleiteten minderjährigen Flüchtling aufnahmen, um ihn nach Kräften zu fördern. Eine Hersbruckerin sammelte 50 Fahrräder für Flüchtlinge.

Ein Ansbacher hat zwei Flüchtlinge aus Eritrea betreut, die inzwischen ihr neues Wissen als Begleiter von Asylsuchenden bei Arztbesuchen oder Behördengängen weitergeben. Eine Frau aus Freudenberg gründete ein Frauencafé und organisiert ein Freizeitprogramm für Flüchtlingskinder, in Bamberg verbindet ein Sportangebot Einheimische mit Flüchtlingen.

Das nächste Sprachmenü-Treffen ist am 8. Oktober geplant. Wer noch Interesse hat, als freiwilliger Helfer teilzunehmen, um einem Flüchtling nachhaltig unter die Arme zu greifen, kann sich unter der Rufnummer (09 11) 2 17 47 82 im Freiwilligenzentrum bei Felix Trejo melden. 

Volker Dittmar

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